Google Glass ausprobiert

Endlich habe ich Google Glass ausprobiert. Gelegenheit hatte ichauf dem Online Marketing Frühstück hier in Hamburg. Das ist quasi ein Android-Gerät in Form einer Brille, bei der das Bild auf ein Primsa projiziert wird. Sprachsteuerung, Kamera und ein schmaler Touchscreen am Bügel machen Google Glass somit zu einem Ersatz für den Blick auf das Smartphone.

Bei der Frage an das Publikum, wer die gerne auf der Bühne aufsetzen möchte, ging meine Hand natürlich wie ferngesteuert nach oben. Es war eine relativ große Veranstaltung mit ungefähr 200 Gästen und somit war das schon eine gute Taktik um überhaupt in den Genuss zu kommen, Google Glass zu selber zu testen. Nachher war leider wenig Zeit um alle Anwesenden mal das Gerät auf die Nase zu setzen. Danach wurde ich auf Twitter gefragt: „Na, wie war’s?!“. Diese Frage versuche ich hier zu beantworten.

Wie fühlt sich Google Glass an?

Die Brille ist extrem leicht. Sie stört weniger als ich dachte und ist äußerst flexibel. Durch einen Signaturemove nah an den Zuckungen beim Tourette-Syndroms in Form von einer ruckartigen Kopfbewegung in den Nacken aktiviert man das Gerät. Da musste ich sofort an „IT“ von South Park denken.

Ich mit Google Glass in der großen Freiheit 36
Ich mit Google Glass in der großen Freiheit 36

Was sieht man durch Google Glass?

Die Projektionsfläche auf dem Prisma ist verhältnismäßig klein und wirkt transparent. Ich hatte den Eindruck, dass sich der Helligkeitsgrad des Bildes mit den realen Lichtverhältnissen ändert. Nach etwas rumgefummel am Gestellt war das Bild dann auch relativ scharf und gut erkennbar.

Große Schriften zeigen mögliche Sprachbefehle und sind wie die Menüs gut erkennbar. Auf dem Bild oben auf dem Beamer, der das Bild der Google Glass zeigt, ist das gut zu erkennen. Auch angepasste Anwendungen wie Google Maps und Hangout waren gut benutzbar.

Was war überraschend?

Die Spracherkennung war, wie von anderen Google Diensten schon bekannt, sehr gut. Auch die Aufbereitung der Ergebnisse sind optimiert für die Brille. Bei der Frage, wie alt Angela Merkel ist wurde ein kleines Bild mit dem Geburtsdatum angezeigt. Durch Wischen konnte man den paginierten Inhalt durchblättern.

Sehr gut war auch der eingebaute Kompass und die Gyrosensoren in der Google Maps App. Die Karte drehte sich mit meinen Körperbewegungen und war direkt an meine Bewegungen gekoppelt. Natürlich ist das kein Vergleich zu dem Kopftracking der Oculus Rift aber es erfüllt seinen Zweck.

Was ich persönlich nicht gewusst habe: Es ist ein kompletter Browser integriert. Man kann sogar den Mauspfeil bewegen, in dem man zwei Finger auf den dünnen Touchscreen an der Schläfe legt und den Kopf dabei bewegt. Sieht dämlich aus aber man hat einen unsichtbaren Browser. Theoretisch könnte man über Gesichtserkennung also wirklich eine Googlesuche implementieren, die über das Bild mehr Informationen zu der Person googelt und die Webseite anzeigt. Das erinnert schon sehr stark an den Dystonie-Kurzfilm „Sight“.

Obwohl Google Glass auf Android basiert, benötigt man ein Smartphone mit entsprechender App, die permanent mit der Brille über BlueTooth kommuniziert und die Daten aufbereitet an die Brille schickt. Somit ist die Brille wie die Pebble Watch auf ein Telefon in der Tasche angewiesen.

Ist Google Glass die Zukunft?

Jein. Die Brille in der jetzigen Form auf gar keinen Fall. Die Idee dahinter ist aber sicherlich äußerst interessant und für Personen, die bei Interaktionen mit dem Internet ihre Hände frei brauchen wie Mediziner, Sportler, Hipster, usw. ist das sicherlich hilfreich. Meiner Meinung aber wird sich niemand freiwillig das Geekspielzeug in der heutigen Form auf die Nase setzen. Dafür sieht es einfach zu dämlich aus und hat zu wenig Mehrwert.

Wenn aber die Technologie auf die Größe einer Kontaktlinse schrumpfen sollte und quasi unsichtbar ist und sich noch besser in das Sichtfeld des menschlichen Auges integriert, könnte das tatsächlich ein weiterer Baustein der Digitalisierung unseres Alltags werden. Vor wenigen Jahren konnten wir es uns nicht vorstellen, dass das Internet in die Hosentasche wandert und langsam aber sicher den Desktop ablöst. Wer weiß, wie wir das Internet in 20 Jahren nutzen.

5 Antworten auf „Google Glass ausprobiert“

  1. Ich mach ja gerne mal die ein oder andere Fahrradtour. Auf so einer kann ich mir vorstellen, daß Google Glass da ein Navigationhilfe sein kann. Da könnt mir das bescheuerte Aussehen auch halbwegs egal sein (ich meine: manche setzen sich auch einen bescheuert aussehenden Fahrradhelm auf).

    1. Ja, das ist ein sinnvoller Anwendungszweck. Ob man bei Fahrtwind dann noch die Brille per Sprache steuern kann, müsste man mal ausprobieren.

    2. muss ja nix steuern, wenn ich erstmal (vor der tour) ne route eingegeben habe. da gehts eigentlich nur noch um die anzeige.

    3. Mich nimmt Wunder was Versicherungen dazu sagen, wenn die erste so Dinger beim Autofahren tragen. Das Ding bringt ganz neue Themen ins Gespräch wie zum Beispiel das Recht am eigenen Bild etc.

    4. Überleg lieber, was der Nutzen und die positiven Konsequenzen einer solche Technologie sein könnten anstatt über irgendwelche negativen Effekte nachzudenken. Der Fortschritt kommt doch so oder so.

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