Java Minecraft Server 1.19 auf Raspberry Pi 4 mit Docker installieren

Minecraft Server mit Docker auf Raspberry Pi 4

Der Raspberry Pi ist nach wie vor die günstigste Möglichkeit, um schnell einen lokalen Minecraft Server für zu Hause aufzusetzen. Nachdem es aus meiner Sicht lange Zeit keine stabile Möglichkeit gegeben war, einen Java Server stabil auf einem Pi zu betreiben, gibt es nun eine saubere Lösung mit Docker.

Inhaltsverzeichnis

Warum Docker auf dem Pi 4?

Docker ist keine Virtualisierung wie zum Beispiel VMWare, sondern eine abstrahierte Containerisierung vom Host-Betriebssystem, mit begrenztem Zugriff auf die zugrunde liegenden Ressourcen. Container nutzen isolierte Prozesse und benötigen keinen Hardware-Hypervisor. Dies sorgt für eine vergleichbare Leistung wie eine native Installation. Die Nutzung von Docker für den Minecraft Server auf dem Pi löst ferner eine ganze Reihe von Herausforderungen.

  • Einfache und schnelle Installation
  • Rasantes Starten des Servers
  • Automatische Aktualisierung
  • Sichere Kapselung der System-Umgebung
  • Optimale Java-Version und Konfiguration
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Was braucht man dafür?

  1. Einen Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM – günstig kaufen
  2. Ein USB-C Netzteil für den Pi4 – nicht sparen!
  3. Eine schnelle (!) micro SD-Karteauch nicht sparen!
  4. Ein schönes Gehäuse für den Pi4 – günstig kaufen
  5. Optional: ein Synology NAS für Backups – kaufen
SSH aktivieren im Raspberry Pi Imager

Schnellstart

Wenn ihr keine Lust habt ein langes Tutorial zu lesen, dann installiert Raspberry Pi OS LITE (64-Bit) und aktiviert den SSH Zugang. Das ist in Schritt 1 bis 3 beschrieben. Dann führt ihr diesen Befehl auf der Shell des Pi aus:

curl -fsSL https://getmc.marc.tv/ -o install-pi-docker-minecraft.sh 
chmod +x install-pi-docker-minecraft.sh 
./install-pi-docker-minecraft.sh

Der Code ist selbstverständlich auf GitHub zu finden. Die URL getmc.marc.tv leitet auf das Installationsscript auf GitHub weiter.

Video-Anleitung

YouTube Anleitung für die Installation

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wer verstehen will, was hier passiert, der kann alles in Ruhe der Reihe nach installieren und dabei nachvollziehen.

1: Installation von Raspberry Pi OS LITE (64-Bit)

  1. Lade das Programm Raspberry Pi Imager herunter und starte es.
  2. Wähle Raspberry Pi OS LITE (64-bit) unter „Raspberry Pi OS (other)“ aus. Wichtig: 64-Bit und Lite.
  3. Klicke auf das Zahnradsymbol im Raspberry Pi Imager und aktiviere SSH.
  4. Lege dort einen Benutzernamen und Passwort fest:
    Benutzername: pi
    Passwort: [selber ein sicheres Passwort vergeben]
  5. Schreibe das so konfigurierte Image auf eine schnelle SD-Karte.
  6. Stecke die beschriebene SD-Karte in den Pi.
  7. Verbinde den Raspberry Pi 4 über ein Ethernet-Kabel mit dem Router.
  8. Stecke das Stromkabel in den Raspberry Pi.
  9. Warte drei Minuten, bis Raspberry Pi OS LITE (64-Bit) hochgefahren ist.

2. Öffnen einer Shell

Wir benötigen zur Installation einen Computer im selben Netzwerk.

  • Windows: Installiere und starte Putty
  • macOS: Starte die Terminal App
  • Linux: Nutze die Shell

MacOS und Linux bringen die Shell schon mit. Bei Windows muss diese nachinstalliert werden.

3. Per Terminal über SSH mit dem Pi verbinden

Verbinde dich mit diesem Befehl in der Shell per SSH mit dem Pi. Das Passwort wurde in Schritt 1.3 festgelegt.

ssh pi@raspberrypi.local

Wenn „raspberrypi.local“ als Adresse nicht funktioniert, finde die IP-Adresse deines Raspberry Pi im Netzwerk über den Router heraus.

ssh pi@[IP-Adresse des Raspberry Pi]

Jetzt teste jetzt mit dem folgenden Befehl, ob das Ergebnis aarch64 ist. Wenn nicht, liest die Anleitung bis hierhin noch einmal genau durch.

uname -m

3. Aktualisieren aller Pakete

Damit wir auch auf dem neusten Stand sind, werden nun alle Programme auf dem Pi auf den neusten Stand gebracht. Es wird automatisch alles ohne Rückfrage installiert. Dafür nutzt man diesen Befehl.

sudo apt update && sudo apt upgrade --yes
sudo reboot now

Der letzte Befehlt ist ein Neustart des System.

4. Installation von Docker unter Pi OS

Kopiert die folgenden Befehle in die Shell und drückt Enter. Sie werden nacheinander ausgeführt.

cd
mkdir mcserver
curl -fsSL https://get.docker.com -o get-docker.sh
chmod +x get-docker.sh 
./get-docker.sh 
sudo apt-get install -y uidmap
dockerd-rootless-setuptool.sh install
sudo usermod -aG docker $USER
sudo systemctl enable docker
newgrp docker

Erklärung der Befehle

  1. Zuerst erstellen wir den Ordner für alle Daten des Servers.
    mkdir mcserver
  2. Wechseln ins Home-Verzeichnis /home/pi
    cd
  3. Lade das Docker-Installationsskript runter
    curl -fsSL https://get.docker.com -o get-docker.sh
  4. Mache das Installationsskript ausführbar
    chmod +x get-docker.sh
  5. Nun installierte Docker (dauert einige Minuten)
    ./get-docker.sh
  6. uidmap wird für einen rootless-Betrieb benötigt.
    sudo apt-get install -y uidmap
  7. dockerd-rootless-setuptool.sh installieren
    dockerd-rootless-setuptool.sh install
  8. Starte Docker nach einem Neustart automatisch
    sudo systemctl enable docker
  9. Nun fügen wir den Nutzer pi zu der Gruppe Docker hinzu.
    sudo usermod -aG docker $USER
  10. Zum Schluss wechseln wir in die Docker-Gruppe
    newgrp docker
Kurz vor dem großen Moment der Docker-Installation auf dem Pi.

5. Minecraftserver über Docker starten

Mit folgendem Befehl wird der Minecraftserver im Docker Container auf dem Raspberry Pi gestartet:

docker run -d \
--restart unless-stopped \
--name mcserver \
-e MEMORYSIZE='1G' \
-e PAPERMC_FLAGS='' \
-v /home/pi/mcserver:/data:rw \
-p 25565:25565 \
-it marctv/minecraft-papermc-server:latest

Erklärung des Befehls

  • Automatischer Neustart
  • Name: mcserver
  • Arbeitsspeicher im Container: 1 GB. Das kann bei einem Pi mit 4 GB auch 2 oder gar 3 GB sein.
  • PaperMC Parameter sind bewusst leer
  • Speicherort aller Dateien auf dem Pi: /home/pi/mcserver
  • Port im Container und nach außen ist 25565
  • Image des Containers ist: marctv/minecraft-papermc-server
  • Tag: „latest“ ist immer die neuste, stabile Version.

6. Kommandozeile und Logs des Servers

Es dauert eine Weile, bis der Server zum ersten Mal startet. Um sich das anzuschauen, öffnen wir das Log. Zum Verlassen, drücke Strg-C.

docker logs mcserver --follow

Der Server ist erst vollständig gestartet, wenn du die Meldung „Timings Reset“ siehst. Ein „Can’t keep up! Is the server overloaded? Running 5296ms or 105 ticks behind“ ist beim ersten Starten normal, weil die Chunks erst generiert werden müssen. Um sich mit der interaktiven Kommandozeile des Servers zu verbinden, nutzt man folgenden Befehl:

docker attach mcserver

Dort kann man Befehle wie /allowlist oder /op ausführen. Um diese Ansicht zu verlassen, drücke Strg-P, gefolgt von Strg-Q.

7. Auf dem Server spielen

Stelle sicher, dass der Server in Schritt 6 vollständig hochgefahren ist. Zu guter Letzt starten wir Minecraft Java-Edition. Dort fügen wir unter „Multiplayer“ einen Server hinzu. Die Server-Adresse ist dieselbe, mit der wir uns per SSH verbinden:

raspberrypi.local 

Als Alternative nutzen wir die IP-Adresse des Raspberry Pi im Netzwerk.

Minecraft auf dem Raspberry Pi mit Docker

8. Automatische Aktualisierungen einrichten

Damit man nicht manuell von 1.19 auf 1.20 aktualisieren muss, richten wir Watchtower ein. Das ist ebenfalls ein Docker Container, die andere Container aktuell hält.

docker run -d \
--name watchtower \
-v /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock \
containrrr/watchtower

Mit dem folgenden Befehl können wir uns anschauen, welche Container gerade laufen:

docker ps

Die Ausgabe sollte den Minecraft Server Container und den Watchtower Container zeigen.

Fazit und Ausblick

Der Wechsel auf Docker auf dem Raspberry Pi macht den Betrieb des Servers kinderleicht. In den Tests ist die Leistung des Minecraftservers vergleichbar mit Docker auf dem Synology NAS. Somit ist die Performance besser als die native Installation ohne Docker auf dem Pi durch die höhere Java-Version und bessere Optimierung der Umgebung. Die Entkopplung des Raspberry Pi OS von der Serverumgebung sorgen für eine einfache Administration. Zudem nutzten nun alle meine Anleitungen dasselbe Docker-Image. Das erlaubt mir eine fokussierte Weiterentwicklung. Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen und Kommentare.

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3 Antworten

  1. Avatar von Mika Kreis
    Mika Kreis

    Hey Marc, ich finde dein Tutorial wirklich super! Kannst du auch eine Anleitung für einen stabilen Pocket Edition 1.19.21 Server schreiben, so dass z.B. mein Schul-Freund, der auch Marc heißt, mit mir spielen kann?
    LG Mika

    1. Avatar von Mika Kreis
      Mika Kreis

      Ausserdem bekomme ich „Permission Denied“, wenn ich Watchtower installieren möchte.

    2. Avatar von Marc
      Marc

      Also:

      Pocket-Edition ist tot. Es gibt nur noch Bedrock. Bedrock gibt es noch nicht nativ für ARM-Architektur wie den Pi. Das geht nur auf einem x86 Gerät. Anleitung gibt es hier.

      Zu Permission Denied bei Watchtower:

      Anleitung komplett befolgt? Alle Befehle aus 4 übernommen? Sonst starte von vorn und nutze lieber den Schnellstart

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