Was heute Onlinespielemagazine machen, mussten früher die Spielemagazine am Kiosk erst etablieren: Bewertungssysteme für den Spaß beim Spielen. Mal gehen sie von 1 bis 10 oder nach Schulnote oder der Klassiker: Prozentangaben. Wieso kommen Bücher, Filme, Lebensmittel und alle anderen Konsumgüter ohne diese Bewertung aus und werden trotzdem jeden Tag gekauft? Oder brauchen wir dieses Verfahren wie bei „Stiftung Warentest“ für Spiele letztendlich doch?

Ursprung des Wertungssystem

Der Ursprung der Spielespaß-Wertungen bei Rezensionen gab es bei Videospielen schon bei der Zeitschrift Video Games und auch viel länger bei Computerspielezeitschriften. Eine Erklärung für solche Wertungssysteme die auf Zahlen beruhen ist vielleicht die technische Herkunft des Mediums „Computerspiel“. Die Redakteure damals waren vermutlich genau so wie die Spieler Technikfreaks. Das merkt man vor allem an den sehr technisch-geschriebenen Reviews von damals. Und da liegt es nahe Testergebnisse in die Welt der Zahlen zu quetschen die man später vergleichen und Statistiken anfertigen kann. Hier für spricht auch, dass viele Zeitschriften regelmäßig solche Statistiken abgedruckt haben.

Vielleicht hat man sich auch gedacht, dass die damals eher jungen Leser einen Gegenwert dafür haben wollen, dass die Redakteure die Spiele kostenlos anspielen dürfen. Eine 90% oder einer 1- im Schulnotensystem lassen sich viel besser greifen als ein Fazit in dem steht: „Das Spiel ist sehr gut und besser als Spiel XY“. Zudem sind Videospiele im Verhältnis zu Büchern und Filmen ziemlich teuer. Nicht nur das Spiel selber sondern auch das komplette Equipment was dafür nötig ist um es überhaupt spielen zu können muss bezahlt werden. So muss ein Wing Commander 3 – Heart of the Tiger schon mindestens 80% abräumen, damit sich die 8 MB Arbeitspeicher mehr für 500 DM und das teure CD-ROM auch wirklich gelohnt haben. Und was ist mit dem Faktor Zeit? Manche Magazine haben sogar ihre Wertungen im Lauf der Seite angepasst um den inflationären Wertungen entgegen zu wirken. Denn wurde erstmal ein Spiel mit 97% bewertet wie damals von der Video Games „Super Mario World 2 – Yoshi’s Island“ auf dem SNES dann bekommt man bei dem nächsten Hit-Spiel schon Probleme wenn das wider Erwarten noch besser gewesen ist.

Daseinsberechtigung der Wertungen

Seiten wie MetaCritic.com, GameRankings.com oder das neue SHORTSCORE rechnen alle Wertungen der wichtigen Online-Magazine zusammen und stellen so eine nach durchschnittlichen Wertungen geordnete Liste zu Verfügung. Nun stellt sich die Frage, ob dieses System in Zeiten bei denen das Medium Videospiel immer mehr verschiedene Gruppen von Leuten wie Nichtspieler, Frauen, Hardcore-Gamer, Gelegenheitsspieler usw. anspricht überhaupt noch eine Relevanz hat. Denn eigentlich ist der Spaß den man beim Spielen empfindet – oder eben nicht – eine durch und durch subjektive Angelegenheit. Jedoch ist es meistens so, dass die größten Online-Magazine in etwa gleiche Bewertungen vergeben. Gamespot und IGN liegen immer relativ dicht beieinander. Das sind dann immerhin zwei Meinungen von Leuten, die das Spiel schon mal gespielt haben und es vor allem in Relation zu anderen Titeln setzten können.

Zahlen sind einfach

Vielleicht ist der wichtigste Grund der Daseinsberechtigung auch die Einfachheit des Systems. Es ist ziemlich simpel eine Zahl unter eine Spielerezension zu schreiben aber relativ schwer ein gute Begründung für diese Wertungen zu formulieren. Im Grunde liegt es am Leser selber wie stark ihn diese Wertung beeinflusst. Denn es ist ja nicht so, dass die Redakteure der Onlinemagazine zu den Zahlen keine Texte schreiben.

Wertungen sind für mich persönlich dennoch ein guter Anhaltspunkt. Hat ein Spiel 9/10 oder höhe bekommen, dann lese ich mir zumindest den entsprechenden Review durch.

Spiele wie Braid hätte ich ohne die hohe Wertung von 9.5 nicht mal angespielt

Alles unter 70% ignoriere ich

Umgekehrt ignoriere ich alle Spiele unter 7/10 Punkten komplett. Zusätzlich benutze ich nur ein einziges Online-Spielemagazin als Referenz und kenne mittlerweile die Autoren und ihre Vorlieben sehr gut und weiß, dass diese sich mit den meinigen weitestgehendst decken. Denn wie will man ein Spiel wie Braid oder andere Indepenent-Spiele in ein Bewertungsraster drücken? Oder den Spaß, den man mit seinem ersten Videospiel gehabt hat – egal wie schlecht es gewesen ist.

Ich musste zum Beispiel „Alex Kidd in Miracle World“ spielen – und fand es trotzdem gut. Heute weiß ich, dass das Spiel aus der Hölle kommt. So wie der Angry Video Game Nerd von Screwattack Michael Jackson’s Moonwalker auf dem Sega Mega Drive auseinander nimmt würde ich gerne Alex Kidd die kleinen Arme verbal ausreißen. Obwohl: Noch schlimmer als Michael Jackson’s Moonwalker auf dem MegaDrive ist Michael Jackson’s Moonwalker auf dem Master System II gewesen. Glaubt mir. Ich weiß wovon ich rede. Hätte ich damals bloß schon die Reviews gelesen.

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28 Kommentare

  1. Ich persönlich kann Spielebewertungen überhaupt nicht ausstehen. Gerade diese Gen haben sie lediglich Fanboy-Kriege heraufbeschworen (Mario Galaxy vs. GTA IV, GTA IV 360 vs. GTA IV PS3 usw. …). Für mich bleibt das lediglich nur eine Zahl, die zusammenfassen angibt, wie der Tester das Spiel empfunden hat. Wie diese Meinung entstanden ist und wie die verschiedenen Aspekte des Spieles gewichtet wurden, kann ich daraus nicht entnehmen. Was ist, wenn mir persönlich die Technik und Grafik sehr wichtig ist, dem Tester aber nicht? Da wird mich auch eine 90% Wertung nicht umstimmen können. Deshalb sollte zumindestens eine Pro-Kontra-Liste wie bei 4players dem Review beiliegen, damit kann man wenigstens schnell entnehmen, was dem Tester missfallen hat.

  2. Wertungssysteme sind doch immer noch haufenweise anzutreffen auch bei kleinen Onlineportalen. Das Spielehersteller jedoch mal nach schlechten Rezensionen etwas ungehalten sein können, ist schon nicht so weit hergeholt.. Wenn dann hintendrann noch irgendwo ne Werbung hängt.. dann wird es erst recht kritisch..

    ätzend das..

  3. So dusselig ich selbst numerale Bewertungen finde, so sehr kann ich verstehen warum es sie gibt.

    Unsere Gesellschaft ist einfach so ausdifferenziert dass es nicht für jeden möglich ist, sich über jedes Thema umfassend zu informieren. Darum gibt es den Drang sich einen Überblick zu verschaffen, Expertenwissen und vor allem deren Schlussfolgerungen komprimiert aufzunehmen und darauf basierend eigene Entscheidungen zu treffen.
    Ich kann den Familienvater, der ein Spiel kauft weil es eine hohe Bewertung bekommen hat gerne auslachen, oder die Leute die aufgrund der Oscarnominierungsanzahl glauben, Benjamin Button wird schon ein großartiger Film sein… aber das kann ich nur aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung und der damit verbundenen Ausbildung meines persönlichen Geschmacks. Möchte ich einen Kühlschrank kaufen oder einen Hubschrauber wäre ich hingegen froh wenn mir jemand sagt: Der Kühlschrank ist toll, der Hubschrauber ist mist ohne dass ich mich in Begrifflichkeiten einarbeiten muss. Ähnliches mit irgendwelchen Statistiken… wer möchte sich schon durch 1500 Seiten PISA-Dokumentation arbeiten?

    Ich glaube das Kernproblem sind nicht diese Bewertungen an sich, sondern wie mit ihnen umgegangen wird. Es fehlt einfach an Kompetenz die Absolutheit und wissenschaftliche Aura dieser Werte zu hinterfragen… eine Kompetenz die man vielleicht schon in der Schule stärker fördern sollte

    1. Ben:

      Ich glaube das Kernproblem sind nicht diese Bewertungen an sich, sondern wie mit ihnen umgegangen wird. Es fehlt einfach an Kompetenz die Absolutheit und wissenschaftliche Aura dieser Werte zu hinterfragen… eine Kompetenz die man vielleicht schon in der Schule stärker fördern sollte

      Da kann ich dir zustimmen. Ich schrieb im Blogeintrag:

      Im Grunde liegt es am Leser selber wie stark ihn diese Wertung beeinflusst. Denn es ist ja nicht so, dass die Redakteure der Onlinemagazine zu den Zahlen keine Texte schreiben.

      Als Anhaltspunkt halte ich diese Bewertungen nach wie vor für Relevant. Alleine um sich einen Überblick zu verschaffen sind Zahlen ja keine schlechte Idee. Es liegt praktisch nur an uns wie sehr wir uns auf diese Zahlen verlassen bei der Entscheidung oder nicht. Nach dem selber Spielen ist man immer schlauer. Aber das kann man natürlich leider nicht immer.

      Zur Medienkompetenz und Förderungen anderer Kompetenzen in der Schule als bisher habe ich schon mal was geschrieben: Bildungslücke: Neue Medien

  4. Fu, nun landet meine Emailadresse im lustigen Spammoversum…

    1. hab sie rausgenommen. Aber das URL-Feld ist eben nicht für eMail-Adresse gedacht.

  5. Grundsätzlich finde ich Bewertungen von 1 bis 10 oder Schulnoten ganz gut.

    Anders ist es bei Bewertungen nach Prozentzahlen.
    Hier wird dem Leser vorgegaukelt, man könne Spiele auf ein Hundertstel genau bewerten. Das ist jedoch völliger Quatsch.
    Videospiele werden zum Großteil nach subjektiver Einschätzung bewertet. Dazu kommt, dass der Tester vermutlich noch nie bei einer Entwicklung eines Spiels dabei gewesen ist und er somit überhaupt nicht wissen kann, was man noch hätte verbessern können und was technisch unmöglich wäre.
    Er kann ein Spiel mit anderen Spielen vergleichen und versuchen dabei objektiv zu bleiben. Auf ein Hundertstel genau kann er es aber nicht bewerten.

    1. Durch die feinere Unterteilung kann man aber meiner Meinung nach bestimmte Spiele mehr voneinander differenzieren. Spiel X hat eine 8.5 und Spiel Y hat eine 9.0. Übersetzt heißt das: Spiel Y empfand der Tester besser als Spiel X. Aber Du hast recht. Eine Skala von 0 bis 100 ist etwas zu fein.

    2. Ich bin der Meinung, dass man das differenzieren besser im Text beschreiben kann. In der Schule reicht ein System von 1 bis 6 doch auch völlig aus (plus und minus verfeinert das ganze nochmal), Stiftung Warentest macht es genauso und Filme werden meines Wissens auch nirgendwo in % bewertet.

      Eine Skala von 1 bis 100 wäre eigentlich nur Sinnvoll, wenn man wirklich feste Kriterien hat und die Bemessungen automatisch und wirklich Fehlerfrei ablaufen würden.
      Genau das ist aber bei Videospielen nicht gegeben, denn hier wird aus dem Bauch heraus getestet, was eine Bewertung auf ein Hundertstel genau eigentlich unmöglich macht.

      Ich achte schon lange nicht mehr auf die zweite Ziffer einer Bewertung. Alles was im 90er Bereich liegt kann man immer kaufen, im 80er Bereich eigentlich auch noch.
      Ob ein Spiel nun 91 oder 93% bekommt ist mir dabei egal.

      Warum gibt es dieses von 1 bis 100 System?
      Ich weiß es nicht. Vielleicht wirkt es professioneller und genauer, denn es erweckt immerhin den Anschein, dass es möglich ist, so genau testen zu können.

    3. naja, eine reine objektivität wird es nie geben, da das eigene empfinden natürlich von stimmungslagen etc abhängig ist.

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