Spiele

Matrix Awakens: Fotorealistische Grafik mit der Unreal Engine

Grafisch wurde uns Spielern einiges für die NextGen versprochen. Nun ist für die Xbox Series X/S und die PlayStation 5 ist eine Unreal Engine 5 Technologie Demo erschienen. Mit einem kleinen Team wurde bei Epic Games der Beweis geliefert, dass sich Echtzeitgrafik nah am Film bewegen kann. Es wird bewusst die Frage aufgeworfen, ob Szenen aus der Demo mit echten Darstellern abgefilmt oder in Echtzeit auf der Konsole berechnet werden. Zum ersten Mal kann man meiner Ansicht nach von Fotorealismus in einem Videospiel sprechen.

Wer ist „echt“?

Leider unecht ist ein neues Spiel im Matrix-Universum. Die Demo ist dazu da, um Werbung für die Engine zu machen. Besonders Augenmerk liegt auf der „MetaHuman“-Technologie. Damit können Menschen realistisch abgebildet werden. Beim Anfang der Demo werden Bilder aus Matrix (1999), abgefilmte Schauspieler von 2021 und virtuellen Darstellern gekonnt mit Durchbrüchen der filmischen „Vierten Wand“ gezeigt.

Der echte Keanu Reeves und als Meta Human in der Unreal Engine.

Meiner Meinung nach sieht man nach wie vor, wer aus dem Computer kommt und wer tatsächlich Keanu Reeves ist. Trotzdem bleibt die Darstellung der Haare, Haut, Zähne und Animation atemberaubend. Wenn Figuren nicht wie Cartoons, sondern Realtischtisch dargestellt werden, aber sie nicht absolut glaubhaft wie Menschen, sondern eher wie leblose Zombies aussehen, dann spricht man vom Uncanny Valley. Und tatsächlich kann ich nicht sagen, was genau dem unechten Keanu in den Augen fehlt, damit er nicht in diesem unheimlichen Tal landen muss. Deswegen funktioniert der Teil der Demo Weiteraus besser, wenn die Protagonisten ihre typischen Brillen aufhaben.

Diese fotorealistische Sequenz wird vollständig in Echtzeit auf der Konsole berechnet.

Was wird in Echtzeit berechnet?

Laut dem Video von Digital Foundry ist der gesamte Anfang in Echtzeit berechnet und mit Videosequenzen aus dem Film Matrix aus 1999 und einem gefilmten Keanu Reeves aus 2021 angereichert. Das bedeutet, wenn Neo neben dem Computer aufwacht, ist dies kein Video. Auch nicht im Close-Up. Auch die roten Sessel, der Spiegel und der Fernseher im weißen Raum sind Videospielzenen der Engine. Wenn Carrie-Anne Moss (Trinity) und Keanu dupliziert werden, wird uns ein vorberechnetes Video präsentiert. Die Bullet Time-Szene auf dem Dach ist wiederum kein Video, sondern kommt direkt aus der Unreal Engine. Der Rest der Demo wie die Verfolgungsjagd ist vollständig Echtzeitgrafik.

Fotorealismus in Echtzeitgrafik im Jahre 2021.

Fotorealistische Open World

Plötzlich findet man sich mitten in der riesigen Stadt wieder und kann nicht nur frei herumlaufen, sondern mit Y wie eine Drohne durch Luft flitzen. Damit ist klar, dass die Kulissen vorher wirklich in Echtzeit berechnet werden konnten. Inklusive des Verkehrs von 20.000 Autos, den hunderten Menschen auf den Straßen und den Lichtreflexen. Mit „Start“ gelangt man ins Optionsmenü und kann viele dieser Parameter in Echtzeit anpassen. Die Sonne ist laut Digital Foundry die einzige Lichtquelle im Spiel und kann dynamisch angepasst werden. Auch einen Fotomodus mit Tiefenschärfe findet sich dort. Mit „A“ steigt man in stehende Autos ein und kann sie zu Schrott fahren. Die Messlatte für das noch ausstehende Grand Theft Auto 6 hängt nun verdammt hoch. Und über die Grafik von Cyberpunk 2077 kann ich nur noch Lächeln.

Der Detailreichtum wird erst im Fotomodus deutlich. Dabei werden winzige Details wie der abgeplatzte Lack an einer Parkuhr sichtbar. Aus der Vogelperspektive blickt man auf die unzähligen fahrenden Autos in den Häuserschluchten. Die spiegelnden Oberflächen wie Pfützen und Autos reflektieren die gesamte Umgebung inklusive der fahrenden Autos und Fußgänger. Bei all dieser digitalen Pracht sieht man zudem keine Qualitätsstufen beim rein- und rauszoomen. Kein Baum ploppt plötzlich aus dem Nichts auf. Jeder Kieselstein behält seinen Detailreichtum selbst aus geringer und großer Entfernung bei.

Screenshot aus dem Spiel Kingdom Hearts III in der „Toy Story“-Welt mit Unreal Engine 4

Endlich: Toy Story wurde optisch überholt

Vor 26 Jahren erschien Toy Story, der erste abendfüllende Spielfilm aus dem Computer. Für jedes einzelne (!) Bild durften die Computer bis zu 30 Stunden Zeit lassen. In einem Videospiel sind das bei 60 Bildern pro Sekunde gerade mal 16 Millisekunden. Wenn das Spiel mit 30 FPS läuft, sind auch nur 33 ms. Dabei verbraucht nicht nur die Grafik selber, sondern auch die eigentliche Spiellogik wertvolle Rechenzeit. Hinzukommen physikalische Berechnungen für Haare, Stoff oder Deformationen und Berechnung und Verfolgung von Lichtstrahlen oder auch Ray-Tracing. Als Letztes müssen noch Filter wie „Motion Blur“ berechnet werden. Wenn die Berechnung länger dauert oder inkonsistent abläuft, stockt die Grafik und wir nehmen das als Ruckeln wahr. Auch die Matrix Demo liegt öfters über ihrem Renderbudget für jeden Frame. Glücklicherweise greift zumindest auf der Xbox Series mit einem modernen Fernseher (kaufen) der Standard VRR (ähnlich wie FreeSync/GSync). Dabei wird der Bildschirm nicht konstant mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde aktualisiert, sondern dann, wenn ein Bild berechnet wird. Dadurch nimmt man die Fluktuation zwischen 40 und 120 FPS nicht so stark wahr.

Megacity bei Nacht sieht ebenso beeindruckend aus.

Wie hängt die Unreal Demo Matrix Awakens mit dem Film Matrix 4 Resurrections zusammen?

SPOILER: In dem Film existiert ein Videospiel namens „Matrix“. Thomas Anderson bzw. Neo entwickelt in der Handlung von Matrix 4 dieses Spiel mit der Handlung von der Matrix Trilogie. Im neuen Film sieht man, wie nah die Entwickler von Epic Games und The Coalition an der Ästhetik der fiktiven Stadt in Matrix Awakens gekommen sind. Ich persönlich fand die Metaebene des neuen Film richtig gut. Deswegen bilde ich mir ein, dass die Unreal Demo das Spiel verkörpert, dass Neo im Film entwickelt hat.

Mit 2005 lag ich noch daneben

Ich habe mit meiner Schätzung im Jahr 2005 danebengelegen. In meinem Artikel „Das Auge spielt mit“ hatte ich Spielgrafik besser als in dem Renderfilm Animatrix für das Jahr 2015 vorhergesagt. Erst im Jahre 2020 wurde das für Comic-Grafik mit Final Fantasy 7 Remake und Hellblade für meinen Geschmack schon erreicht. Die Matrix Unreal Engine 5 Demo ist nun weit darüber hinaus geschossen. Die Stadt selber sieht aus wie einem echten Film. Aber um echten Darstellern nicht mehr von Echtzeitgrafik unterscheiden zu können, brauchen wir sicherlich noch weitere 15 Jahre bis 2036. Aber vorher dürfen wir uns auf weitere Spiele mit der Unreal 5 Engine freuen wie Hellblade 2, Bioshock 4 oder Echoes of the End.

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