Vorurteile über die Generationen sind die neuen Horoskope


Generationsvorurteile wie Horoskope

Ich höre öfter Sätze wie „Das ist so typisch für Generation Z!„. Manchmal sind es auch die Millennials, die Babyboomer oder Generation Alpha. Das sind am Ende eigentlich nur Namen für unterschiedliche Altersgruppen. Beispiele sind bei der Generation Z ihre Arbeitsmoral und die Speisekartenangst. Oder sind dies Vorurteile wie bei Horoskopen aus den 90er-Jahren? Oder anders: Wenn den Generation Alpha, wie meine siebenjährigen Kinder, genau alt ist wie ich heute, denken sie dann anders als ich in diesem Moment?

„Go ahead and talk shit
Talk shit about me
And go ahead and talk shit
About my g-g-generation“

Limp Bizkit – My Generation

Welche Generationen gibt es und was sind die Vorurteile?

Dafür habe ich hier mal alle Generationen mit ihren Vorurteilen aufgelistet:

Babyboomer (Geboren 1946–1964)

  • Nachkriegs-Aufschwung: Aufgewachsen in einer Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und Optimismus.
  • Traditionelle Werte: Geprägt von traditionellen Werten und einem starken Arbeitsethos.
  • Karrierestreben: Neigung zu langfristigen Karrieren beim selben Arbeitgeber.

Generation X (Geboren Mitte 1960er – Anfang 1980er)

  • Brückengeneration: Erlebte den Übergang von einer analogen zu einer digitalen Welt.
  • Selbstständigkeit und Skeptizismus: Unabhängig, anpassungsfähig und skeptisch gegenüber Autoritäten.
  • Work-Life-Balance: Streben nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben.

Generation Y / Millennials (Geboren Anfang 1980er – Mitte 1990er)

  • Technologie-Übergang: Zeugen des digitalen Wandels, vertraut mit sowohl traditionellen als auch digitalen Medien.
  • Sinn und Flexibilität: Wert auf Work-Life-Balance und sinnvolle Arbeit.
  • Höchste Bildung: Am besten ausgebildete Generation bis dahin.

Generation Z (Geboren Mitte 1990er – Anfang 2010er)

  • Digital Natives: Vollständig in einer digitalen Welt aufgewachsen.
  • Werte: Legen großen Wert auf Individualität, Diversität und Nachhaltigkeit.
  • Flexible Arbeitsmodelle: Bevorzugen sinnhafte Jobs mit Flexibilität und persönlicher Erfüllung.

Wenn ich das auf mich selbst beziehe, dann bin ich zwischen Generation X und den Millennials. Hilft mir auch nicht wirklich weiter. Denn gefühlt würde ich mich von meinen Werten eher der Gen Z zuordnen.

Eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Ich habe ich das Gefühl, dass diese Vorurteile Ausreden für ein bequemes Verhalten sind. Die Gen Z hat keinen Bock auf harte Arbeit? Super, dann ist das ja gerechtfertigt. Boomer sind technologisch und kulturell nicht auf der Höhe der Zeit? Okay, dann ruht man sich darauf aus. Allerdings kenne ich sehr viele Ausnahmen von diesen Vorurteilen in meinem Umfeld. Zumal das mit der fehlenden Arbeitsmoral der Generation Z laut einer Studie nicht stimmt.

Wir sind alle unterschiedlich

Letztlich sind wir Individuen. Unser Verhalten werden nicht in erster Linie durch die Generationen oder andere Eingruppierungen wie Geschlechter definiert.

„Die Unterschiede zwischen Individuen sind größer als die zwischen Gruppen.“

aus: Was uns unterscheidet, was uns verbindet

Diese Aussage kommt aus der Psychologe und wurde netterweise durch _ben in den Kommentaren erläutert. Er erklärt das bei sich im Blog viel besser als ich es hier redundant könnte.

Horoskope: Vage und interpretierbare Aussagen

Meiner Ansicht nach verhält es sich wie mit Horoskopen: Sie nutzen den Barnum-Effekt (Forer-Effekt). Dies ist die Tendenz von Menschen, vage und allgemeine Aussagen als zutreffend für sich zu akzeptieren. Horoskope nutzen diese Neigung, indem sie Beschreibungen verwenden, die auf viele Menschen zutreffen könnten. Ebenso beziehen Horoskope sich häufig auf universelle menschliche Erfahrungen wie Herausforderungen in Beziehungen, Schwierigkeiten bei der Arbeit oder Glück in der Liebe: genauso wie die Generationsdefinitionen. Denn sind wir nicht alle ein bisschen Generation Z oder Boomer? Oder ist es typisch für jemanden aus der Generation X solche Artikel hier zu schreiben?


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Kommentare

2 Antworten zu „Vorurteile über die Generationen sind die neuen Horoskope“

  1. Avatar von ben_
    ben_

    Oh nein, Marc, sag doch sowas nicht! Was soll ich denn ohne all die tröstenden Gen-X-Memes nur machen?!

    Aber im Ernst …

    1. Das mit der Arbeitsmoral ist Quatsch. Gabs neulich beim Deutschlandfunk eine Gegenstudie zu.

    2. Was ich lustig finde, ist, dass beides, Horoskope und Generation am Geburtstag festgemacht werden. Das spricht sehr für Deine Sicht.

    3. Anders als bei Horoskopen gibt es aber tatsächlich ja gute Gründe, warum sich Menschen aus einer bestimmte Generation ähnlich verhalten sollen: Sie teilen alle sehr viele Erfahrungen, politische, gesellschaftliche und v.a. kulturelle und ganz allgemein einen Eindruck von der Welt. Ich finde das schon sehr plausibel.

    4. Am Ende würde ich Dir aber in der Tat eher zustimmen, denn wie ich von Jan gelernt habe: „Die Unterschiede zwischen Individuen sind grösser als die zwischen Gruppen.„

    1. Avatar von Marc
      Marc

      Hi _ben,

      ich komme mir etwas vor, wie zu der Zeit als du meine MA-Arbeit gegengelesen hast. Vorher zusammen Kaffee holen im Zeit-Gebäude und Textretro.

      1. Danke. Habe ich in den Artikel übernommen, weil eines meiner Plugins nach 4 Wochen die Links aus den Kommentaren nicht mehr darstellt. Wegen Spam.

      2. Oh, stimmt! Das muss auch rein! Danke.

      3. Ja. Natürlich stimme ich dem zu. Eine steile These™ macht den Sachverhalt allerdings auch für mich greifbarer. Aber eventuell ist der folgende Punkt der Schlüssel und die Antwort auf die Frage im Artikel:

      4. Wow. Kannte ich bisher nicht. Auch super. Das sorgt dann bei mir auch für Demut gegenüber möglichen Vorurteilen wie „Alle XY sind Z“. Und dann gibt es Ausreißer einer Gruppe oder eben Generation, die man eventuell selbst kennt. Aber die ganze Generation ist dann zumindest tendenziell schon entsprechend einiger ihrer Vorurteile. Aber eben nicht aller. Ich bringe das mal mit rein. Danke, Danke!

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