tolino e-reader im Test

Stellt euch mal vor, man druckt mit sehr teuren Maschinen Informationen mit schwarzer Farbe aufwendig auf plattgewalzte Bäume in Form von Text. Die muss man dann in speziellen Geschäften kaufen und nicht übers Internet auf seinen E-Reader laden. Solche Geschichten können unsere Kinder bald nur noch lachend ihren Enkeln erzählen, was für Umweltsünder unsere Großeltern doch waren.

Papier ist tot

Mittlerweile sollte jeder begriffen haben, dass man lange Texte wie Bücher nicht auf dem iPad liest sondern auf ePaper mit elektronischer Tinte. Thalia, Weltbild, Hugendubel, der Bertelsmann Club und die Telekom sind in Deutschland aufgewacht und haben beschlossen gemeinsam einen Konkurrenten zur Übermacht aus den USA in Form des Amazon Kindle zu bauen: Der Tolino. Und es scheint (fast) geklappt zu haben.

Ein tolles Gerät

Der Tolino sieht dem Amazon Kindle Touch oder dem nicht in Deutschland erhältlichen Nook optisch sehr ähnlich. Er besitzt neben dem Touchscreen ähnlich wie der Kindle Paperwhite auch eine Hintergrundbeleuchtung und eine fast weiße Grundfarbe. Das mit 1024 × 758 hochaufgelöste Display ist auch besser ausgeleuchtet als bei der Konkurrenz. Der Speicherplatz von 2.1 GByte kann über MicroSD-Karte aufgestockt werden. Zudem erhält man noch 25 GByte Cloudspeicher für seine Bibliothek geschenkt. Wifi rundet den Funktionsumfang ab. Das hört sich auf dem Papier – äh, ich meine ePaper – alles sehr gut an. Zumal er sich obendrein wirklich gut anfühlt. Nicht billig und nicht zu empfindlich und sehr leicht.

Der typische Schrifteffekt beim toliono
Der typische Schrifteffekt beim toliono

Die Macken

Ich nutze meinen Kindle sehr häufig und urch dieses Gerät mehr auf ePaper gelesen als auf toten Bäumen. Vor allem lese ich englische Bücher und schlage sehr oft Wörter im eingebauten englischen Wörterbuch nach. Und ja, ich markiere mir sogar dort Passagen. Desweiteren kann man zwar die Bücher in die Cloud zurück syncronisieren um Platz auf dem internen Speicher zu sparen aber Buchforschritt wird nicht mitgespeichert. Ebenfalls lassen sich die Bücher nicht in eigene Kategorien einsortieren. Das sind Features, die dem tolino leider komplett fehlen und die der Kindle alle in erweiterter Form mitbringt. Außerdem hatte ich während der zweiwöchigen Testphase öfters mal Hänger und sogar einen Absturz bei dem das Gerät eingefroren ist. Das Resultat sieht man oben auf dem Bild. Intern arbeitet das Gerät übrigens mit Android.

Auch die Bedienung ist manchmal etwas träge und trotz des 800 Mhz ARM Prozessors etwas zeitverzögert. Das ist schade, denn man hat sich wirklich Mühe gegeben eine schlichte und einfache Oberfläche zu gestalten. Lobenswert ist die Integration der Bezahlschnittstelle PayPal. Viel einfacher geht es eigentlich nicht – außer vielleicht mit einem Amazon Account. Komplett unverständlich ist leider das Clouding des ansonsten recht schnellen und gute ausgeleichteten Displays. Die hohe Auflösung sieht man dem Display leider nicht an. Vor allem das Schriftbild sieht manchmal so aus, als ob man mit Kartoffeldruck aus dem Kindergarten die virtuellen Letter auf das Display gedrückt hätte.

Tolino im Gegensatz zum Display vom Kindle 3

Tolino oder Kindle?

Ganz ehrlich: Selbst wenn das Display des tolino shine trotz der höheren Auflösung durch einen schlechteren Kontrast und wolkige Flecken schlechter aussieht als das Display vom Kindle, so nervig sind die auftretenden Fehler und die in Konkurrenz zueinander stehenden Buchhändler mit ihren Shops. Während man bei Amazon das Rundum-Sorglos Paket inklusive englischer Bücher bekommt, so unverständlich ist dieser fehlende Zusammenschluss.

Ja, der tolino ist im Gegensatz zum WeTab als Hardware erstaunlich gut für ein modernes, deutsches Technikprodukt. Aber das ist nicht alles. Dazu gehört eine stabile Software mit allen wichtigen Features genau so wie ein einfacher und umfassender Shop für die digitalen Güter. Auf der anderen Seite macht der tolino darüber hinaus wenig falsch.

Der Kindle ist besser

Die Alternative Kindle ist eben einfach ausgereifter mit seinen Apps für praktisch alle Plattformen, die auch noch untereinander die Seiten synchronisieren. Vielleicht war man einfach zu spät mit der Einsicht, dass man so etwas wie einen E-Reader mittlerweile dringend benötigt. Schade. Der Amazon Kindle bleibt die beste Empfehlung.

8 Antworten auf „tolino e-reader im Test“

  1. Ich besitze ja inzwischen einen Nook – da habe ich neben dem eBook Reader auch noch ein nutzbares Android drauf. Das ist zwar ein uraltes (2.1!), aber ich kann Twittern, mit meiner eigenen Cloud syncen und sogar ein paar rudimentäre Spiele spielen.

    Jetzt brauche ich nur noch genügend Zeit für Zork.




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    1. Ich hatte ja einen Kindle 3G – den mit Tastatur. Den habe ich mit dem Nook ersetzt. Brauchst du zufällig noch einen Kindle 3G?

      Hauptgrund: Bastelfaktor

      Und er kann noch so viel mehr – InstaFetch bspw. als Instapaper Client funktioniert super. Sudoku theoretisch auch und ein PS1 Emulator genauso. ( http://www.youtube.com/watch?v=mXiiaprv3do ) – ist nur nichts direkt für mich.

      Und ja, der Kindle Paperwhite mit LEDs hat ein schöneres Display.

      Batterielaufzeit ist bei mir circa zwei Wochen. Etwas länger (wenige Tage) als mein Kindle 3G vorher durchgehalten hat.




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    2. Instaper kann man übrigens auch auf dem Kindle nutzen. Dafür hat Instapaper extra eine Option. Zork läuft auch auf dem Kindle. Twitter-Integration hat der Kindle auch. Warum zur Hölle also so ein Nook?!




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    3. Also Bücher auf den Kindle schicken, ist eine schöne Option, aber die andere Richtung funktioniert halt nicht. Also bspw. als gelesen markieren, archivieren, …




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    4. Es kommt noch ein Faktor hinzu. Ich habe ein Abneigung gegen Dienste von Firmen die zu groß werden. Da wären auf meiner Abneigungsliste also ganz oben:

      – Apple
      – Google
      – Amazon
      – Microsoft
      – neuerdings: Samsung




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