NieR:Automata – Wie der Nihilismus meinen Spielstand verschlungen hat


Der Android 2B von Nier Automata

Im Spiel geht es um Androiden, welche die Menschheit vor Robotern beschützen müssen. Und deren Erinnerungen werden regelmäßig gelöscht, wenn sie im Kampf getötet werden. So fühlte sich dann auch der Verlust der knapp 30 Stunden Spielfortschritt an. Kein Backup, kein Trick: Das Spiel löschte meinen Spielstand. Und genau das macht NieR:Automata (sic!) zu einer meiner intensivsten Spielerfahrungen.

“Everything that lives is designed to end. We are perpetually trapped… in a never-ending spiral of life and death.

Is this a curse? Or some kind of punishment?
I often think about the god who blessed us with this cryptic puzzle… and wonder if I’ll ever have the chance to kill him.”

— 2B

Nietzsche würde NieR:Automata spielen

Das Spiel erforscht die Idee der ewigen Wiederkehr und den Kampf gegen den Nihilismus. Die Apollinische und Dionysische Dualität in der Kunst, die bei Nietzsche eine Rolle spielt, spiegelt den endlosen Zyklus von Schöpfung und Zerstörung in der Welt wider. Dieser existenzielle Konflikt führt zum Leiden und zur existenziellen Angst. Um den passiven Nihilismus zu bekämpfen, plädiert Nietzsche für einen aktiven Nihilismus, der das Schicksal annimmt und zum Übermenschen wird, indem er in einer Welt ohne strukturierte Bedeutung neue Werte schafft.

NieR:Automata modernisiert diese Philosophie im transhumanistischen Kontext, in dem bewusste Androiden und Roboter versuchen, in einer von Schöpfung und Zerstörung geprägten Welt eine Bedeutung zu finden. Sie müssen ihr eigenes Wertesystem schaffen und zu Übermenschen werden, um die Leere des Nihilismus zu bekämpfen.

Der Begriff „Genre-Mix“ könnte für NieR:Automata erfunden worden sein.

Spielen ist Zeitverschwendung

So wie das Leben mit deinem Zyklus aus Schöpfung und Zerstörung ist auch das Spielen letztlich bedeutungslos. Die Bedeutung geben wir den Spielen, wenn sie nach dem Beenden etwas in uns verändert haben. Letztlich liegt die Bedeutung eines Spiels oder einer anderen Form der Unterhaltung im Auge des Betrachters bzw. Spielers. Wenn ein Spiel dazu beiträgt, meine Gedanken anzuregen, Fragen aufzuwerfen oder meine Sichtweise auf die Welt zu erweitern, verdient es ohne Zweifel Anerkennung für seine Bedeutung, selbst wenn es sich „nur“ um ein Videospiel handelt.

NieR:Automata hat mich dazu motiviert, das Spiel viermal durchzuspielen, um die verschiedenen Enden A, B, C, D und E zu erleben und auf diese Weise eine tiefere emotionale Verbindung zu dem Spiel zu entwickeln. Diese wiederholten Durchläufe sind integraler Bestandteil des Spielerlebnisses und wurden vom Spiel gezielt so konzipiert.

NieR:Automata – Ein Genremix der Extraklasse

NieR:Automata definiert die Grenzen des Gaming-Genres neu, indem es Action, RPG-Elemente, herausfordernde Bullet-Hell-Shooter-Elemente zu einem einzigartigen Spielerlebnis kombiniert. Nicht jeder dieser Spielaspekte ist meisterhaft integriert. Es hat einige Schwächen und Längen. Besonders im ersten Durchgang für Ending A. Die Spielmechanik im Kampf gestaltet sich mit den Ausweichbewegungen auf R2 ähnlich wie Bayonetta. Nur mit deutlich weniger Variationen bei den Gegnern. Die Hacking-Mechanik ist letztlich eine simple Version von Geometry Wars. Dennoch tragen sie zur Vielfalt bei und verleihen dem Spiel eine besondere Würze.

Doch die wahre Stärke von NieR:Automata liegt in seiner tiefgehenden philosophischen Erzählung über Existenz und künstliche Intelligenz, die den Spieler über das Spiel hinaus nachdenken lässt. Dieses Meisterwerk ist nicht nur ein Genre-Mix, sondern ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk, das mich als Spieler berührt und nachhaltig fesselt. Tipp: Solange man im Startbildschirm auf „Start“ drücken kann, sollte man auch weiterspielen.

„Menschen, die ihre Zeit mit Spielen vergeuden, spielen die falschen Spiele.“

— Marc

NieR:Automata BECOME AS GODS Edition ist eines von diesen Spielen, die nachhaltig wirken. Was ich allerdings bis heute nicht verstehe ist, warum die weiblichen Androiden im kurzen schwarzen Rock durch die Gegend laufen müssen. Das war mir – ganz im Ernst – unangenehm beim Spielen. Glücklicherweise konnte mich der fantastische, dynamische Soundtrack hinwegtrösten.

Wertung

NieR:Automata: Das Spiel zeigt zwar im ersten Durchgang einige Längen, doch wer beharrlich bis zum unumkehrbaren Ende durchhält, wird mit einer tiefgreifenden philosophischen Spielerfahrung belohnt. Ein echtes Kunstwerk. Marc

9
von 10
2023-10-10T08:53:25+0200

NieR:Automata günstig kaufen. Ich habe das Spiel auf der Xbox Series X durchgespielt.


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Kommentare

3 Antworten zu „NieR:Automata – Wie der Nihilismus meinen Spielstand verschlungen hat“

  1. Avatar von Tobi
    Tobi

    For the Glory of Manking!

    Das Ende A habe ich heute gesehen. Jetzt geht es weiter.
    18 Stunden habe ich übrigens bis jetzt gebraucht.
    Gute Mischung der Gameplay-Elemente und ein paar schöne Bosse.
    Ich hoffe aber, daß noch richtig Feuerwerk kommt.
    Bis jetzt würde ich 75 von 100 geben. Der große Bumms fehlt eben noch.

    War übrigens mein erstes Spiel was ich bei Eneba gekauft habe dank des Tipps hier auf MarcTV

    1. Avatar von Marc

      Schau dir mal den „Bumms“ an. Freut mich, dass ich helfen konnte. MarcTV Leser wissen mehr.

    2. Avatar von Tobi
      Tobi

      Zuerst mal Danke für Eneba Tipp: Habe 20 EUR für Nier Automata bezahlt statt 40 EUR bei Xbox Store. Irgendwann war das zwar mal im GamePass und auch reduziert im Xbox Store, aber da hab ich’s irgendwie verschwitzt.
      Ich kaufe sowieso nix im Store nur weil es reduziert ist (vgl. Pile of Shame)

      Zu Nier Automata:
      Ich bin das zweite Mal durch jetzt.
      75 bei meiner ersten Wertung war vielleicht zu hart. Die Atmosphäre und Musik bringen es auf eine 79 von 100, aber eine 85+ kann ich einfach nicht vergeben.
      Es ist klassisches Level und Boss Recycling wie man es auch von Devil May Cry 4 kennt. Zumindest mich hat es daran erinnert.

      Ich habe im Internet gespoilert und gelesen, daß man wohl 4 Durchgänge machen soll. Nun ja… ob ich mir das jetzt noch 2x antun soll?
      Also diese Philosophie der Geschichte hat mich bislang nicht abgeholt.

      Wenn ich’s wirklich noch 2x mache, dann nur aus Liebe zu MarcTV und um meine 20 Euro Ersparnis von Eneba wieder reinzuarbeiten!! ;-)

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