Dieser Artikel ist spoilerfrei™. Die Handlung spielt im Jahr 1912. Du spielst Booker DeWitt, der eine nicht näher genannte Schuld begleichen muss, die nur aufgeboben wenn kann, wenn er ein Mädchen Elizabeth aus Columbia zurückbringt. Diese fliegende Insel wird von einem Fanatiker namens Comstock regiert, der sein… bla bla bla … aber das ist auch völlig egal, denn auch die Einführung soll man gefälligst selber erleben und sich nicht in Blogs anlesen! Denn um es kurz zu machen: der dritte Teil der BioShock-Serie ist das Spiel, auf das wir gewartet haben.

Schon der Anfang des Spiel ist absolut fantastisch inszeniert und stellt für sich schon ein Kunstwerk dar. Man fühlt sich sofort wie bei einem Besuch im Disneyland. Alles ist voller Details, bunt und detailliert. Die Soundkulisse erfreut jeden Spieler, der seine Konsole an eine Surround-Anlage angeschlossen hat. Kirchenglocken und alte Hits der The Beach Boys schallen aus allen verfügbaren Lautsprechern. Es ist zu Anfang klar: in dieses Spiel ist sehr viel Manpower bei der Gestaltung geflossen und jetzt schon ein zeitloser Klassiker.

Elizabeth

Elizabeth ist anders

Sidekicks in Videospielen nerven. Man hat das Gefühl, dass man mit einem gehirnamputierten Wesen interagiert, dass bemuttert werden muss wie ein Kleinkind. Egal ob es die Umsetzung beim genialen ICO oder bei Enslaved ist: Irgendwann wünscht man sich einfach nur noch das Abenteuer alleine durchzuiehen zu können. Elizabeth ist anders. Nachdem wir sie gefunden haben, läuft gerne mal vorweg, öffnet Türen und findet Geld und Munition für uns. Auch während eines Kampfes versteckt sie sich glaubwürdig am Rande des Geschenhens und flippt realistischerweise völlig aus, nachdem wir zum ersten Mal gezwungen waren, ein paar Menschen zu töten.

Ihre Mimick und Bewegungen sind so vielfältig und glaubwürdig, dass man sie schnell als vollwerigen Partner ins Herz schließt. Manchmal erwischt man sie dabei, wie sie  Zuckerwatte auf einem Jahrmarkt kauft und danach mit sich rumträg. Je nach ihrer aktuellen Gemütslage von »Du Monster! Wieso bringst Du grundlos Menschen um?!« bis hin zu »Hurra, wir fliegen nach Paris!« ändert sich ihr Verhalten glaubwürdig. Dagegen ist Alyx Vance aus Half-Life 2 ein schlecher Witz.

Das man ihr Verhalten als menschlich akzeptiert, liegt in meinen Augen auch an ihrer visuellen Gestaltung. Es wird nich der Ansatz verfolgt sie realistisch auszusehen zu lassen sondern ihr und allen anderen Figuren haftet ein fast comichafter Look an. Der Stil erinnerte mich zudem sehr  an den der Protagonistin aus Beyond Good & Evil.

Damit wird der Effekt des Uncanny Valley gekonnt umschifft. Selten ist mir eine fiktive Videospielfigur so sehr an Herz gewachsen. Viel meiner Motivation beim Spielem entstand aus dem Wunsch herraus zu entdecken, was als nächstes mit ihr passieren wird. Man nimmt ihr die »Rolle« einfach ab.

bsi-stroy

Besser als die meisten Filme

Manche Spiele haben eine gute Story, die wirklich fesseln kann. Red Dead Redemption zum Beispiel oder auch Devil May Cry und natürlich The Walking Dead. Aber keines dieser Titel könnte man in einem Kinosaal vorführen und die Leute würden nicht reihenweise nach ein paar Minuten aufstehen und gehen. Bei BioShock Infinite ist dies zumindest in den ersten zwei Stunden und der gesamte Schluss nicht der Fall. Der Detailgrad der Welt, die transportierte Stimmung und die direkte Erzählweise mit enormen Spannungsbogen drückt einen förmlich in den heimischen Fernsehsessel.

Die Erfahrung die man dabei hat, ist definitiv gleich auf mit einem sehr guten Film. Immer wenn ich dacht, dass jetzt mal genug geballert worden ist, kommt auch schon die nächste Wendung in der Geschichte. Da man bei einem Spiel eine viel tiefere Bindung zu den Figuren aufbauen kann als bei einem passiven Medium wie dem Film, erlebt man hier großes emotionales Kino. Und es sieht einfach atemberaubend schön aus.

Die Details sind unglaublich.
Die Details sind unglaublich.

Nur ein Egoshooter

Eine Kritik, die ich öfters in einigen Meinungen zum Spiel gelesen habe, ist der Vorwurf, dass die Spielmechanik an sich belanglos und streckenweise eintönig und inspiriert wirkt. „Man hätte ein Rollenspiel daraus machen sollen“ habe ich auch irgendwo lesen müssen. Ja, auch bei BioShock Infinite kommt manchmal der Moment, in dem man am liebsten die Kämpfe überspringen möchte. Aber nur weil es so spannend ist! Aber sie machen verdammt noch mal Spaß.

Zu dem abwechslungsreichen Waffenarsenal mit Sniper, Pistole und Raktenwerfen gesellen sich die sogenannten Virgors, die im Prinzip das Pendant zu den Plasmiden aus BioShock Teil 1 und 2 sind. Man setzt damit die Feinde zum Beispiel unter Strom, während sie in einer Wasserlache stehen – nur um sie währenddessen mit Blei vollzupumpen. Ich habe BioShock 1 beim dritten Durchspielen auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchgespielt weil mir die Spielmechanik so viel Spaß gemacht hat. Hier wird es genau sein. Wem die Spielmechanik keinen Spaß macht, der hat die Komplexität dahinter meiner Ansicht leider nicht verstanden. 

Der Wechsel zwischen Story- und brutalen Shooterelementen trägt in meinen Augen sehr zur Atmosphäre bei. Würde man daraus ein RPG oder gar ein Point’n’Click Adventure machen, so würde das Storykonzept nicht mehr aufgehen. Der erhöhte Brutalitätsfaktor gehört einfach dazu und kann in meinem Augen auch nicht einfach rausoperiert. werden.

Ja, es ist ein Shooter. Aber was für einer!
Ja, es ist ein Shooter. Aber was für einer!

And we gonna party like its 19…

Nach dem Durchspielen erwartet den Spieler dann der 1999 Modus. Das heißt: Höchster Schwierigkeitsgrad, ziemlich fiese Checkpoints und bei jedem Ableben wird uns Geld abgezogen, sodass wir nur eine begrenzte Anzahl von »Leben« haben. Natürlich kommen einem da sofort Vergleiche mit Spielen Super Meat Boy oder dem brillianten Dark Souls in den Sinn. Aber leider wirkt der Modus bei BioShock im wahrsten Sinne des Wortes aufgesetzt. Die Idee ist nett aber im Prinzip hat BioShock Infinite das gar nicht nötig gehabt. Man stirbt im gesunden Maße schon auf dem mittleren Schwierigkeitgrad oft genug.

Nicht lesen sondern spielen!

In den mir bekannten Foren ist mal wieder die Hölle los und alle Leute meinen, sie hätten nichts besseren zu tun als das Haar in der Suppe bei diesem Spiel zu suchen. Es ist mir ein Rätsel, wie man es übers Herz bringen kann, ein solches Spiel überhaupt kritisieren zu wollen. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Fachpresse insgesamt einig ist und es schon jetzt das Spiel mit der höchsten Wertung in diesem Jahr darstellt. Alleine für die ersten 60 Minuten kann man jedem Menschen auf der Welt ein Joypad in die Hand drücken und er wird danach nur »Ich will weiterspielen!« sagen.

Die Story ist nicht nur spannend sondern an Querverweisen und Tragweite kaum zu überbieten. Nach dem der Abspann durchgerollt ist, stellt man sich erstmal an Fenster und weiß, dass man so etwas wundervolles wahrscheinlich nur sehr selten in einem Videospiel erleben wird. Wenn man offen auf das Spiel zugeht und sich nicht lange vorher irgendwelche Reviews und Kritiken durchgelesen hat, dann erwartet den Spieler das bisher bestinszenierte digitale Produkt, was es bis zum heutigen Tage gibt. Was machst Du also noch hier und liest diesen Artikel?

Spoiler Alarm: Ich habe die Timeline von Bioshock Infinite als Infografik umgesetzt . Wer das Spiel noch nicht durchgespielt hat, sollte das meiden!

BioShock Infinite: Die Glaubhaftigkeit der Story und Personen sucht ihresgleichen. Ein sehr guter Shooter mit unterschiedlichen aber interessanten Mechaniken macht Spaß bis zur letzten Minute. Die Stadt Columbia und die Protagonistin Elizabeth sind zusammen für mich genug Motivation gewesen, das Spiel innerhalb von drei Tagen durchzuspielen. Bei beiden entdeckt man selbst beim zweiten Durchgang noch neue Aspekte und Details. Und die Handlung ist für ein Videospiel absolut fantastisch. Die Auflösung der Story ist vielleicht das Beste, was ein Videospiel bis dato erreichen konnte.Marc
9
von 10
2013-04-03T16:26:00+0200

Beteilige dich an der Unterhaltung

55 Kommentare

  1. Bioshock Infinite ist overhyped.

    Ich hab jetzt einige Stunden ins Spiel gesteckt, bin jetzt in der Hall of Heroes. Und klar … das Ding ist hübsch, Elizabeth ist überzeugend umgesetzt und alles ist fein. Zweifelsohne ein gutes Spiel, aber bei weitem nicht perfekt.

    Trotzdem laufe ich wieder einmal mit ner Knifte durch die Welt, schieße Leute tot, meine Handlungen haben absolut null Einfluss auf die Spielwelt, ich kann kaum etwas entdecken (mit Ausnahme von irgendwelchen Nebenräumen etc.), ich habe keine Unterhaltungen oder Beziehungen zu irgendwelchen NPCs, ich renne durch irgendwelche mehr oder weniger großen Korridore … das ödet mich an.

    Klar, das ist ein wenig als ob ich mich bei nem Musical darüber aufrege, dass so viel gesungen wird – Bioshock ist halt ein Shooter. Aber gerade weil es in manchen Teilen so überzeugt bin ich enttäuscht, dass es im Endeffekt wieder so ein spielerischer kleinster gemeinsamer Nenner ist.

    Ich will mehr – ich will Stories, die ich beeinflusse, ich will eine Welt entdecken, ich will alternative Konfliktlösungen, ich will mit der Spielwelt mit mehr als nur einem Gewehr interagieren. Ich hätte gern Videospiele für Erwachsene.

    Gestern habe ich wieder mal gespielt und dabei gedacht: „Hey, die Story ist toll, ich bin neugierig wie es weitergeht.“ Und war dann vom Geschieße genervt, hätte das viel lieber als Film oder Miniserie verfolgt.

    Was sagt das über das Spiel aus?

    1. Ich kann dir, ohne massiv zu spoilern, nicht erklären, was es mit den Entscheidungen bei BSI auf sich hat. Zweitens: stell den Schwierigkeitsgrad hoch. Dann hörst du automatisch auf zu ballern und kombinierst die Vigors und erlebst ein abwechslungsreiches Gameplay. Das Spiel ist nix für Nintendospieler oder Kiddies. Es ist dazu da, auf hohen Schwierigkeitsgraden gespielt zu werden.

      Spiel es erstmal durch. Ohne das Gesamtpaket gesehen zu haben, kann man imho keine Aussage zu BSI treffen.

      Und: Spiele sind Spiele und keine Filme. Wenn man gute Stories will, dann liest man Bücher oder guckt Filme. Bioshock Infinite ist ein Shooter. Das macht einem entweder Spass oder nicht. Sonst muss man eben Walking Dead oder Skyrim spielen.

    2. Spiel es erstmal durch. Ohne das Gesamtpaket gesehen zu haben, kann man imho keine Aussage zu BSI treffen.

      Ein gutes Spiel muss ab der ersten Minute überzeugen und nicht erst am Schluss. Was soll es wenn man 10 Stunden lang angeödet durch die Gegend rennt um am Schluss ein gut gemachtes überraschendes Ende zu erleben? Dasselbe mit Mass Effect, einfach umgekehrt. Dort ist bis auf das Ende alles gut. Ein wirklich gutes Spiel mit 90% Bewertung und darüber darf sich in keiner Minute ein Aussetzer bzg. Qualität erlauben. Das zeichnet genau ein hervorragendes Spiel aus.

    3. Und: Spiele sind Spiele und keine Filme. Wenn man gute Stories will, dann liest man Bücher oder guckt Filme. Bioshock Infinite ist ein Shooter. Das macht einem entweder Spass oder nicht. Sonst muss man eben Walking Dead oder Skyrim spielen.

      Ich sehe das ein wenig anders, was die Story angeht. Auch Filme und Bücher können eine weitaus schlechtere Story haben als ein Spiel. BS: Infinite kann gerade durch die gute Story punkten, auch wenn es „nur“ ein (wenn auch sehr guter) Shooter ist. Walking Dead hatte vom reinen Gameplay oder der Grafik OHNE gute Story auch keine Bäume ausgerissen. Und vor kurzem habe ich mich dank der wirklichen guten Story durch das GoT-RPG „gequält“, obwohl das Gameplay auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Es gibt bestimmt etliche dieser Beispiele, aber das soll an dieser Stelle einfach auch reichen :)

    4. Und noch zu Andy: Bioshock Infinite ist kein Rollenspiel. Es ist ein guter Shooter in einer sehr guten Welt und einer genialen Story. Mehr nicht. Und auch nicht weniger.

    5. Ich finde allerdings auch, dass der Shooterpart von BioShock Infinite extrem öde war.
      Sei es nun auf schwer oder einfach, die meiste Zeit wird man in Arenenkämpfe geworfen die sich nicht nur, aber vorallem gegen Ende wie Lückenfüller ala „Es muss schließlich ein Spiel bleiben“ anfühlen.
      Jeder Kampf war für mich einfach nur nervend, selten waren meine Gegner bedeutend.
      BS 1 war da anders, jeder Gegner hat Angst ausgelöst, jeder Schritt in einen neuen Bereich war mit Vorsicht verbunden.
      Bei BSI dachte ich oft „bitte jetzt her mit der Story, keine Kämpfe mehr!“
      Die Story war wirklich geil, darum bin ich auch auf diesen Artikel gestoßen aber zu sagen das es ein spielerisch guter Shooter ist, halte ich für fragwürdig.
      Letztendlich hab ich es aufgrund der Geschichte weitergespielt und das war es auch Wert. Es ist ein super Spiel!

    6. Ich bin auch niemand der auf hohem Niveau meckert. Ich unterstütze liebend gerne Spiele die sich etwas trauen.

      Aber BioShock Infinite hat mir über die Strecken an denen man kämpft einfach keinen Spaß bereitet! wirklich keinen Spaß. Und das sollte doch bei einem Spiel nicht sein.
      Das meine ich jetzt nicht im Vergleich zu der spannenden Story sonder wirklich so wie ich es sage.

      Egal wie gut die Story ist und wie sehr ich das Spiel liebe und anerkenne, der Shooterpart macht mir keinen Spaß. Und diese Meinung halte ich für „respektierbar“

    7. Wie gesagt, anderen Leuten hat der Shooter-Part viel Spaß gemacht. Mir eingeschlossen. Ich habe auch BioShock 1 auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchgespielt. Nur weil es so viel Spaß gemacht hat.

  2. Das neue Bioshock versagt atmosphäretechnisch immer noch komplett gegen ein 14 Jahre altes System Shock 2.

    1. Sehe ich absolut anders. Wenn man sehr viel Nostalgiegefühle mit SS2 verbindet ja aber objektiv ist BioShock Infinite das deutlich stimmungsvollere Spiel. Vielleicht das stimmungsvollste Spiel überhaupt bis jetzt.

    2. Also ich fand Rapture von Teil 1 glaubwürdiger und atmosphärisch interessanter.

    3. Bis auf den Endboss (der fliegende Gigant) ja, meines Wissens schon. Mir hat bis jetzt das erste Bioshock am besten gefallen. Teil 2 hätte man sich sparen können.

    4. Und was soll das an all den Stunden die man vorher in der Welt verbracht hat ändern?

    5. Soll ich spoilern? Lies mal die zweite Seite dieses Artikels. War übrigens 2013 die meistgelesene Seite auf MarcTV. Mit Sicherheit nicht ohne Grund.

    6. Also weil ich nochmals durch dieselbe Pampa nochmals durch rennen darf mit geänderter Story soll das etwas besser machen? Das ist doch ein alter Hut. Recycling von Level Abschnitten dieser Art finde ich etwas schlimmes. Ebenso ein Beispiel das mir sauer aufgestossen ist, ist Dragon Age 2. Da läuft man immer wieder dieselben langweiligen Abschnitte der Stadt ab, einfach mit anderem Auftrag.

    7. Naja, wenn Du Shooter nicht magst, dann spiel sie nicht. Mir hat das Gameplay an sich so viel Spaß gemacht, dass ich das Backtracking nicht negativ wahrgenommen habe. Das Ende ändert aber trotzdem viel. Wenn Du nicht vorhast es zu spielen, dann guck dir die zweite Seite des Artikels an.

  3. Der erste DLC „Clash in the Clouds“ ist eine Art Horde Mode. Der zweite und dritte wird wieder in Rapture spielen und heißt: Burial at the Sea

  4. „Burial at Sea Teil 1“ ist übrigens am Anfang und am Ende super. In der Mitte wäre ich fast eingepennt.

  5. Ich habe im Nachhinein die Wertung mal nach unten korrigiert. Die Story ist super aber spielerisch ist es nicht besser als die anderen Spiele, die ich mit gleichen Wertungen bewertet habe. Es leben das Internet.

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