Zero Maintenance – keine unnützen Aufgaben

Zero Maintenance - Keine Wartungsaufgaben im Leben

Was mich im Alltag am meisten nervt, sind wiederkehrende Aufgaben, die nur beschäftigen, aber nichts besser machen. Dinge, die erledigt werden müssen, damit danach wieder exakt derselbe Zustand herrscht wie vorher. Rasen mähen. Updates einspielen. Mülltonnen herausstellen. Pflanzen gießen.

Darum gehe ich an viele Entscheidungen mit einer ziemlich radikalen Maxime heran: Zero Maintenance. Keine unnütze Wartung. Oder genauer: So wenig wiederkehrende Pflege wie möglich für Dinge, die mein Leben nicht wirklich besser machen.

Das klingt faul. Ist es aber nicht. Es ist eher die praktische Fortsetzung von Verschlichter Dich, Nicht verbiegen und too busy to improve. Wer keine Zeit hat, ein System wartungsarm zu bauen, hat später sehr viel Zeit, es schlecht zu warten.

Was ich mit „Zero Maintenance“ meine

Ich meine nicht, dass man sich um nichts kümmern sollte. Das wäre nur Verwahrlosung. Ich meine den Unterschied zwischen Wartung und Verbesserung.

  • Wartung bringt ein System nur zurück auf null.
  • Verbesserung verändert das System so, dass es danach besser, einfacher oder robuster ist.

Wenn ich einen riesigen Garten kaufe, dann kaufe ich nicht nur Fläche. Ich kaufe mir eine Liste wiederkehrender Aufgaben. Blätter entfernen. Rasen mähen. Hecken schneiden. Blumen gießen. Unkraut bekämpfen. Geräte warten, die dabei helfen sollen, diese Aufgaben zu erledigen. Natürlich kann Gartenarbeit schön sein. Dann ist es ein Hobby. Wenn sie aber nur gemacht wird, damit der Garten nicht schlechter aussieht als letzte Woche, ist sie für mich Wartung.

Ein Wildgarten kann dagegen eine bewusste Entscheidung sein. Genauso wie Kunstpflanzen. Weniger Kontrolle, weniger Aufwand, mehr Natur. Kunstrasen klingt erst einmal nach Zero Maintenance, ist aber oft nur eine Falle. Dann saugt man am Ende draußen einen Teppich. Das ist keine Vereinfachung, sondern nur eine Verschiebung: Statt eines Mähroboters muss dann ein Staubsaugerroboter für den Rasen angeschafft werden. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache.

Zero Maintenance heißt deshalb nicht: alles künstlich machen. Es heißt: die wiederkehrenden Aufgaben schon beim Entwurf mitdenken. Wenn ein Gegenstand, ein Prozess oder ein Set-up regelmäßige Aufmerksamkeit verlangt, muss diese Aufmerksamkeit den Preis wert sein.

Wartung ist die Miete, die ein Ding von Deiner Zukunft verlangt.

Definition von Wartung bei „Zero Maintenance“.

Zero Maintenance ist kein Broken Window

Wichtig ist die Abgrenzung zur Broken-Windows-Theorie. Ein kaputtes Fenster nicht zu reparieren, ist nicht Zero Maintenance. Es ist ein Signal, dass sich niemand kümmert. Und solche Signale ziehen Chaos an.

Zero Maintenance ist das Gegenteil davon. Es geht darum, weniger kaputte Fenster zu erzeugen. Weniger Dinge besitzen, die brechen können. Weniger Sonderlösungen bauen, die nur eine Person versteht. Weniger kleine manuelle Tätigkeiten akzeptieren, die sich über Jahre zu einem zweiten Job aufsummieren.

Ordnung bleibt wichtig. Aber die beste Ordnung ist die, die durch das System entsteht und nicht jeden Tag neu erkämpft werden muss.

Was kann man konkret tun, um Zero Maintenance zu erreichen?

Natürlich habe ich zahlreiche Beispiele, die ich in meinem (Berufs-)leben immer wieder umgesetzt habe. Hier hilft ein radikales Schwarz-Weiß-Denken ohne Kompromisse enorm.

Sich an Standards halten

Im Haushalt kann man Wartung durch den cleveren Umgang mit Standards weglassen: Unser Standplatz für unsere Restmüll- und Bioabfalltonne ist bewusst nah an der Straße. So werden sie direkt hinter dem Tor abgeholt und wir müssen sie nicht an die Straße stellen. Aber besonders bei Software ist Zero Maintenance besonders einfach zu nutzen. Ich bin nach wie vor Hobby-Entwickler-Entwickler. Ich schreibe Maschinen. Und jede Maschine verlangt später nach Pflege, wenn sie zu speziell, zu clever oder zu weit vom Standard entfernt gebaut wurde.

Darum versuche ich, Software nicht zu verbiegen. Wenn ein Tool nicht für den Zweck gebaut wurde, nehme ich lieber ein passenderes Tool oder passe den Zweck an. Das ist die Maxime aus Nicht verbiegen: Dinge über ihre natürliche Form hinaus zu zwingen, erzeugt später Brüche.

Meine WordPress-Plug-ins sind ein anschauliches Beispiel. Sie nutzen möglichst native APIs, bleiben nah am WordPress-Kern und vermeiden exotische Abhängigkeiten. Dadurch sind sie robust gegenüber Updates. Je weniger Code man um eine Open-Source-Lösung herumschreibt, desto stabiler ist am Ende das Endergebnis. Das ist auch die Leitmaxime von meinem Kleinunternehmen TOENSING.COM. Denn meine mit WordPress erstellten Webseiten befinden sich alleine schon aus Sicherheitsgründen im automatischen Aktualisierungsmodus. Da alles Close-2-Core entwickelt wurde, bricht auch nichts auseinander.

“Less (code) is more.”

Mantra von TOENSING.COM

Auch beim Deployment habe ich keine Lust auf Wartungsrituale. Früher war SVN eine typische Beschäftigungsmaßnahme für die Veröffentlichung auf WordPress.org. Heute erledigen das GitHub Actions für meine WordPress-Plugins. Ein Release auf GitHub, und der Rest läuft automatisch.

Das gleiche Prinzip steckt in meinen Minecraft-Setups. Minecraft, PaperMC und Docker-Images ändern sich ständig. Also gehören sie in Container, mit klaren Volumes für Daten und mit automatischen Updates, wo es sinnvoll ist. Der Minecraft-Server auf dem Raspberry Pi ist nicht deshalb gut, weil er kompliziert ist, sondern weil Docker Installation, Java-Version, Kapselung und Updates kontrollierbar macht. Danke noch einmal an Branko für diese fantastische Idee und Umsetzung!

Wenn ein Container kaputtgeht, möchte ich mich nicht erinnern müssen, welche Java-Version ich vor drei Jahren aus welchem Forum kopiert habe. Ich möchte den Container neu starten, die Daten wieder einhängen und weiterleben.

Weglassen ist oft besser als automatisieren

Automatisierung ist verführerisch. Man fühlt sich sofort klug, wenn ein Skript läuft. Aber Automatisierung ist nicht automatisch Zero Maintenance. Ein Skript ist auch ein Ding, das kaputtgehen kann.

Deshalb ist die beste Wartung immer noch die, die gar nicht mehr anfällt. Mein Abschied von AMP war genau so eine Entscheidung. AMP war einmal eine gute Idee: mobile Webseiten schneller machen. Später war es nur noch ein zusätzliches Plugin, zusätzliche URLs, zusätzliche Fehlerquellen und ein ungutes Gefühl beim Tracking. MarcTV ist auch ohne AMP schnell genug. Ein System weniger. Eine Sorge weniger.

Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Nicht jede wiederkehrende Aufgabe muss automatisiert werden. Manche Aufgaben müssen verschwinden.

Wartung kann man delegieren

Natürlich ist mein Homelab mit Proxmox und Synology kein Paradebeispiel für Minimalismus. Dort laufen Docker, Minecraft, Plex, ioBroker, Backups, Reverse Proxy und verschiedene virtuelle Maschinen. Das klingt nicht nach Zero Maintenance. Ist es aber, wenn man es mit den Alternativen vergleicht.

Spannend ist, dass inzwischen sogar die Wartung dieser Komplexität teilweise wieder delegierbar wird. Als OpenAI Codex meinen Proxmox-Server automatisch administriert hat, war das für mich keine Spielerei. Es war ein Ausblick: Agenten, die nicht nur erklären, was man tun könnte, sondern die langweiligen, riskanten und wiederkehrenden Aufgaben tatsächlich erledigen. Das ist wie eine Haushaltshilfe, die einem einmal pro Woche das Putzen abnimmt.

Garten, Pflanzen, Tiere und der Weihnachtsbaum

Bei Pflanzen zeigt sich Zero Maintenance brutal ehrlich. Echte Pflanzen sind schön, aber sie wollen leben. Und wer leben will, braucht Wasser, Licht, Pflege, Schnitt, Erde, manchmal Dünger und gelegentlich einen Menschen, der während des Urlaubs daran denkt.

Darum sind künstliche Pflanzen für mich nicht automatisch geschmacklos. Schlechte künstliche Pflanzen sind geschmacklos. Gute künstliche Pflanzen sind eine Entscheidung gegen eine Aufgabe, die ich nicht haben möchte. Genau deshalb mochte ich auch unseren künstlichen Weihnachtsbaum mit integrierten LEDs. Er nadelt nicht, bringt keine Tiere ins Haus, muss nicht entsorgt werden und die Lichterkette ist bereits eingebaut. Einmal ordentlich zurechtbiegen, danach jedes Jahr wieder nutzen.

Unser Zero Maintenance Apfelbaum. Einer unserer künstlichen Pflanzen im Garten. Selbstverständlich ist unter den weißen Steinen eine Teichplane gegen Unkraut.

Beim Rasen bin ich weniger eindeutig. Ein echter Rasen braucht Pflege. Ein Kunstrasen braucht andere Pflege und sieht irgendwann aus wie ein Teppich, der eine falsche Berufswahl getroffen hat. Vielleicht ist die bessere Lösung nicht Plastik, sondern weniger Anspruch. Oder ein Garten, der nicht so tut, als wäre er ein Golfplatz.

Zu guter Letzt kommt noch das Thema „Tiere“. Ich habe gelernt, dass ein wartungsfreier Ansatz wie die Garnelen in der EcoSphere ein Schritt in die falsche Richtung ist. Denn selbstverständlich ist der bewusste Verzicht die beste Lösung, um Wartungsfreiheit zu erzeigen. Deswegen kaufe ich mir niemals ein Lebewesen wie einen Hund, das regelmäßiger Pflege bedarf.

Die Zero-Maintenance-Prüfung

Wenn ich etwas kaufe, baue oder einrichte, hilft mir inzwischen diese kleine Prüfung:

  1. Welche wiederkehrende Aufgabe entsteht dadurch?
    Wenn die Antwort länger ist als der Nutzen, lasse ich es. Hier greift „Verschlichter Dich“.
  2. Kann die Aufgabe verschwinden, statt automatisiert zu werden?
    Abschalten ist besser als Skript schreiben. Denn das muss wieder gepflegt werden. Radikale Ansätze helfen hier. Auf gar keinen Fall sollte man too busy to improve sein.

Zero Maintenance und Langeweile

Der eigentliche Gewinn ist nicht Ordnung. Es ist freie Aufmerksamkeit. Wenn weniger Dinge an mir ziehen, entsteht Platz. Für Familie. Für Sport. Für Blogartikel. Für Kunstpixel. Für Langeweile.

Das ist der Kern von Zero Maintenance: Ich möchte meine Energie nicht dafür ausgeben, den Ausgangszustand zu verteidigen. Ich möchte sie für Dinge nutzen, die nach vorne zeigen.

Fazit: Keine unnützen Aufgaben

Zero Maintenance ist für mich keine Produktivitätsmethode und keine Ausrede für Vernachlässigung. Es ist eine Maxime gegen unnütze Wiederholung.

Manche Dinge verdienen Pflege. Beziehungen. Der eigene Körper. Mentale Gesundheit. Ein Zuhause. Ein Blog, der seit Jahren weiterlebt. Aber viele Dinge tarnen sich nur als Verantwortung, obwohl sie in Wahrheit schlecht entworfene Systeme sind.

Oder kurz: Wenn es mich nur beschäftigt, aber nicht weiterbringt, muss es weg, besser werden oder von einer Maschine erledigt werden.


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