Während Google mit Stadia einen Streaming Dienst für Videospiele plant, hat Sony mit PS Now seit 2015 bereits einen technisch ähnlichen Service für das „Netflix der Spiele“ für PS4 und den PC veröffentlicht.

So funktioniert Stadia und im Prinzip jeder andere Game Streaming Dienst wie Onlive
So funktioniert im Prinzip jeder Game Streaming Dienst wie PS Now, Stadia und die xCloud.

Technisch das Gleiche wie Google Stadia?

Die Spiele werden nicht auf lokal auf dem Endgerät berechnet sondern in der Cloud auf Servern von Sony. Unterstützt werden die PlayStation 2, 3 und 4. Diese senden, wie Netflix, einen kontinuierlichen Videostream zurück. Die Eingaben des Spielers werden in die Cloud gesendet und beeinflussen die Berechnungen des Spiels . Zusätzlich kann man PS4 und PS2 Spiele im Abo teilweise auf die PS4 runterladen und dort direkt lokal ausführen.

Durch den technischen Aufbau über das Internet ist ein Kritikpunkt das Lag. Damit ist die Eingabeverzögerung beim Spiele gemeint, der durch die Internetverbindung entsteht. Das ist das selbe Problem wie bei dem gescheiterten Onlive und Googles Plänen für Stadia. Dazu kommen wir aber später. Denn das Lag ist meiner Meinung nach nicht das Problem von PS Now.

Die Spiele für PS Now
Meine gespielten Titel auf PS Now

PS Now ist schlecht. Und trotzdem Marktführer

PS Now ist mit nur 700.000 Abonnenten zum jetzigen Zeitpunkt der erfolgreichste Streaming Dienst für Spiele. Verglichen mit den fast 100 Millionen verkauften PlayStations 4 Konsolen ist das allerdings recht wenig. PS Now ist deswegen nicht nur wegen des hohen Preises von  € 14,99 im Monat oder € 99 EUR im Jahr unattraktiv.

Das Hauptproblem ist die Spieleauswahl von 750 Titeln für die  PS2, PS3 und PS4. Es gibt gefühlt zu 99% nur Spiele von der Resterampe. Und da die interessantesten PS2 und PS3 Titel wie Shadow of the Colossus oder Kingdom Hearts schon ein Remake für die PS4 bekommen haben, bleiben nur Spiele wie das sehr gute Sonic Generations, ICO und Red Dead Redemption für die PS3 übrig.

Wie schlimm ist das Input Lag bei PS Now?

Zum Messen des Lags habe ich das grauenhafte Spiel Bubsy: The Woolies Strike Back zuerst über PS Now im Stream gespielt und dann lokal installiert, nochmal gespielt und die Werte verglichen.

LatzenzEmulator oder System
~71 msOriginal Super Nintendo
an CRT TV mit Super Mario World
~83 msPS4
Sonic Mania
~83 msRecalbox – Raspberry Pi 3
System Menu
~96 msSNES Classic Mini
Super Mario World
~112 msVirtual ConsoleWii U
Super Mario World
~138 msPS Now – Streaming PS4
Bubsy: The Woolies Strike Back
~152 msRecalbox – Raspberry Pi 3
PocketSNES (Super Nintendo)
~160 msRecalbox – Raspberry Pi 3
picodrive (MegaDrive)
~171 msRecalbox – Raspberry Pi 3
Snes9x next (Super Nintendo)

Aus den Messungen ergibt sich bei PS Now ein  Lag von ungefähr 47 Millisekunden Inputlatenz über das Internet. Diese Zahl errechnet sich durch die Differenz zwischen der lokalen Installation von Bubsy: The Woolies Strike Back (91ms) und der gestreamten Version über PS Now (138ms). Das Original SNES führt selbstverständlich das Feld an und dient als Referenz. Die Messungen vom Rasbperry Pi und SNES Classic stammen aus meinem Artikel über die Eingabeverzögerung  von Emulatoren.

Erstaunlicherweise lassen sich Titel wie der Shooter Killzone von den Machern von Horizon Zero Dawn trotz des Lags gut spielen. Im direkten Vergleich bemerkt man das Lag definitiv aber es spielt eine erstaunlich geringe Rolle. Egal ob bei Shootern, Rennspielen oder Jump’n’Runs. Das ist eine für mich verblüffende Erkenntnis.

Wie gut ist die gestreamte Grafik?

Der Videostream ist mit einer Auflösung von 720p (1280×720 Pixel) sehr gering aufgelöst. In Bewegung ist das aber auch nicht so relevant. Besonders wenn man PS3 Spiele-Titel spielt. Ich habe recht wenig Kompressionsartefakte gesehen und hatte keine Warnung über Verbindungsprobleme. Allerdings hat schon mal hier und dort eine halbe Sekunde im Spiel gefehlt.

PlayStation 2 und PlayStation 4 Titel kann man lokal installieren, wenn sie im PS Now Angebot enthalten sind. Dann laufen sie natürlich visuell perfekt. Aber ohne Bildverbesserungen wie bei dem sehr guten Backwards Compatibility Emulationsprogramm von Microsoft auf der XBOX ONE.

Leider sind die Initialisierungs- und Ladezeiten sehr lang. Für das Video oben musste ich sehr viel rausschneiden. Gefühlt nimmt eine Person die PlayStation am anderen der Welt erst aus dem Schrank,schließt sie an und legt die Disk des Spiels ein. Da man PS Now leider nicht direkt mit der PS4 aufnehmen konnte, musste ich es abfilmen.

Fast-Food für Videospiele

Wenn man nur mal kurz reinschauen will, dann ist der Dienst bis auf die erwähnte Wartezeiten richtig gut. Kein Download, man hat eine Flatrate für alle Spiele und man benötigt theoretisch die Hardware nicht zu Hause. Die neue Version meines Lieblingstitels wie die Spiele von FromSoftware möchte ich darauf allerdings nicht spielen. Ich würde eventuelle Aussetzer immer für mein Versagen verantwortlich machen.

Wenn Sony allerdings PS Now irgendwann einfach in das PS Plus Abonnement aufgehen lässt, dann würde ich es mir nochmal ansehen. 7 Tage kann jeder Besitzer eines PSN-Accounts den Dienst ausprobieren. Am PC benötigt man übrigens einen teuren DualShock USB Wireless Adapter weil die meisten Bluetooth-Adapter nicht von PS Now für Windows erkannt werden.

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