Ich wollte seit langer Zeit wegen den geringen Kosten einen Minecraft Server 1.15 auf dem neuen Raspberry Pi 4 mit 4GB (günstig kaufen) installieren. So ein Server muss dauerhaft stabil 24/7 laufen, damit man damit echt Spaß haben kann. Deswegen habe ich dieses Tutorial geschrieben, in dem genau dieses Endziel beschrieben wird. Der Server ist für die JAVA-Version von Minecraft.

Unsere Minecraft-Welt ist mittlerweile stolze 150 MB groß und hat seit ihrem Debüt auf der XBOX 360 bis heute überlebt. Aus diesem Grund möchte ich ab und zu ohne viel Konfiguration oder Geld zu bezahlen die Welt weiter gestalten.

Nur für JAVA-PC Version von Minecraft geeignet

Wer den Server für die XBOX, PlayStation 4, iOS und Android Version aufsetzen möchte, der nutzt meine Anleitung für einen Minecraft Bedrock-Server. Diese Version für den Raspberry Pi in diesem Artikel funktioniert nur für die JAVA-Version von Minecraft für Mac und PC.

Der Spigot-Fork „Paper“ dient als Grundlage

In diesem Artikel beschreibe ich wie man auf de Pi den Minecraft Server Paper als „headless server“ stabil betreibt. Das heißt, der Pi kann irgendwo in der Nähe des Routers ohne Maus und Tastatur betrieben werden.

Paper ist ein auf Geschwindigkeit optimierter Fork des Spigot Minecraft-Servers, die darauf abzielt, Gameplay und mechanische Inkonsistenzen zu beheben und die Leistung zu verbessern. Ohne Paper könnten wir den Minecraft-Server nicht performant auf dem Pi betreiben. Paper funktioniert genau so wie ein ein normaler Minecraft-Server mit der jeweils aktuellen Version von Minecraft.

Welche Hardware benötigt man?

  1. Einen Raspberry Pi 4 mit 4GB RAM – günstig kaufen
  2. Ein USB-C Netzteil für den Pi4 – nicht sparen!
  3. Eine schnelle (!) microSD Karteauch nicht sparen!
  4. Ein schönes Gehäuse für den Pi4 – günstig kaufen
  5. Ggf. ein Synology NAS für Backups – kaufen

Welche Software wird benötigt?

  1. Raspbian Buster Lite (Betriebssystem für den Pi)
  2. etcher (Tool zum Schreiben von SD Karten)
  3. Die Shell (beim Mac dabei) oder PuTTY für Windows.

Schreiben der MicroSD Karte und SSH aktivieren

  1. Schreibt mit etcher die img-Datei von Raspbian Buster Lite auf die SD-Karte.
  2. Legt eine leere Datei namens ssh per Computer auf die SD Karte in der Partition „boot“. Das aktiviert den SSH Zugang.
  3. Die MicroSD Karte in den Pi einstecken und diesen per Netzwerkkabel ins lokale Netzwerk hängen. Den Pi an den Strom anschließen.

Login per SSH

Per Shell oder Putty mit SSH auf den Pi wechseln. Die IP des Pi sieht ihr in eurem Router unter Netzwerkgeräte oder ihr verwendet raspberrypi als Hostname. Das Passwort lautet „raspberry“. Wenn das geklappt hat, dann haben wir den schwierigsten Teil hinter uns gelassen. Beispiel mit meiner IP:

ssh pi@raspberrypi

Falls es hier ein Problem gibt, probiert es mit der IP-Adresse statt dem Hostnamen raspberrypi. Wenn es dann immernoch Probleme gibt, habt ihr entweder vergessen, SSH zu aktivieren oder das Netzwerkkabel steht nicht drin oder hat keine Verbindung.

Konfiguration von Rasperian

Mit dem folgenden Befehl startet ihr das Rasperian Konfigurationstool. Dort unter Interfacing Options kann man unter SSH den Zugang aktivieren.

sudo raspi-config

Nun setzen wir die korrekte Zeitzone. Das ist wichtig für die cronjobs:

sudo dpkg-reconfigure tzdata

Installation Paper

Für die einfache Installation hat James A. Chambers ein Script geschrieben, das uns diesen Schritt enorm erleichtert. Das wird mit wget von github gezogen, mit Schreibrechten versehen und dann ausgeführt. Das Script installiert Java 9 und den aktuellen Paper Minecraft Server. Ausgeführt wird es nun in drei Schritten. Jeder Schritt ist jeweils eine Zeile auf der Kommandozeile.

wget -O SetupMinecraft.sh https://raw.githubusercontent.com/mtoensing/RaspberryPiMinecraft/master/SetupMinecraft.sh

chmod +x SetupMinecraft.sh

./SetupMinecraft.sh

Starten und Optimieren des Servers

Der Server kann nun direkt gestartet werden. Das Script dasfür liegt im Verzeichnis ~/minecraft Erreichbar ist der Minecraft Server nun unter der IP-Adresse des Raspberry Pi.

Achtung: Bitte einmal den Server starten damit die Konfigurationsdateien geschrieben werden, die wir im nächsten Schritt editieren.

cd ~/minecraft
./start.sh

Zusätzlichen weisen wir mehr Speicher von der GPU dem Server zu. Schließlich haben wir bei diesem Projekt keinerlei grafische Ausgabe. Die System-Konfigurationsdatei editiert man mit nano:

sudo nano /boot/config.txt

Diese Zeilen kommen ganz ans Ende dieser Datei:

gpu_mem=16

Minecraft Server konfigurieren

Es gibt eine Datei in ~/minecraft/server.properties Dort habe ich vorerst die Anzahl der Spieler auf 3 gesetzt und die Whiteliste eingeschaltet. Wenn ihr auf die Kommandozeile des Servers wollt, dann geht das der über die mit start.sh gestartete screen-Session.

Dort kann man dann die whitelist verwalten oder die Tageszeit auf dem Server beeinflussen. Mit dem Befehl timings report seht ihr detaillierte Metriken zur Auslastung des Servers. Mit STRG+A und dann STRG-D verlässt man den Screen dann wieder.

screen -r minecraft
Internet Port Freigabe am Gerät „NAS“ in der FritzBox mit MyFritz

Freigeben des Servers über das Internet

Ich nutze eine Fritzbox. Dort kann man unter den Einstellungen Internet > MyFritz-Konto eine Adresse einrichten, über die man die Fritzbox außerhalb des eigenen Netzwerks erreichen kann.

Unter Internet > Freigaben > Gerät für Freigaben hinzufügen > [Gerät auswählen] > Neue Freigabe > MyFritz Freigabe > Andere Anwendung und dort den Port „25565“ freigeben.

Die MyFritz-URL ist dann die Server-Adresse, die man in Minecraft einträgt. (z.B. qbnsepjzhd8cvzk7y.myfritz.net)

Automatischer Start beim Neustart

Über die crontab kann man nicht nur den Pi und somit den Minecraft-Server  regelmäßig neustarten sondern ebenfalls reboot den Minecraft Server starten. Dafür einfach den  Inhalt der Datei crontab in die Cron Tabelle kopieren. Der Befehl zum editieren der crontab lautet:

crontab -e

Kleine Maps laufen performant auf dem Raspberry Pi 4 mit 4GB

Serverneustart nach 12 Stunden (optional)

Meine Erfahrung mit Minecraft Servern ist, dass man sie zur Sicherheit regelmäßig sauber neustartet. Dabei werden alle Daten im Arbeitsspeicher auf die SD Karte geschrieben und gehen bei einem Absturz nicht verloren. Ich bin dann so weit gegangen, dass sich erst der Paper Server runterfährt und dann der Pi komplett neugestartet wird.

Mein Repository auf GitHub enthält den letzten stabilen Stand.

Konfiguration Samba-Server für Backups (optional)

In Kurzform: Über Samba wird das Verzeichnis ~/minecraft/world im Netzwerk freigegeben. Danach kann das Verzeichnis im Synology NAS gemountet werden. Auf diesem Weg kann ein Task nächtlich die Inhalte in ein Verzeichnis kopieren, das über Cloud Sync mit der Dropbox verbunden ist.

Mit dem letzten Befehl editiert man die Samba Konfiguration. Der Eintrag „read only“ muss von „yes“ auf „no“ gesetzt werden. Dann hat man die Möglichkeit über das Netzwerk alle relevanten Dateien auf dem Pi direkt zu bearbeiten ohne sich mit SSH anmelden zu müssen.

sudo apt install samba

sudo smbpasswd -a pi

# Editieren der Samba config. Was genau editiert werden muss, steht unten.
sudo nano /etc/samba/smb.conf

# Neustarten von Samba damit die Einstellungen übernommen werden.
sudo service smbd restart && sudo service nmbd restart

Hier der Inhalt meiner smb.conf

[homes]
   comment = Home Directories
   browseable = no

# By default, the home directories are exported read-only. Change the
# next parameter to 'no' if you want to be able to write to them.
   read only = no
Dies ist nur ein minimaler Ausschnitt der Karte. Gerendert mit Overviewer.

Leistung des Server optimieren

Bei mir erschien seit Minecraft 1.15 anfangs sehr oft diese Meldung in den Logs:

Can't keep up! Is the server overloaded? Running 5190ms or 103 ticks behind

Teilweise kam diese sogar nur wenige Sekunden nach dem Start einer neuen Karte. Bei mir hat das Plugin LimitPillagers (Download) wahre Wunder gewirkt. Damit habe ich alle Pillager entfernt und danach limitiert. Die Meldung habe ich so nie wieder gesehen.

Der einfachste Weg Plugins zu installieren, ist über SAMBA (SMB). Damit kann man mit dem Windows Explorer oder MacOS Finder direkt auf dem Pi Dateien verwalten. Die Einrichtung ist oben beschrieben. Im Verzeichnis „~/minecraft“ läd man das Plugin in Form der JAR-Datei in das „plugins“-Verzeichnis legen. Den Server dann neustarten. Danach befindet sich zusätzlich eine config-Datei in dem Plugin-Verzeichnis in dem man das Plugin konfigurieren kann. Ich habe bei den Holzhammer benutzt und alle Pillager entfernt.

Java-Parameter einstellen

Wer einen Raspberry Pi 4 mit mehr als 1GB besitzt, kann mit den beiden Parametern „Xms“ und „Xmx“ setzen. Diese setzt man in der Datei ~/minecraft/start.sh in der letzten Zeile. Mein Raspberry Pi 4 mit 4GB Arbeitsspeicher nutzt mit folgenden Werten seinen Speicher besser aus:

/usr/bin/screen -dmS minecraft /usr/bin/java -jar  -Xms2400M -Xmx2400M /home/pi/minecraft/paperclip.jar

Diese Werte sind in der aktuellen Version bereits gesetzt. Wer noch weiter gehen will, kann zusätzliche diese Parameter nutzen:

/usr/bin/screen -dmS minecraft /usr/bin/java -jar  -Xms2400M -Xmx2400M -XX:+UseG1GC -XX:+UnlockExperimentalVMOptions -XX:MaxGCPauseMillis=100 -XX:+DisableExplicitGC -XX:TargetSurvivorRatio=90 -XX:G1NewSizePercent=50 -XX:G1MaxNewSizePercent=80 -XX:G1MixedGCLiveThresholdPercent=35 -XX:+AlwaysPreTouch -XX:+ParallelRefProcEnabled -Dusing.aikars.flags=mcflags.emc.gs /home/pi/minecraft/paperclip.jar

Die Bedeutung der einzelnen Parameter wird bei Aikar.co erklärt.

Der Bedrock-Server braucht deutlich weniger Leistung als der Paper-Java-Server

Wie hoch ist die CPU-Last?

Während der Bedrock-Server sehr genügsam ist und selten über 5% CPU Last verursacht, sorgt der PaperMC Java-Server schnell für 25% und mehr CPU-Last. Da der Java-Server eine Single-Thread Anwendung ist, wird bei einer Quad-Core-CPU wie in dem Synology DS1019+ (kaufen) nur ein Viertel der vorhandenen Leistung genutzt. Bei mir geht die Leistung manchmal auch auf über 35% CPU-Last. Das liegt entweder am Boost-Mode der CPU oder daran, dass der Java PaperMC-Server neben dem Hauptthread noch andere Dinge berechnet.

Konfiguration des Servers

Die Einstellungen für den Bedrock-Server müssen in Konfigurationsdateien vorgenommen werden. Diese wurden in den lokalen Verzeichnissen auf dem NAS erzeugt. Wichtig: Vor Änderungen den Server immer runterfahren bzw. den Container stoppen.

server.properties

Hier wird zum Beispiel eingestellt, ob eine Whitelist verwendet wird oder ob im Survival oder Creative-Modus gespielt wird:

gamemode=creative

whitelist.json

Die whitelist.json sollte hingegen nicht manuell editiert werden. Um Benutzernamen der Whitelist hinzuzufügen, geht man auf die Kommandozeile im Terminal des Servers bzw. des Containers und gibt ein:

whitelist on
whitelist add BENUTZERNAME

BENUTZERNAME steht natürlich für den jeweiligen Account-Namen.

Server aktualisieren

Wenn Du eine alte Version des Scriptes runtergeladen hast, dann führe folgende Befehle über ssh aus auf dem pi:

cd ~/minecraft
wget -O restart.sh https://raw.githubusercontent.com/mtoensing/RaspberryPiMinecraft/master/restart.sh
wget -O start.sh https://raw.githubusercontent.com/mtoensing/RaspberryPiMinecraft/master/start.sh
chmod +x restart.sh start.sh
./restart.sh
# nach eine Neustart dann:
./start.sh

Diese Befehle laden die aktuelle Version des Scriptes runter und starten den Server neu und laden die aktuelle Version (z.Z. 1.15.1) runter.

Der Server läuft und läuft und läuft

Bislang hat der Server erstaunlich wenig Zicken gemacht. Insgessamt waren maximal 3 Personen gleichzeitig auf dem Server und der Pi hat das sehr gut weggesteckt.

Ich bin kein Systemadministrator und es gibt sicherlich einiges an dieser Anleitung zu optimieren. Für Korrekturen und Verbesserungen bin ich dankbar. Gerne auch direkt auf GitHub.

Als Tipp: Der neue schnellere Raspberry Pi 4 mit 4GB ist ideal für dieses Projekt und aktuell günstig zu haben. Wem die Power des Raspberry Pi nicht reicht, der nutzt einfach meine Anleitung für einen Minecraft-Servers auf einem Synology NAS.

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244 Kommentare

  1. Zunächst einmal danke für die schnelle Antwort.
    Aber nach den Screenshot sieht es nach Portfreigabe aus und nicht nach Fritz!-Freigabe. Daher muss man, falls es mit Fritz!-Freigabe einstellt, ein Schema wählen wie „https://“.
    Ich benutzt übrigens Fritz!Box 6490 Cable.

  2. Danke für das gute Tutorial!
    Ich habe Samba aktiviert, bekomme in Windows auch RASPBERRYPI als Netzwerkgerät angezeigt, allerdings befinden sich dort keine Dateien. Woran könnte das denn liegen?

  3. Auch von mir vielen Dank für diese super Anleitung!
    Ich hatte alles beschriebene auf meinem Raspi 3B+ am laufen und wollte jetzt auf die neueste 1.15 Server-Version aktualisieren. Hierfür hab ich alles unter „Server aktualisieren“ durchgeführt. Zudem auch apt-get update und upgrade duchgeführt.
    Im Ergebnis startet jetzt der Paperclip-Minecraft Server nicht mehr!
    Was kann ich tun?

  4. Hallo,
    ich bekomme meist nach einiger Zeit einen Serverabsturz der folgenden ErrorLog erstellt:

    # There is insufficient memory for the Java Runtime Environment to continue.
    # Native memory allocation (malloc) failed to allocate 2086472 bytes for Chunk::new
    # Possible reasons:
    # The system is out of physical RAM or swap space
    # In 32 bit mode, the process size limit was hit
    # Possible solutions:
    # Reduce memory load on the system
    # Increase physical memory or swap space
    # Check if swap backing store is full
    # Use 64 bit Java on a 64 bit OS
    # Decrease Java heap size (-Xmx/-Xms)
    # Decrease number of Java threads
    # Decrease Java thread stack sizes (-Xss)
    # Set larger code cache with -XX:ReservedCodeCacheSize=
    # This output file may be truncated or incomplete.

    Durch Neustarten lässt sich dies meist wieder beheben. Ich habe im momentan 2048 Mb RAM zugewiesen eigentlich sollte das nicht passieren, vor allem wird der Server regelmäßg neugestartet (alle 8h). Hast du evtl. eine Idee woran das liegen könnte?

    Grüße Björn

    1. Hatte die Probleme mit den Normaleinstellungen aus dem Tutorial und nachdem ich sie verändert hatte

    2. Welchen Pi hast Du mit wieviel Ram? Nutzt du raspbian buster lite? Irgendwas zieht bei dir zu viel Speicher. Du musst also -Xmx/-Xms reduzieren. Aber die Frage ist, warum das bei dir passiert

    3. Reduziere doch mal bitte die Werte in der start.sh und schau, ob es nun besser läuft. Das OS hat aktuell nicht genug Speicher bei dir. Läuft ggf noch etwas anderes als der MC Server?

    4. Ich hab die Werte auf 2048 runtergesetzt aber habe trotzdem noch häufige ‚can’t keep up‘-Meldungen. Hab ich evtl das LimitPillagers Plugin falsch konfiguriert? Auf dem Pi läuft nur der Server.

    5. „can’t keep up“ ist leider normal. Vor allem in einer neuen Welt. Hast Du denn echtes LAG mit niedrigen TPS oder nur die Meldung?

    6. Echten Lag selten, einmal kam sogar eine Meldung das der Server für 10 Sekunden nicht geantwortet hat und da hat er richtig gelaggt aber das wars auch (läuft seit 5 Tagen).

  5. Hallo,
    Ich kann manchmal nicht auf den minecraft Screen wechseln, obwohl der Server läuft.
    Wenn ich Screen -List eingebe, sei auch kein Screen verfügbar.
    Gibt es da eine Lösung?
    Ansonsten habe ich teilweise wenn 3 Leute drauf sind schon Lags.
    Oft eine Warnung von über 30000ms Verzögerung, ist das normal bei der Anzahl von Personen ?

    Ansonsten auch von mir vielen Dank für die Anleitung!

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