eReader: Amazon Kindle 3

Update: Ich habe mir einen Kindle Paperwhite gekauft und dazu auch einen ausführlichen Artikel geschrieben.

Es fing damit an, dass sich meine Freundin für ihr Anglistik-Studium diverse Bücher anschaffen müsste. Natürlich habe ich dann den Vorschlag geäußert, statt Büchern doch lieber eBooks auf dem Apple iPad zu lesen. Dank unserem Freund Ingo wurden wir aber durch den Kindle 3, dem neuesten eBook-Reader von Amazon, eines Besseren belehrt.

Video

e-Ink Display ist wie Papier

Das wichtigste Detail zuerst – und das haben alle eBook Reader gemeinsam: Das e-Ink-Display besitzt fast die Kontrast- und Reflektionseigenschaften von echtem Papier (s.o.). Das heißt, dass es keine aktive Beleuchtung besitzt und dafür eben auch aussieht wie gedruckt.

Gut aber nicht perfekt: links der Kindle - rechts ein Buch
Gut aber nicht perfekt: links der Kindle – rechts ein Buch

Der Effekt ist verblüffend und lässt die Augen genau so schnell oder langsam ermüden wie beim Lesen auf echtem Papier. Der Kindle 3 ist auch erstaunlich klein, flach und vor allem leicht.  Ich habe nie verstanden, wie manche Leute dicke Bücher so lange in der Hand halten können oder sich in der Bahn freiwillig mit meterweise Zeitungspapier rumqäulen. Aber nun das beste Detail: Er kostet nur ca. 140 EUR und der Akku hält ungefähr einen Monat weil nur das „Umblättern“ Strom zieht.

Eindrücke aus Deutschland zum Kindle

Das Gerät selber zeigen wir euch lieber in diesem Video wo meine Freundin und meine Wenigkeit erstmals zusammen vor der Kamera stehen. Als Bonus haben wir auch noch Lukas vor die Kamera gezerrt.

Video

Wörterbücher zum Nachschlagen

Als besonders praktisch erweist sich das fixe Nachschlagen von englischen Wörtern im eingebauten Wörterbuch. Es ist auch möglich, Dateien im Doc, TXT oder am besten MOBI-Format direkt per E-Mail auf den Kindle zu schicken. Das erlaubt u.a. automatisiert Webseiten auf den Reader zu laden so dass man morgens direkt die aktuellen Nachrichten in der Hand hält. Möglich macht das die kostenfreie eBook-Verwaltungssoftware Software Calibre.

Browser und andere Features

Kindle 3 besitzt einen erstaunlich guten Browser auf Webkit-Basis der vor allem für den Kindle Store benutzt wird. Die Bedienung und die Trägheit des Displays sind aber nicht für das lange Surfen ausgelegt sondern eher dazu da, dass man in Fachbüchern auch mal einen Link klicken kann – sofern man sich in einem W-LAN befindet. Mit dem Internetdienst Instapaper ist es möglich, Webseiten per Bookmarklet zu markieren und dann periodisch oder sofort per E-Mail an den Kindle zu verschicken. Diese Option ist bei Instapaper unter Extras->Wireless Delivery versteckt.

Ideal für englische Bücher

Normaler Bücher kann man zum größten Teil bisher nur in englischer Sprache direkt über den Kindle, der mit Wifi-Verbindung mit dem Internet verbunden ist, auf den mit 4GB riesig bemessenen internen Speicher herunterladen. Ältere Bücher wie Treasure Island oder Alice’s Adventures in Wonderland sind in der Regel komplett kostenlos.

Auf dem Kindle: Links ein MOBI eBook und rechts ein zu kleines DIN A4 PDF.
Auf dem Kindle: Links ein MOBI eBook und rechts ein zu kleines DIN A4 PDF.

PDF-Dateien machen wenig Sinn

Sollte man hingegen vorhaben, seine PDFs auf dem Kindle zu lesen, so wird man leider enttäuscht. Zwar werden diese genau so angezeigt, wie sie tatsächlich aussehen aber der Kindle ist nun mal kein DinA4 Blatt sondern etwas kleiner. So ist der Text in einem normalen PDF zumindest auf dem Kindle 3 zu klein zum Lesen was man sehr schön auf dem Bild oben sehen kann. Ein PDF speichert nämlich auch das komplette Layout der Seite inklusive der Seitenränder, Schriftfluss und Größe. Deswegen ist der Text in der Regel viel zu klein.

Kindle DX mit großen Display

Der größere Kindle DX löst dieses Problem durch seinen deutlich größeren Screen aber der hat leider keine WiFi-Verbindung und ist deutlich teurer. Der Kindle 3 kann trotzdem nativ PDF-Dateien anzeigen. Wenn man sie aber konvertieren möchte, dann nimmt man die kostenlose Software „Calibre„. Meiner Erfahrung nach endet das immer in einem Formatierungsdesaster. Trotzdem sind PDF-Dateien nicht für den Kindle geeignet! PDF ist ein Format zum Drucken und zu nah am Papier. Da muss sich einiges in den Köpfen der Leute tun, damit sie endlich verstehen, dass PDF-Dateien eine Einbahnstraße waren und es immer noch sind.

Entschleunigung

Das Lesen an dem Kindle hat für noch einen weiteren Vorteil: Ich bin es mittlerweile gewohnt per Klick auf all meinen Gadgets (MacBook, iPhone, eeePC) online zu sein um E-Mails oder meine soziale Netzwerke zu checken. Beim Kindle kehrt durch die Abstinenz dieser Möglichkeit eine ganz neue Ruhe beim Lesen für mich ein. Ein Luxus, den ich erst jetzt so richtig zu schätzen weiß.

Jailbreak für den Kindle

Mittlerweile ist das Gerät in der Bahn oder zu Hause im Lesezimmer (ja, so etwas haben wir wirklich) immer zu Hand. Und um unsere beiden Kindle auseinander halten zu könne, mussten für meinen Kindle neue Bilder für den Bildschirmschoner her: 1,2 und 3. Das geht aber leider im Moment nur mit einem kinderleichten Jailbreak des Kindles in Form einer neuen Firmware.

Offizieller Deutschlandstart

Der Kindle ist bis jetzt noch nicht offiziell in Deutschland gestartet und so muss man ihn sich über Amazon.com aus den USA importieren. Letztendlich ist dies nur der Anfang aber es ist nun abzusehen, dass das gedruckte Buch seinen über Jahrhunderte verliehenen Status schon sehr bald verlieren könnte. Bald wird die Buchindustrie die Preise durch Raubkopieren schnell nach unter korrigieren müssen. Es kommt nämlich im Moment öfters vor, dass ein Buch als eBooks genau so viel oder gar mehr wie die gedruckte Version kostet. Doch wie schon bei Film- und Musikindustrie wird die Raubkopie dafür sorgen, dass die Preise nach unten korrigiert werden müssen.

Mediamarkt eBookdownloadshop:

Ich habe mir den eBook-Dienst vom Mediamarkt mit dem komischen Namen mal angesehen und ein Buch von Mischa Verollet für 9,99 EUR gekauft. Das Ergebnis: Man bekommt eine .ascm Datei, die man mit irgendeinem Adobe Produkt namens Adobe Digital Edition öffnen muss. Dieses schreckliche Programm fängt dann an den Computer zu autorisieren und verwaltet die Bücher, die man über den Shop gekauft hat. Ich kann mir leider kein ePub aus dem Buch erstellen und auf dem Kindle lesen. Dieses System sollte man meiner Ansicht nach nicht unterstützen.

Amazon Kindle günstig kaufen

87 Antworten auf „eReader: Amazon Kindle 3“

  1. Hier was Ähnliches wie der Engadget-Link oben:

    – Verkaufsschlager (häufiger verkauft als Harry Potter, hihi)
    – Kindle (wie du schreibst) als Ergänzung zu Pads, wird lieber mit nach ‚draußen‘ genommen
    – aber lt. Marktforscher nicht langfristig

  2. Wir haben uns nun doch auf den Reader von Sony (PRS-350) entschieden. Gab zu Weihnachten ein gutes Angebot beim Adventskalender Aktion von meinem favorisierten Onlineshop, da habe ich zugegriffen. Wohlgemerkt nicht für mich, sondern meine Mitbewohnerin. Sie liest sehr viel Bücher (ich bin da genau der Kehrwert davon).

    1. Der soll ja, wie eigentlich die gesamte Konkurenz vom Kindle, auch nicht so der Bringer sein. Aber schön, dass sich immer mehr Leute eReader kaufen.

  3. Pingback: Kindleüberraschung | dichotomy
    1. naja, der Kindl wird den Büchermarkt genausowenig gefährden wie es das iPad getan hat. Der Ebook Markt wächst zwar, aber das hat bisher keine negativen Auswirkungen auf die richtigen Bücher gehabt. Der Trend geht also dahin, dass Ebooks nebenbei existieren werden.

  4. Mittlerweile ist der Kindle ja mit einer neueren Version (kleineren) Version in Deutschland angekommen. Dabei wurde das Keyboard wegrationalisiert und wurde dadurch billiger und kleiner bei gleicher Bildschirmgröße. Inwieweit benutzt ihr denn die Tastatur?
    Kann man darauf verzichten? Im neuen Kindle 4 wäre das Tippen nur noch mühsam per Steuerkreuz möglich, indem sich durch das Alphabet (also kein Qwertz-Layout) navigiert. Der Speicher wurde auch auf 2GB runtergesetzt.

    Lieber zur neueren (etwas schnelleren) Version oder zur alten Keyboard-Variente (+20€ für Wifi) greifen?

    1. Definitiv den Kindle Keyboard. Das mehr an Speicher und die Tastatur sollten Grund genug sein. Der neue „Billig“-Kindle ist in meinen Augen totaler Käse.

  5. Ich besitze nun den Kindle. Und selbst meine Mutter, die regelmäßig liest und dem neumodischen Technikkram skeptisch gegenüber ist, ist begeistert. Sie verschlingt eine Leseprobe nach der anderen.
    Ich habe mit Calibre nun deine News-Feeds für den Blog und Gamespot gefunden. Doch irgendwie werden die Sachen nicht richtig angezeigt. Ich bekomme zwar eine Artikelübersicht für den Blog, aber wenn ich einen Artikel auswähle erscheint lediglich die Meldung, dass dieser Artikel mittels Calibri von [Url] heruntergeladen wurde.
    Bei Gamespot ist eine Sache, die mich ein wenig stört. Wenn ich einen Artikel auswähle, muss ich erst sehr lange Runterscrollen um diesen Lesen zu können. Denn es werden erst Navigationsleisten der Homepage, Login-Fenster etc. angezeigt. Kannst du das irgendwie noch bearbeiten, dass die Artikel sofort angezeigt werden (wie bei Spon für den Kindle z.B.?)
    Sonst aber gute Arbeit!

    1. @Marc
      das neue Design (schwarz umrandete Überschriften) sieht schrecklich aus. Son ein bißchen Jtr.ch mäßig ;)
      Würd ich wieder umändern! Sieht echt nicht gut aus.

    2. ;-)

      @markus

      Die schwarzen Balken bleiben erstmal. Ich versuche generell die Übersicht radikal zu erhöhen. Besonders schwer ist das durch die erhöhte Anzahl an mobilen Geräten. Aber das hat der ein oder andere sicherlich schon gemerkt. ;-)

    3. grad mal auf dem iPhone geschaut. Da sieht es ganz okay aus und fördert die Übersicht. Aber am PC Bildschirm sieht es irgendwie blöd aus.
      Das mit den mobilen Geräten schein generell ein Problem zu sein, weil die auflösungen unterschiedlich sind. Aber es reicht eigentlich, wenn alles für iPhones optimiert ist und nicht jedes 250€ Furzhandy berücksichtigt wird. Alle anderen können ja zu apple wechseln ;)

    4. Aber es reicht eigentlich, wenn alles für iPhones optimiert ist und nicht jedes 250€ Furzhandy berücksichtigt wird. Alle anderen können ja zu apple wechseln ;)

      …manchmal fehlen einem echt die Worte bei solchen Bemerkungen. Passt aber zum Typ in dem Fall, da erwartet man sowas.

  6. Interessanter Artikel zum Thema Farbe vs. mehr DPI bei Readern. Sehe ich genau so. Man sollte lieber die Stärken der Technologie ausbauen. Wer braucht schon Farbdisplays bei einem E-Reader? Dafür gibt es das iPad.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website zeigt Benutzerbilder über gravatar.com an.

Wie bekomme ich einen verifizierten Account? - Login