Elden Ring: Besser als Dark Souls?

Elden Ring - Ich und mein Pony

Elden Ring ist ein Action-RPG mit einer detaillierten und riesigen Spielewelt und den bewährten Konzepten der Action-RPG-Serie Dark Souls aus Japan. Trotz seiner Herkunft sieht es aus wie ein westliches Spiel. Und obwohl die Hintergrundgeschichte vom Typen kommt, der das Ende von Game of Thrones verbockte, hat das Spiel in diesem Jahr sämtliche Rekorde in Sachen Wertungen und Verkaufszahlen gebrochen. Ich habe es zusammen mit einer Gruppe aus alten Veteranen und Neulingen im Souls-Universum auf der Xbox Series X gespielt.

Inhaltsverzeichnis

Die offene Welt von Elden Ring der Star des Spiels.
Kein überflüssiges UI stört die digitale Pracht.

Zelda: Breath of the Wild trifft Dark Souls

Einer meiner absoluten Lieblingstitel ist The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Zum ersten Mal hatte ich in der riesigen Spielewelt von Hyrule damals auf der Switch viel Spaß ohne die Quest To-Do Listen oder Markierungen auf der Karte von Ubisoft oder Bethesda. Man stolperte immer wieder in einzigartige Überraschungen ohne Fetch-Quests oder Ratten in Kellern. Elden Ring hat dieses Gefühl von einem Abenteuer in einer unbekannten Wildnis perfekt kopiert. Denn es wird keine Karte mit Laufweg angezeigt. Jeder muss selber den Weg durch diese verrückte Welt finden, die das auf jedem Meter versucht zu verhindern. Aber wenn man es trotzdem schafft, fühlt es großartig an.

„Elden Ring macht für meinen Geschmack vieles besser als Walking Simulatoren wie Skyrim und sämtliche Spiele von Ubisoft.“

Fehlender Realismus sorgt für mehr Spielspaß

Wenn man am Horizont auf einem Berg ein Schloss sieht, dann kann man dort auf irgendeine Weise hinreiten. Auf dem Weg wird man aber wieder etwas entdecken, dass einen erfolgreich ablenkt. Dabei schafft es das Spiel erfolgreich eine Spielewelt, ohne viel Copy-and-paste zu präsentieren. Natürlich habe ich einen Kerzenständer schon mal irgendwo gesehen, aber ich hatte selten das Gefühl, dass sich etwas in der Landschaft wiederholt. Bis auf einige Forts und Hütten ist die Oberwelt immersiv gestaltet worden. Dazu gehört auch eine Gegnervielfalt, die ich so bislang in keinen Spiel gesehen habe. Und die großen Gegner können sogar Teile von Gebäuden zerstören hinter denen man sich gerade zitierend versteckt. Somit brilliert Elden Ring mit demselben herausragenden Qualitätslevel wie schon die anderen Teile der Serie. Dazu zählt auch die Vertikalität der Welt mit all ihren Bergen, Schluchten und Höhlen. Selbst im Startgebiet findet man nach über 100 Stunden Spielzeit neue Geheimnisse, die tatsächlich dann noch relevant für den Spielverlauf sind.

Ansonsten ist das Spiel angenehm unrealistisch. Da es sich um ein japanisches Spiel handelt, darf man hier bewusst keine naturalistische Darstellung eines Teutoburger Waldes erwarten, sondern eine Überraschung nach der Nächsten. Das gilt nicht nur für die Gestaltung der Landschaft. So gibt es keinen Hunger oder Durst oder Tiere müssen in ausladenden Animationen gehäutet werden. Elden Ring macht für meinen Geschmack vieles besser als Walking-Simulator wie Skyrim und sämtliche Spiele von Ubisoft.

Diese digitale Pracht wird dabei von keinem überflüssigen Benutzerinterface verdeckt. Während andere Spiele mit Minimap, Questlisten und Pfeilen in der Landschaft von der Grafik ablenken, werden bei Elden Ring nur die nötigsten Elemente angezeigt. Und dann auch nur, wenn sie gebraucht werden. Bei mir sorgt diese hohe Qualität des Erlebten dafür, dass ich mit anderen Spielen wenig anfangen kann, da es dort vergleichsweise wenig zu entdecken gibt. In Elden Ring muss man sich an jeder Ecke ganz genau umschauen. Überall wimmelt es nur so von Möglichkeiten auf etwas draufzuspringen, herunterfallen zu lassen oder auszuprobieren.

Elden Ring will nicht, dass du alles findest

Elden Ring interessiert es überhaupt nicht, wenn du es nicht findest. Ich hatte gerade in der Academy of Raya Lucaria den Red Wolf of Radagon besiegt und war schon dabei, mich Richtung Norden weiter umzusehen. Am nächsten Tag fragte mich einer meiner Freunde, wie viele Bosse ich denn so dort besiegt hätte. Da es nur einer war, wurde mir klar, es dort wohl noch weiterging. Weil ich es selber nicht gefunden habe, habe ich dann jemand aus der Gruppe beschwören lassen und konnte mir in meinem Spiel den Weg zeigen und dann noch bei Rennala Queen of the Full Moon helfen.

Und selbst das war nicht alles. Später fanden wir dort noch das Radagon Icon, ein Talisman, der die Geschwindigkeit beim Zaubern deutlich erhöht. Wir reden hier also nicht von irgendwelchem versteckten Füllmaterial, sondern von Gegenständen und Bossen, um überhaupt weiterzukommen. Denn im Spiel gibt es nichts, was man in anderen Spielen direkt beim Händler verkaufen würde.

Ich und mein Pony. Sein Name ist Yoshi

Demon’s Souls, der Hipster-Vorgänger zu Dark Souls, war im Kern eine Rittersimulation. Jede Bewegung in einer Rüstung war langsam. Dafür hatte die Figur eine gewisse Präsenz in der Welt, weil Treffer bei den Gegnern nicht durchgingen, sondern die Wucht das eigene Gewicht vermittelt hat. Dafür bewegte man sich damals nur langsam durch die Spielewelt. Elden Ring löst das Problem durch eine Art Pony mit Hörnern und Doppelsprung, das per Knopfdruck sofort unter dem eigenen Hintern klebt. Hier merkt den japanischen Einfluss. Im Gegensatz dazu zelebrieren westliche Entwickler wie Rockstar Games bei Red Dead Redemption 2 die Animation beim Aufsteigen auf den Gaul langatmig aber realistisch lang. Und so wie Yoshi in Super Mario World hat das gehörnte Pferdchen seine eigene Lebensleiste und kann im Kampf geopfert werden.

Einfach kann jeder

Elden Ring hat keinen einstellbaren Schwierigkeitsgrad. Wer Elden Ring oder die anderen Teile nur kurz angespielt hat, sehnt sich einen Easy Mode herbei. Bislang ist FromSoftware dieser Bitte seit 2009 nicht nachgekommen. Das liegt daran, dass das Spiel am Ende nicht schwerer ist als etwa Zelda: A Link to the Past von 1992. Damals gab es schon keine Markierungen auf der Karte und nach einem Bosskampf im tiefsten Kerker, stand man dann wieder am Eingang des Dungeons und ist fröhlich wieder reingelaufen. Damals hat man das in Kauf genommen, weil die Herausforderung immer wieder neu und spannend war. Bei jedem neuen Versuch hat man neues entdeckt. Dieser Gameplay-Loop war das Spielprinzip und keine Schikane. Elden Ring holt dieses Gefühl seit Demon’s Souls von 2009 wieder. Dabei ist nur die Zeit der Umgewöhnung unangenehm und auch teilweise sicherlich frustrierend.

Ein Slider zum Einstellen der Hitpoints der Gegner und der eignen Lebensleiste würde meiner Ansicht nach nicht viel helfen. Die Bosse und Gegner im Spiel werden besiegt, in dem man ihre Angriffe und Schwächen versteht. Danach dauern Kämpfe meist nur wenige Minuten und selbst die größten Gegner liegen im Staub. Dieses Gefühl nach dem Überwinden aller Hürden, die das Spiel einem in den Weg gelegt hat, hat mir bislang nur diese Serie gegeben. Und Elden Ring schafft dies ebenfalls. Allerdings ist Elden Ring von allen Souls Spielen der zugänglichste Titel. Das liegt daran, dass man nun vor den Konflikten weglaufen kann und sich einfach eine passendere Herausforderung in der Welt sucht. Jedoch muss man auch hier irgendwann an den großen Hindernissen in Form von Endgegner vorbei.


„Man muss Dark Souls Spiele länger gespielt haben, um sie zu verstehen.“

— Dark Souls Veteranen
Chil out am Site of Grace Bonfire in Elden Ring.
Noch chille ich am Bonfire. Doch bald suche ich den Weg zu der Burg am Horizont und verliere mich im Spiel.

9 Unterschiede zwischen Elden Ring von Dark Souls

Elden Ring hat das harte Kampfsystem und gute Leveldesign in den Dungeons von seinem Vorfahren geerbt. Allerdings gibt es auch einige Unterschiede neben dem Pony und der größeren Welt.

1. Neue Nomenklatur für Bonefire und Items

Fast alles wurde unbenannt. Bonefires sind nun Sites of Grace. Ich nenne sie trotzdem weiterhin Bonfire. Und schon gar nicht Orte der Gnade! Das Konzept von Humanity versteckt sich in den Rune Arcs und auch hinter dem Furlcalling Finger Remedy, um Summon Signs sichtbar zu machen. Statt dem White Soapstone heißt der entsprechende Gegenstand  Tarnished’s Furled Finger, um eigene Summons Signs zu legen. Wenn das zum Einfluss von George R.R. Martin gehört: Danke für nichts, George!

2. Es gibt eine Karte und Fast-Travel

Ohne Karte und dem schnellen Hin und Her teleportieren zwischen den Bonfires wäre Elden Ring unspielbar. Auch wenn Fast-Travel in den Vorgängern freispielbar war, ist die neue Karte mein häufigster Anlaufpunkt in den Menüs gewesen.

3. Schleichen als zusätzliche Kampfoption

Die Fähigkeit sich an Gegner vorbeizuschleichen wurde mehr oder weniger von dem FromSoftware Spiel Sekiro übernommen. Tatsächlich habe ich Stealth nur in den ersten Stunden von Elden Ring genutzt.

4. Bonefire sind nicht die einzigen Checkpoints

In der Open World gibt es in der Nähe von größeren Bossen, die auch mal aus dem Nichts auftauchen können, die Stakes of Marika. Das sind wie die Sites of Grace Rücksetzpunkte, wenn man gestorben ist. Die sorgen für weniger Frust beim Zurückkehren zum Boss.

5. Herstellung von Gegenständen

Wie bei Breath of the Wild hat Crafting in Elden Ring Einzug gehalten. Je mehr sogenannte Cookbooks man im Spiel findet, desto mehr Items kann man herstellen. Auch diese Fähigkeit habe ich bis auf das Herstellen von Preserving Boluses gegen Scarlet Rod kaum genutzt.

6. Ein zusätzlicher Flask zum Selbermixen

In Dark Souls und Elden Ring gibt es zwei Flasks für Lebensenergie und Magie. Der Dritte heißt nun Flask of Wondrous Physick und wird genau wie die anderen beiden am Bonfire wieder aufgefüllt. Die dafür benötigten Tears bekommt man als Loot der Erdtree Avatar Bosse. Ich meistens den Bubbletea (sic!) mit der Crimson Bubbletear im Gepäck. Damit hat man einen gegnerischen Treffer frei.

7. Deutlich mehr optionaler Inhalt

Auch Dark Souls hat riesige Areale, wie etwa die Painted World of Ariamius, die man nicht besuchen muss, um das Spiel durchzuspielen. Allerdings hat Elden Ring dieses Konzept mit den Ruinen und Katakomben und riesigen versteckten Bereichen wie beispielsweise Ainsel River inflationär aufgebläht. Auch dort warten die mächtigen Zauber, Waffen und Rüstungen auf ihre Entdeckung. Ich persönlich habe mich beim ersten Durchspielen auf die Hauptroute beschränkt, weil ich den Anreiz nicht verstanden habe.

8. Reset aller Skills ist nun möglich

Dank einem limitierten Gegenstand namens Larval Tear kann man die Skill-Punkte seiner Figur im Spiel neu verteilen. Das erleichtert das Ausprobieren von Melee- und Magie-Build. Ich habe mich mittendrin von einem Dex- zu einem Magie-Build umgeskillt. Damit hat mich das Schicksal von Budi nicht ereilt.

9. Sprung per Knopfdruck

Fast hätte ich diese Funktion vergessen. Ich bin mit den Dark Souls Spielen so extrem sozialisiert worden, dass ich den Sprung-Button in Elden Ring verdrängt habe. Bei Dark Souls konnte man nur umständlich per Anlauf springen. Und das brauchte man fast nie. In Elden Ring hätte ich es öfters nutzen sollen, weil man in den Dungeons Wege abkürzen kann, in dem man über einen Balkon hüpft.

Elden Ring ist Dark Souls 4. Das merkt man besonders in den großen Hauptdungeons.
Kein Bloodborne sondern Elden Ring!

Endlich redet man wieder über die Spiele

Jeder Gegenstand, jede gefundene Waffe, einfach alles ist zugleich relevant und versteckt. Und wenn man es nicht findet, bleibt das Spiel stumm und lässt mich selber suchen. Deswegen sorgt das Spiel für etwas, dass bei mir kein anderer Titel schafft: Man redet wieder mit Freunden über Spielinhalte. Natürlich kann man sich dazu YouTube Videos ansehen. Allerdings ist eine kuratierte Filterung durch das Umfeld macht nicht nur viel mehr Spaß, sondern ist auch am Ende effektiver. Das würde nicht funktionieren, wenn das gesamte Spiel nicht wie ein riesengroßes Rätsel wäre, dass man dann gemeinsam lösen kann.

Mein Freund Philipp im Stream als ich zuschaute: „Hättest du mal Intelligenz geskillt…“

Eine Lektion in Demut

Gleich das erste Gebiet mit einer Gruppe von Rittern dient als Tutorial ohne Texteinblendungen mit einer Lektion in Demut. Während man die normalen Kämpfer aus der Deckung oder mit Magie oder Pfeilen mühsam erledigen kann, steht in der Mitte eine Art General. Dieser hat einen Schild, ein stark erweitertes Moveset und tötet den Spieler locker mit zwei Schlägen. Stirbt man, muss man alles erneut machen und verliert vorerst seinen Fortschritt in Form von Runen. Denn alle Gegner sind wieder da und erfreuen sich wieder bester Gesundheit.

Man lernt schnell, vorsichtig zu sein und jeden Gegner ernst zunehmen. Und am Ende ist man zwar voller Adrenalin und Freude, wenn der General mit Schild gestorben ist. Aber man bekommt weder einen tollen Gegenstand dafür, noch bleibt der Gegner tot. Er ist nach dem nächsten „You died“-Screen einfach wieder da. Dafür hat man seine persönlichen Fähigkeiten am Controller hochgelevelt und weniger seinen Charakter im Spiel. Es spielt sich dadurch ein wenig so wie das 3D Beat’em up SoulCalibur.

Obwohl die Tode am Ende egal sind, legt man seine kostbarste Ressource bei den Ausflügen im Spiel in die Waagschale: Zeit. Dadurch erwische ich mich dabei, wie man voller Angst und Vorfreude durch die Kerkergemäuer streift. Das nächste Bonefire ist nicht in Sicht, Heiltränke sind leer und ich habe mich gerade verirrt. Die Leistung der Spieledesigner ist dabei, dass wir es hier mit einem komplexen Action-Rollenspiel zu tun haben. Hier die Balance zu finden, ist nicht einfach.

Das erste Drittel des Spiels habe ich regelmäßig im Coop gespielt.
Das erste Drittel des Spiels habe ich regelmäßig im Coop gespielt.

Online-Coop und PvP durchs Schlüsselloch

Elden Ring ist kein MMO, sondern ein Singleplayer Action-RPG mit Onlineelementen. Denn für ein „Massively multiplayer online game„, fehlt das „Massively“. Maximal vier Leute können direkt miteinander spielen und der Spielstand wird lokal und nicht auf einem Server gespeichert wie zum Beispiel bei den MMORPGs World of Warcraft oder Anarchy Online. Außerdem kann der Spielfortschritt von einem dieser vier Spieler vorangebracht werden. Nicht über Menüs, sondern über das Legen von Summon Signs bietet man seine Hilfe umständlich anderen Spielern an. Nur ein Passwort sorgt dafür, dass man nicht von einem Fremden beschworen werden kann.

Nach erfolgreicher Beschwörung steigt die Lebensenergie der Gegner und Bosse dann mit der Anzahl der Mitspieler. Es wird also schwerer. Nur der Host macht in eine Spiel Fortschritt und beschworene Helfer verschwinden nach dem Töten des Bosses direkt wieder. Das verhindert, dass Spieler andere durch das gesamte Spiel mitziehen. Obendrein kann der Host nur andere Personen beschwören, wenn der Boss des Areals in seiner Welt noch lebt. Wenn man allerdings andere Spieler erfolgreich beschworen hat, kann man von anderen Spielern „invaded“ werden. Diese wollen nichts anderes als den Host töten.

Neu ist allerdings, dass man neben echten Spielern auch eigene Summons namens „Ashes“ wie drei Wölfe oder eine riesige Qualle beschwören kann. Die sammelt man im Spiel wie Pokémon und kann diese sogar aufleveln. Das ist in Elden Ring fast immer effektiver als sich echte Mitspieler reinzuholen. Wenn allerdings nun denkt, man kann ja einfach offline spielen, um dem allen zu entgehen, dann fehlen die wertvollen Nachrichten auf dem Boden. Diese können von anderen Spielern überall hingelegt werden. Ein Baukastensystem sorgt für die berüchtigten „Try jumping?“ oder „Item ahead.“ vor Klippen, um Spieler in den Tod zu locken. Aber manchmal steht dort eben der hilfreiche Hinweis auf das nächste Bonefire. Damit sich das System selber kontrolliert, kann man diese Messages bewerten.

Elden Ring ist kein MMO

Dieses Mehrspielerkonzept mag ungewohnt sein, wenn man Coop-Multiplayer wie bei Halo oder Gears of War erwartet, bei sich alle zusammen einen Spielstand teilen. Es gibt auch keine wiederkehrenden RAID Bosse wie bei MMORPGs, die man nur zu viert besiegen und sich den Loot teilen kann. Letztendlich unterstreicht das Prinzip aber, dass es sich am Ende um eine individuelle Einzelspielererfahrung handelt. Nur einer kann der Elden Lord werden und das bist du! Es mögen dir andere Spieler mit Nachrichten oder auch mal direkt helfen, aber schaffen musst du es selbst.

Mir persönlich hat dieses Konzept bei Dark Souls hervorragend gefallen und ich mag es auch hier. Ja, der Weg zum Coop über die Items ist umständlich. Wie vieles im Spiel. Wenn man andere Spieler ohne Barrieren in einem gemeinsamen Savegame durchziehen könnte, dann gäbe es wahrscheinlich wirklich bald SaaS – Souls-as-a-Service. Das würde im schlimmsten Fall dazu führen, dass man einen weiteren Titel mit dem langweiligen Gameplay von MMORPGs erschaffen hätte. Übrigens: Noch gibt es keine PvP Arena. Die wird klassischerweise wie bei Dark Souls in einem DLC nachgeliefert

Statt Flaggen sammelt man Bosse

Während bei Dark Souls jeder Boss in der Welt seinen individuellen Charakter mit völlig unterschiedlichen Herangehensweisen hat, wiederholen sich die kleinen Bosse in der Oberwelt und vor allem den Katakomben und Ruinen regelmäßig. Das ist das auch verständlich, weil es 100 Mal so viele Endgegner gibt wie bei allen anderen FromSoftware Titeln zusammen. Trotzdem fühlte sich dieses optionale Unterfangen für mich nach dem Sammeln der Flaggen von Assassin’s Creed an. Das liegt auch daran, dass viele Bosse ihre Movesets aus Bloodborne und Dark Souls geerbt haben.

Das Äquivalent zu den Katakomben von Elden Ring sind bei Zelda – BOTW sind die Schreine. Während man aber dort spannende Physikpuzzle lösen musste, sind es hier Kämpfe. Ich habe mich dazu entschieden, nur die Dungeons zu machen, bei denen mir meine WhatsApp-Gruppe mitgeteilt hat, dass es dort ein unabkömmliches Item gibt. Alle anderen habe ich hauptsächlich links liegen lassen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich nach dem Durchspielen etwas vermisst habe. Zumal der Fortschritt dabei nirgendwo im Spiel nachgehalten oder außerhalb der Items belohnt wird.

Tiefgreifende Gespräche.

Zum Start gab es schwache Balance und Exploits

Elden Ring sagt dir nach dem Einschalten der Konsole permanent nur eines: „Spiel mich nicht durch. Gib auf!“ Da mich aber der Ehrgeiz gepackt hat, will ich den Abspann sehen. Und dabei sind mir alle Mittel recht, denn das beansprucht das Spiel auch für sich. Später gewöhnt man sich daran, dass Gegner zwar durch Wände hindurch zaubern können, aber man das selbst nicht tun kann. Das war leider schon bei Demon’s Souls so. Deswegen habe ich mir dank eines Kollegen das Sword of Night and Flame besorgt. Das kann nicht nur kräftig zuschlagen, sondern erlaubt auch einen unfassbar mächtigen Zauber, der weniger Magie kostet als die meisten Zaubersprüche im Spiel. Solche Waffen schaffen es trotz Playtest immer in die Verkaufsversionen solcher Spiele. Ich war auch hier selbst schuld, das Spiel direkt am Release zu spielen.

Außerdem hat es sich recht schnell rumgesprochen, dass in einem versteckten Gebiet einen Vogel gibt, den man für knapp 11.000 Seelen bzw. „Runen“ alle 20 Sekunden töten kann. Somit war ich schnell über Level 100, was das Spiel trotz des Fokus auf Können am Controller schon deutlich erleichtert. Vor allem in Kombination mit dem Schwert. Seit dem Patch 1.03 am 16.3.22 wurde das Schwert und viele andere Exploits aus dem Spiel entfernt. Deswegen habe ich ein Tribut-Video zu meiner schönen Zeit mit dem Schwert zusammen mit anderen Exploits gemacht. Was allerdings bemerkenswert ist: Elden Ring ist ansonsten fast frei von Bugs. Ich hatte nie Probleme beim Abschließen der Aufgaben im Spiel. Noch gab es Abstürze oder dead locks in der Oberwelt. Das ist schon eine Kunst für sich, wenn man sich den Start von Gothic 2, Skyrim oder Cyberpunk 2097 ansieht.

Die große Welt ist ein zweischneidiges Schwert

Während man bei Dark Souls 1 zwar gleich zu Anfang mindestens 4 mögliche Routen einschlagen kann, sind es bei Elden Ring hunderte. Bevor man dort den ersten echten Boss Margit, The Fell Omen erlegt, kann man schon hunderte Stunde in das Spiel versenken. Dadurch wird das Spiel zugänglicher, aber die Erfahrung bei dem ersten Boss ist dadurch eine ganz andere. Außerdem erlauben viele Bosse in der Oberwelt, dass man das Pony nutzen kann. So kann man auch vor einem Kampf fliehen und zurückkehren, wenn der Gegner sich beruhigt hat.

Dank VRR kein Ruckeln

Ein kurzes Wort zur Technik muss auch hier sein. Ich habe dank meines Fernsehers (kaufen) und Xbox Series X mit VRR-Unterstützung kein Ruckeln wahrgenommen. Dabei wird wie bei FreeSync das Panel des TVs an die aktuelle Bildwiederholrate des Spiels angepasst. Wenn ich diese Funktion deaktiviere, dann zeigt Elden Ring durch permanente FPS knapp unter 60 ein stetiges Ruckeln. Aber das ist man als Spieler von FromSoftware leider gewohnt. Dark Souls auf der Xbox 360 lief in manchen Gebieten wie Blighttown mit 20 Bildern pro Sekunde und weniger. Also stellt euch mal nicht so an!

In meiner Hand fehlt das Glas Milch mit dieser musikalischen Untermalung.

Elden Ring ist komplex und hoch motivierend

Elden Ring ist sehr wahrscheinlich der beste Titel in diesem Jahr – wenn nicht sogar der beste Titel in dieser Generation von Konsolen. Was Breath of the Wild mit der Open World vorgemacht hat, bringt Elden Ring nun zu Ende. Es ist das Dark Souls der Open World Spiele. Das Spiel hat sich aus der Nische in ein Massenphänomen mit 12 Millionen verkaufen Spielen nach wenigen Wochen entwickelt. Und auch wenn Elden Ring nicht alle zu Dark Souls Verstehern gemacht hat, bei einigen Personen aus meinem Umfeld hatte es dennoch Erfolg. Das freut mich wie ein kleines Kind, dass so mehr Menschen mit dem meiner Ansicht nach bestem Gameplay in einem Videospiel in Berührung kommen. Andere schauen gerne Fußball, ich schaue meinen Freunden bei FromSoftware Spielen auf Twitch zu.

Ist Elden Ring perfekt? Nein, aber der Rest von „Open Souls“ ist einfach so gut, dass man darüber hinwegsieht. Ist es besser als Dark Souls 1, meinem Lieblingstitel nach Dark Souls 2 und Dark Souls 3, Sekiro, Bloodborne und Demon’s Souls? Meiner Meinung nach sind beide sehr gut. Ich denke, Elden Ring ist trotz der riesigen Welt gut, aber nicht ihretwegen. Mehr verrücktere Kreationen bei den Hauptbosse wie Starscourge Radahn hätten dem Spiel nicht geschadet. Was mir aber sehr viel Spaß gemacht hat, ist das Gerede mit Menschen im echten Leben über das Spiel. Sei es live im Xbox Live Voice Chat, in meiner Elden Ring WhatsApp-Gruppe oder auch in direkten Gesprächen mit Kollegen und Freunden darüber. Das Spiel verbindet und isoliert nicht. Und das ist vielleicht die größte Leistung von FromSoftware in diesen Zeiten.

Elden Ring (Für Xbox kaufen oder günstig für Steam) habe ich auf meiner Xbox Series X (kaufen) durchgespielt. Es läuft aber auch auf der Xbox Series S (kaufen) wegen der angesprochenen VRR-Unterstützung gut.

Elden Ring: Breath of the Wild und Dark Souls sind eine feine Mischung, die man gespielt haben muss. Selten hat eine so gut gestaltete, offene Welt gegeben. Das bewährte Spielprinzip macht daraus den wahrscheinlich prägendsten Titel dieser Konsolen-Generation. Der erste Teil von Dark Souls bleibt aber ganz knapp mein Lieblingsspiel von FromSoftware. Marc

10
von 10
2022-03-20T20:05:36+0200

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3 Antworten

  1. Avatar von Philipp
    Philipp

    Ich zum einen bin sehr dankbar für meinen Freund Marc, der mich den FromSoftware Spielen nahe gebracht hat.

    Auch, wenn ich bislang bei Dark Souls 1 und Demon Souls aufgegeben habe, hat mich Elden Ring durch die bessere Eingängigkeit gelehrt, wie FromSoftware Spiele funktionieren.

    Ich freue mich bereits jetzt auf meinen nächsten Versuch von Demon Souls, allerdings erst nach Elden Ring, das ich aktuell verschlinge.

    Kleine Anmerkung noch: die technischen VRR Merkmale auf der xBox sind nicht von der Hand zu weisen. Allerdings möchte ich anmerken, dass Elden Ring auf der PS5 im Performance-Mode bei mir ruckelfrei läuft. Absolut kein Störgefühl bislang.

    Praise the sun!

    1. Avatar von Marc
      Marc

      Praise the sun, yo! Das freut mich wirklich, dass es beim dritten Anlauf geklappt hat. Und wenn du Elden Ring durch hast, laufen dir ja Dark Souls und Demon’s Souls nicht weg. FromSoftware ist wie Fahrrad fahren: Kannst es einmal, verlernst du es nicht so schnell wieder. Außerdem bin ich gespannt, wie du die anderen Titel im Vergleich findest. Zumindest Dark Souls ist in vielerlei Hinsicht identisch zu Elden Ring, was bestimmte Mechaniken angeht.

  2. Avatar von Marc
    Marc

    Nachdem ich Elden Ring nun auf dem Steam Deck wieder durchspielen werden, muss ich die Wertung von ehemals 9,5/10 auf 10/10 korrigieren. Ähnlich wie bei Dark Souls wird jeder Run besser. Auch der Text wurde angepasst.

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