Xbox Series: Microsofts letzte Konsole?


Microsofts letzter Flop?

Die letzte Konsolengeneration hat Sony mit der PlayStation 4 klar für sich entschieden. Mehr als doppelt viele PS4s als Xbox One Konsolen wanderten über die Ladentheke. Dieser Umstand wirkt sich auf die Spieleentwickler aus. Die Titel wurden zuerst für die PlayStation 4 optimiert und dann auf die Xbox One portiert – oder erschienen nicht mehr. Nun entwickeln sich die Zahlen aktuellen Generation amens Xbox Series XS im letzten Jahr nicht gut für Microsoft:

„That means the PS5 has outsold the Xbox Series X and S by almost three to one.“

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Die Verkaufszahlen der PlayStation 5 und Xbox Series XS bis 2023
Die Verkaufszahlen der PlayStation 5 und Xbox Series XS bis 2023. Quelle: vgchartz

Während die PlayStation 5 sich 22,5 Millionen Mal verkauft hat und damit in die Fußstapfen der erfolgreichen PlayStation 4 tritt, so kommt die Xbox Series laut VGChartz gerade auf 7,6 Millionen. Die Nintendo Switch kommt sogar auf über 132 Millionen verkaufte Geräte. Damit ist die Xbox Series weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Immerhin haben aktuell 25 Millionen Spieler den Game Pass abonniert.

Game Pass ist Fluch und Segen zugleich

Ich habe mir damals die Xbox Series vorwiegend wegen des Game Passes gekauft. Eine Flatrate für Spiele mit exklusiven Titeln wie Halo und Gears of War klingt einfach verlockend. Doch je mehr ich den Game Pass nutze, desto mehr erkenne ich, dass er sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Einerseits bietet er einen unschlagbaren Wert, da ich Zugang zu einer riesigen und vielfältigen Spielbibliothek habe, ohne jedes Spiel einzeln kaufen zu müssen. Dies ermöglicht es mir, eine breite Palette an Titeln zu entdecken, die ich sonst vielleicht nicht in Betracht gezogen hätte, und fördert ein experimentelleres Spielverhalten.

Andererseits kann der Game Pass auch zu einer gewissen ‚Übersättigung‘ führen. Die schiere Menge an verfügbaren Spielen kann überwältigend sein, und ich finde mich oft in der ‚Qual der Wahl‘, was dazu führen kann, dass ich weniger Zeit mit jedem einzelnen Spiel verbringe. Zudem besteht die Gefahr, dass ich mich weniger auf die einzelnen Spiele einlasse und diese weniger wertschätze, da sie so leicht zugänglich und austauschbar sind.

Ein weiterer Nachteil ist, dass Spiele manchmal aus dem Game Pass entfernt werden, was bedeutet, dass ich möglicherweise nicht in der Lage bin, ein Spiel zu beenden, bevor es aus der Bibliothek verschwindet. Dies kann besonders frustrierend sein, wenn ich stark in ein Spiel investiert bin.

Schließlich hat der Game Pass auch Auswirkungen auf die Spieleentwickler. Einerseits bietet er ihnen eine Plattform, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Andererseits könnten die ökonomischen Modelle hinter solchen Abonnementdiensten die Art und Weise beeinflussen, wie Spiele entwickelt und monetarisiert werden, was sich auf die Langzeitqualität und -vielfalt der Spiele auswirken könnte. Meine Meinung zur aktuellen Qualität der Spiele im Game Pass kann man nachlesen.

Insgesamt ist der Xbox Game Pass ein revolutionäres Konzept, das die Art und Weise, wie wir Spiele konsumieren, verändert hat. Für mich wären allerdings gute exklusive Titel wichtig, die auf das einzahlen, was ich mit der Xbox verbinde: technische beeindruckende Shooter mit Storykampagne im Koop.

Halo Infinite - Leider unendlich langweilig.
Halo Infinite – Leider unendlich langweilig.

Erste Anzeichen bei Microsoft, dass etwas nicht stimmt

Die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass Microsoft möglicherweise vor einigen Herausforderungen steht. Die Entlassungen bei Activision Blizzard und Xbox sind ein deutliches Signal, dass das Unternehmen seine Kostenstruktur und Geschäftsstrategie überdenkt. Während Entlassungen in großen Unternehmen nicht ungewöhnlich sind, hauptsächlich nach Akquisitionen, ist ihr Umfang bemerkenswert und könnte auf tiefere Probleme hinweisen.

Zusätzlich zu den Entlassungen gibt es Bedenken hinsichtlich der Qualität und des Erfolgs einiger First-Party-Titel. Spiele wie Halo Infinite, Redfall, Scorn und Starfield, die hohe Erwartungen hatten, konnten diese anscheinend nicht erfüllen. Halo Infinite habe ich mehrfach probiert, im Koop durchzuspielen. Wir sind fast dabei eingeschlafen. Und das sage ich als echter Fan der Serie. Dies wirft Fragen über die Effektivität der aktuellen Entwicklungsprozesse und Strategien von Microsoft auf. Der Game Pass, der einst als revolutionäre Innovation im Gaming-Bereich gefeiert wurde, leidet möglicherweise unter einem Mangel an überzeugenden neuen Inhalten, was seinen Wert und seine Attraktivität für Abonnenten mindert.

Die weniger als erwarteten Hardware-Verkäufe der Xbox-Konsolen verstärken diese Bedenken. In einem hart umkämpften Markt, in dem Konkurrenten wie Sony mit ihrer PlayStation 5 beeindruckende Verkaufszahlen vorweisen, könnte Microsofts Rückstand in diesem Bereich ein Indikator für strategische Fehltritte oder eine mangelnde Markenbindung sein.

All diese Faktoren zusammengenommen könnten darauf hindeuten, dass Microsoft in seinem Gaming-Segment an einem Wendepunkt steht. Es könnte notwendig sein, sowohl das Angebot im Game Pass zu überdenken als auch die Entwicklungsstrategien für First-Party-Titel zu überarbeiten. Eine stärkere Konzentration auf Qualität, Innovation und Nutzererfahrung könnte erforderlich sein, um das Vertrauen der Spieler zurückzugewinnen und die Wettbewerbsfähigkeit in einem schnelllebigen und sich ständig verändernden Markt zu sichern.

Geht Microsoft den Weg von SEGA?

Damals hat SEGA noch Konsolen gebaut: MegaDrive, Sega Saturn und zum Schluss die Dreamcast. Als diese im Kampf gegen die übermächtige PlayStation 2, Xbox 1 und GameCube auf Platz 4 unterlegen war, hat SEGA das Hardwaregeschäft aufgegeben und ist seitdem Drittanbieter. Bevor Microsoft sich aus dem Spielegeschäft zurückzieht, könnten sie das Hardwaregeschäft aufgeben. Denn Microsofts Kerngeschäft ist Software und Services. Die Inventionen in den Game Pass und in Streaming würden gut zu dieser Strategie passen. Zudem stellt die Integration der Xbox in das Microsoft-Ökosystem die Weichen, dass Xbox ein Service wird und keine Konsole mehr benötigt.

Die Verkaufszahlen der sechsten Generation von Konsolen (PS2, Xbox, GameCube und Dreamcast)
Die Verkaufszahlen der sechsten Generation von Konsolen (PS2, Xbox, GameCube und Dreamcast). Quelle vgchartz

Die Xbox muss als Gegenpol zur PlayStation und Nintendo bestehen

Dank der Xbox kennen wir Online-Gamng und den in die Platform integrierten Voicechat. Xbox Live war das einzige Social Network, in das ich investiert war. Die zu recht erfolgreiche Xbox 360 ist nach wie vor meine Lieblingskonsole gewesen. Lost Odyssey, Mass Effect, Gears of War, Alan Wake und Halo waren fantastische Spiele. Und an dem Goodbye, Xbox 360 Rapsong steckt mehr Wahrheit, als ich mir eingestehen will. Die Xbox Series X mag gerade keine relevanten Spiele abbekommen. Trotzdem ist die lautlose Hardware der lauteren PlayStation 5 überlegen. Die Option, Emulatoren wie RetroArch legal ohne Jailbreak zu installieren, hat für mich einen echten Mehrwert. Und die Xbox Series S ist für viele Gelegenheitsspieler gepaart mit der Abwärtskompatibilität eine tolle Investition. Kurzum: Die Xbox darf nicht sterben, weil wir sie als Spieler als Innovationstreiber benötigen. Allerdings glaube ich nicht daran, dass diese Innovation darin besteht, dass die Geister aus dem Jahr 2010 wieder erwachen: Die Zukunft für Konsolenspiele liegt nicht in den Mobile Games. Wenn sich Microsoft aus dem Hardwaregeschäft zurückzieht, dann kann man das „Strategie“ nennen oder auch Niederlage. Auf jeden Fall wäre es eine Niederlage und Verlust für uns Spieler.


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