Auf der aktuellen Xbox Series S (kaufen) kann man im Developer-Modus ganz offiziell ohne Hack die Emulationssoftware RetroArch installieren. Das erlaubt das Spielen von Playstation 2 und GameCube Titeln auf der Microsoft Xbox. Ich muss leider vermelden, dass es bislang wenig Sinn ergibt, seine Konsole dafür fit zu machen.

Inhaltsverzeichnis

Meine Xbox Series S beim ersten Start von Ridge Racer V.
Meine Xbox Series S beim ersten Start von Ridge Racer V auf dem PS2-Emulator.

Wieso die Xbox Series S?

Die Leistung der CPU ist unwesentlich geringer als die, der teuren Xbox Series X (kaufen). Für Emulation ist das der wichtigste Punkt. Vor allem ist die Series S aber günstig und überhaupt verfügbar. Dadurch könnte die kleine, weiße Konsole von Microsoft eine Plattform für Emulation werden.

9 Gründe, warum RetroArch auf der Xbox sich nicht lohnt

Die folgenden Punkte beruhen auf meiner persönlichen Erfahrungen mit RetroArch 1.5.6 auf der Xbox Series S (kaufen). Ich halte mich für einen erfahren Anwender von RetroArch und Emulation im Allgemeinen. Ich kenne die Originalhardware und weiß daher, wie ein Spiel tatsächlich laufen soll. Ferner liegt der Fokus des Artikels auf den schwer zu emulierenden Systemen. Wer nur Gameboy bis Playstation 1 emulieren will, kann dies günstiger und sogar tragbar mit dem Anbernic RG351V erreichen.

1. Die Einrichtung dauert Stunden

Es gibt gute Anleitungen wie man RetroArch ganz offiziell auf seiner Xbox Series installiert. Ich kenne die gewöhnungsbedürftige Verzeichnisstruktur durch meine anderen Emulationsprojekte. Trotzdem dauerte die Installation und Einrichtung von RetroArch auf der Xbox ewig. Das liegt vor allem an den Einschränkungen vom Developer-Modus. Ohne zu tief ins Detail zu gehen: es war 10 Mal so umständlich wie befürchtet.

2. RetroArch ist keine normale App

Eine „side loaded App“ wie RetroArch ist zwar legal aber muss im Developer-Modus installiert und auch gestartet werden. Das heißt, im normalen Dashboard der Xbox startet man die App „Xbox Dev Mode“ und wartet ein paar Minuten, bis die Konsole umgeschaltet hat. Man kann also nicht zwischen normalen Spielen und RetroArch hin- und herschalten.

Diese Option ist standardmäßig bei jedem Verlassen des „Dev Mode“ aktiviert.

3. Mit einem falschen Klick ist alles wieder weg

Wenn man den Dev Mode verlässt, wird der Haken bei „Delete side loaded games and apps.“ immer gesetzt. Wenn man nun „Okay“ auswählt, wird RetroArch samt den Spielen und Einstellungen wieder gelöscht. Natürlich kann man den Standardwert nicht verändern.

4. Der Entwicklermodus kostet Geld

Kosten pro Account von einmalig 15,– € fallen beim Aktivieren des Entwicklerkontos seitens Microsoft für den Dev Mode an. Das ist nicht viel aber hat mich überrascht.

5. Grafikeinstellungen müssen für die Systeme angepasst werden

RetroArch kennt Grafik-APIs wie OpenGL und Direct3D 11 und 12. Die spannenden Systeme wie die Playstation 2, GameCube und Wii benötigen D3D11. Emulierte Konsolen wie das Super Nintendo starten nur mit dem „gl“ Videotreiber. Diese Einstellungen sind nicht voreingestellt und müssen sich erst angelesen und dann konfiguriert werden. Ansonsten starten die Spiele nicht.

Ridge Racer 5 auf dem PCSX2 Core in 1080p (hochskaliert) mit 60FPS und Grafikfehlern
Ridge Racer 5 auf der Xbox Series S in 1080p (hochskaliert) mit 60FPS und Grafikfehlern

6. Abstürze und Grafikfehler sind an der Tagesordnung

Kein einziges Playstation 2 Spiel lief ohne Grafikfehler. Und selbst der ausgereifte Dolphin Emulator zeigte bei GameCube Spielen regelmäßige Abstürze. Wave Race – Blue Storm friert bei mir im Startmenü ein oder die Auflösung springt im Sekundentakt hin und her. Sogar der einfach zu emulierende PS2 Titel Ridge Racer V zeigt deutliche Grafikfehler im gesamten Spiel. Bei Burnout 3 – Takedown fehlt gleich der ganze Himmel. Wiederum andere Spiele wie Soul Calibur II auf dem GameCube liefen durchweg mit 60 FPS. Leider liegen die meisten Fehler am Emulator und nicht an der Xbox Series S. So ist das Grafikproblem von Ridge Racer V schon immer so gewesen.

7. Durchwachsene Performance

Die CPU in der Series S (kaufen) taktet mit 3,4 Ghz. Diese Leistung reicht aber nicht aus, um Shadow of the Colossus auf der PS2 spielbar zu emulieren. Es ruckelt und bleibt dabei fast schon stehen. Das betrifft erstaunlich viele Playstation 2 Titel die nicht ganz sauber laufen wollen. Bei Dolphin (GameCube) sieht es deutlich besser aus. Manche Spiele können von 480p auf 1080p oder gar 4k hochskaliert werden. Wenn ein Titel nicht abstürzt und die Shader im Cache gelandet sind laufen sie in der Regel sogar flüssig. Leider werden Ubershader noch nicht von dem Dolphin Core auf der Xbox Series unterstützt. Das führt beim Starten zu permanenten Mikrorucklern.

RetroArch auf Xbox Series S mit Soul Calibur II (GC) und Burnout 3 (PS2)

8. Für welche Spiele macht man das eigentlich?

Sonic Adventure 2? Gibt es auf der Xbox. Shadow of the Colossus? Gibt es als Remake auf der PS4. Grand Theft Auto – San Andreas? Wurde ebenfalls portiert. Die meisten guten Titel aus der Ära der 128-Bit Konsolen wurden portiert. Es lohnt sich der Aufwand also nur bedingt.

9. RetroAchievements werden nicht unterstützt

Das ist für mich kein unwesentlicher Punkt. Die Dreamcast, Playstation 2 und GameCube Cores von RetroArch unterstützen bislang keine RetroAchievements.

Zu schön um wahr zu sein?

Frickelig und instabil ist der aktuelle Stand von RetroArch auf der Xbox Series S (kaufen). Das liegt nicht an RetroArch und auch nicht an der Hardware der Xbox. Es liegt an den Einschränkungen der Plattform und Kompatibilität. Auf der einen Seiten können manche dieser Hürden reduziert werden. Dazu gehört die Stabilität der Emulation. Auf der anderen Seite steht die Abhängigkeit zum Developer-Modus, die wahrscheinlich nie verschwinden wird. Deswegen ist für mich RetroArch auf der Xbox Series nicht mehr als eine Spielerei. Es gibt aber genug Alternativen für einfache Lösungen für Emulation: aktuell den Handheld Anbernic RG351V oder einen Raspberry Pi mit Recalbox.

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