Warum ruckeln Filme im Kino?

Motiviert durch den Artikel von Nico sind mir zwei Dinge bewusst geworden, die mir beim Ansehen von Filmen auf den Geist gehen: Filmkörnung und eine niedrige Bildwiederholrate. Das sorgt dafür, dass für mein Auge Kinofilme ruckeln. Besonders wenn ich vorher ein 60 FPS Konsolenspiel gespielt habe, fällt mir das auf. Als besonders schlimm empfinde ich künstlich erzeugtes Filmgrain, dass erst in der Post-Produktion über das ursprünglich körnungsfreie Material gelegt wurde, um den Film filmischer aussehen zu lassen.Bei den HD-Filmen Black Swan und 300 kann man den Körnungseffekt sehr gut beobachten.

Digitale vs. analoge Auflösung

Ursprünglich wird die typische Filmkörnung durch die chemische Auflösung des belichteten Filmmaterials hervorgerufen. Im Kino merkt man diesen Effekt eher selten, weil die visuelle Qualität von Heim-HD-Projektoren und guten Flachbildschirmen das Kino in Sachen Schärfe und Bildqualität eingeholt haben. Dort wird größtenteils immer noch technisch auf echte Filmstreifen gesetzt, die dann durch eine Mechanik vor einer Lichtquelle bewegt werden. Da ist Verschleiß und somit eine schlechtere Bildqualität vorprogrammiert. Diese Probleme hätten digitale Kameras und Abspielgeräte heute nicht mehr.

Diese historisch gewachsene Technik beschränkt auch gleichzeitig die Bildwiederholrate auf nur 24 Bilder pro Sekunde. Diese wird bei fast allen erhältlichen BluRay oder vergleichbaren Formaten beibehalten und landet dann auf unseren Flachbildschirmen die im schlimmsten Fall versuchen, diese wieder auf mehr Bilder pro Sekunde hochzurechnen. Das nennt sich dann 120hz-Technik oder MotionFlow.

Kinofilme ruckeln

Dass Kinofilme ruckeln ist mir aufgefallen, als ich damals meine erste DVD („The Beach“) in mein brandneues DVD-Laufwerk am Computer gelegt hatte. Da ich auf dem Monitor ausschließlich Spiele gesehen hatte, wurde mir der Unterschied erst bewusst. Bei Spielen wird bei 25 Bildern schon nicht mehr von einem flüssigen Bildaufbau gesprochen. Mehr Bilder sorgen nicht nur für ein plastischeres Bild sondern auch für ein stärkeres Gefühl der Immersion und Kontrolle bezüglich der Geschehnisse auf dem Bildschirm. Deswegen bin ich mir auch ziemlich sicher, dass die Filmemacher schon damals gerne mehr Bilder und eine höhere Bildrate eingesetzt hätten aber es technisch einfach nicht möglich gewesen ist.

24 FPS vs. 60 FPS

Die folgenden Beispiele zeigen mit Hilfe von HTML5 zuerst eine Bewegung mit 24 Bildern und dann mit 60 Bildern pro Sekunde. Die Video benötigen zwingend einen HTML5-fähigen Browser da Flash nicht zuverlässig in der Lage ist, 60FPS darzustellen. Wegen dem Kommentar von Frank Thomas habe ich das Video noch mal mit Bewegungsunschärfe in After Effects rausgerendert und die Bälle dieses Mal auch direkt übereinander platziert.

In dem folgenden Video Balls 24 fps vs 60 fps sieht man den Unterschied sehr deutlich.

Video

Man sieht den Effekt leider nur auf Plattformen, die Videos durch die GPU Hardware-Beschleunigt wiedergeben können. Es könnte sein, dass der neue IE9 unter Windows Vista und Windows 7 auch dazu in der Lage ist. Alle anderen werden den Unterschied deswegen wahrscheinlich nicht sehen können, weil Tearing den Eindruck der flüssigen Bewegung in dem Video zunichte macht

Digital ist besser

Aus diesem Grund bin ich dafür, beim Film vollständig auf den Einsatz von echtem Film wie 35mm zu verzichten und mit mindestens 60 Bildern pro Sekunde aufzunehmen, damit wir diese visuellen Unzulänglichkeiten nicht mehr am Fernseher ausgleichen oder hinnehmen müssen. Das dies nicht „kühl“ oder weniger nach Film aussehen muss, zeigen positive Beispiele sind The Social Network und District 9, die auf einer digitalen 4k-Kamera gedreht wurden. Jetzt muss nur noch die Bildwiederholrate angehoben werden. Ein sehr gutes Beispiel ist auch The Dark Knight. Der Film wirkt auf BluRay sehr klar und scharf und kommt ohne Körnung aus – Stilmittel hin oder her. Gerade wenn es keine chemische Filmkörnung mehr ist sondern nachträglich digital auf den Film gelegt wurde, dann sieht digitale Körnung meiner Meinung nach richtig schlimm aus. Man baut Webseiten ja auch nicht linear und fügt links und rechts Blätteranimationen ein. Ich hoffe, dass sich die Filmtechnik langsam auch auf das Jahr 2012 vorbereitet – und nicht nur Filme so benennt.

»The Hobbit« von Peter Jackson wird digital mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht.

Peter Jackson to the rescue

Wie Max in den Kommentaren festgestellt hat, bin ich mit diesen Ansichten nicht alleine. Peter Jackson, Regisseur von Lord of the Rings und Braindead produziert The Hobbit mit 48 Bildern pro Sekunde. Die Fachpresse argumentiert interessanterweise mit den selben Argumenten gegen die neue Technologie wie hier in den Kommentaren: »zu akkurat, zu klar«. Die traumähnliche Ästhetik bliebe auf der Strecke. Es gibt einen Trailer im Netz, den man runterladen und sich auf einem lokalen Player wie VLC dann mit 48 FPS ansehen kann.

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158 Antworten auf „Warum ruckeln Filme im Kino?“

  1. Der Marc,

    so uniformiert wie eh und je, aber mit einer starken Meinung.
    Black Swan wurde auf 16mm UND ner 7D gedreht.
    Beide rauschen ziemlich gerne sobald das Licht knapp wird.
    Der Grain kommt definitiv nicht aus der Post, sondern ist Stilmittel des Films BEIM drehen.
    DESWEGEN wurde der Film ja auch den Kameras gedreht. Wenn Aronofsky den von dir geliebten Clean Look hätte haben wollen, wäre er mit ner F65/alexa oder irgendeiner mordernen Digital Kamera gedreht worden. Kann man wirklich überall nachlesen. Nicht zuletzt in den Interviews mit Aronofsky. Aber hey, warum auch lesen, wenn du doch schon ne Meinung hast.
    Im übrigen ist die Vermengung von Filmkorn und FPS völlig zusammenhangslos.
    Mal wieder leider ziemlich peinlicher „Artikel“ von dir.

    1. Das ändert nichts daran, dass Filmkörnung, egal ob gewollt oder nicht, auf HD-Fernsehern und Beamern schlimm aussieht. Und darum geht es hier ja.

    1. So, ich war nun im neuen Hobbit. Für mich eine Offenbarung. Ich weiß nicht, wie man das schlecht finden soll. Man sollte mal Kinder, die vorher nie einen Film mit 24 FPS gesehen haben, fragen was sie besser finden.

    2. Ich habe den neuen zweiten Teil von Hobbit auch in HFR Version gesehen. Hat mir gefallen, allerdings sieht man gewissen Elementen ihre Künstlichkeit besser an. Gerade bei gewissen Felsen auf denen Charaktere Standen (Legolas in einer Szene) ist es mir extrem aufgefallen.

    1. Ok nochmals: Postprocing Antialiasing ist wie künstlich eingefügte Filmkörnung. So kapiert? Nur richtiges Antialiasing ist gut. Und 60 FPS ist auch bei Games ein Muss.

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