GDemu ist ein Ersatz für das optische Laufwerk der Dreamcast. Das ist wichtig, weil schon im Jahr 2005 das Laufwerk meiner Dreamcast keine gebrannten Spiele mehr lesen wollte. Selbst bei Originalspielen hatte das GD-ROM Probleme. Es musste deswegen schnell Abhilfe her: Statt GD-ROMs liest die kleine Erweiterungsplatine ISO-Dateien von SD-Karten. Genau das richtige für meine frisch gebleichte Dreamcast.

GD-ROM Images statt den 700 MB Rips

Damals waren Raubkopien von Dreamcast-Spielen durch den Bootloader ohne Modchip keine Seltenheit. Allerdings wurde diese Kopien der GDRom-Images für normale CDs mit maximal 700MB eingedampft. Das bedeutet, dass 300 MB an Daten irgendwie gespart werden mussten. Meisten mussten Zwischensequenzen oder Musik dran glauben. Manchmal wurde sogar die Qualität der Soundeffekte reduziert.

Durch das Rippen haben die meisten Personen damals nie die volle Qualität genießen dürfen. Deswegen ist es um so schöner, dass GDemu am besten mit GDI-Images funktioniert. Diese stammen aus den Projekten TOSEC und TruRip um die Dreamcast-Bibliothek zu erhalten. Es funktionieren aber auch gerippte CDI-Images.

GDMenu 0.6

GDMenu: Force VGA, Region Lock und Bootscreen skip

Die SD-Karte muss mit FAT32 formatiert sein und die Images müssen in folgender Verzeichnisstruktur liegen:

01/disc.cdi
02/disc.gdi track01.bin
03/disc.gdi track01.bin track02.raw

Die Hardware des GDemu sehr dumm ist: Das Image im Ordner 01 wird automatisch gestartet und nur per Tastendruck auf der Platine kann das nächste GDI oder CDI geladen werden. Glücklicherweise gibt es GDMenu v0.6. Das ist eine Dreamcast-Applikation, die man in den 01 Ordner legt und ein Menü für alle Spiele auf der Karte generiert.

Darüber hinaus kann man hier bequem den region lock entfernen und automatisch das Dreamcast-Logo und die lästigen Lizenzhinweise abschalten. Das Wichtigste ist jedoch für die die Einstellung alle Spiele zu zwingen, das VGA-Kabel zu unterstützen.

GDemu halbiert die Ladezeiten

Wer damals Shenmue auf der Dreamcast gespielt hat, wird genau so wie ich die schrecklich langen Ladezeiten alle paar Meter gehasst haben. GDemu läd mehr als doppelt so schnell wie das optische Laufwerk. Und das ohne die optionale aber inkompatiblere Boost-Funktion. Spiele wie Soul Calibur haben gefühlt deswegen keine Wartezeiten mehr.

Installation der GDemu ist plug’n’play.

Aufschrauben, reinstecken, zuschrauben, loslegen

Die Platine ist ein kompletter Ersatz für das optische Laufwerk der Dreamcast. Deswegen baut man das GD-ROM-Laufwerk aus und steckt statt dessen GDemu einfach rein. Fertig.

Die Installation ist so leicht, dass ich dafür kein eigenes Video produziert habe. Wer Unterstützung beim Aufschrauben benötigt, der kann sich auch meine Anleitung für die Benutzung von Retrobright für die Dreamcast ansehen. Für das Bleichen der Konsole habe ich dort im Video die Dreamcast in ihre Einzelteile zerlegt.

Perfektion dank 3D-Druck

Da das optische Laufwerk viel mehr Volumen als die kleine GDemu-Plantine hat, sieht es beim Aufklappen reingebastelt aus. Bislang habe ich mich immer gefragt, wozu man eigentlich diese teuren 3D Drucker braucht. Auf Thingiverse gibt es eine Vorlage für die Plastikeinsätze für GDemu. Dank meinem supernetten Kollegen Kai Fricke habe ich nicht nur die zweite Dreamcast für den Retrobright-Versuch bekommen sondern er hat mir auch die beiden Plastikbauteile für GDemu ausgedruckt. Nun sieht es aus, als wäre es immer so gedacht gewesen. Danke!

GDemu: AliExpress oder das Original?

Das Original kostet 130 EUR und hat eine Wartezeit von mehren Monaten weil der Typ nicht hinterherkommt. Bei AliExpress bekam man de GDemu-Clones für unter 50 EUR innerhalb von ein paar Wochen aus China geliefert. Auf Amazon gibt es ebenfalls günstige Angebote. Allerdings sind das sehr wahrscheinlich  Kopien.

Es ist pure Ironie, dass ein Bauteil, das sicherlich zum großen Teil für das Abspielen von Raubkopien genutzt wird, selber Opfer einer Kopie geworden ist. Die Kopien sind die neue V5.5 Version und spielen auch ohne Firmware-Aktualisierung alle relevanten Spiele – egal ob als CDI oder GDI-Image. Fest steht: Wer eine Dreamcast hat und ab und zu noch damit spielt braucht GDemu.

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10 Kommentare

  1. Cool, kommt auf die TODO-Liste, ich bin gerade noch mit MiSTer beschäftigt :-).

    Diese teuren 3D-Drucker sind übrigens echt erschwinglich geworden (z. B. kostet der Ender 3 oft um die 150 Euro) und für Bastler eigentlich eine essentielle Anschaffung :-).

    1. Hi Ingo,

      ich habe mir schon gedacht, dass dich dieser Artikel interessiert. Aber was ist „MiSTer“. Lässt sich schlecht googlen. Oder kann Google inzwischen auch case-sensitive suchen? *kurz gegoogelt* Scheinbar nicht.

      Und ggf. denkst Du mal über eine Registrierung nach: Dein Name existiert hier öfters. ;-)

  2. Hi Marc,

    hier ist der Link:

    Das ist ein Hardware-Emulationsprojekt, das ein FPGA-Entwicklungsboard von Intel zur Nachbildung von diversen Homecomputern (Spectrum, C64, Atari ST, Amiga 1200, klassicher DOS-PC mit 486, VGA und Soundblaster), Konsolen (bis zur 4. Generation) und Arcade-Boards verwendet.

    Da tut sich im Moment richtig viel und es macht Spaß, das zu verfolgen. Leider ist die Hardware nicht so günstig wie z.B. ein Raspi.

    1. Ja, die Super NT Konsole hat sogar den gleichen FPGA.

      Ich habe jetzt endlich mein I/O-Bord mit RGB-Ausgang bekommen und bin wirklich überwältigt von der Emulations- und Bildqualität. Mit einem CRT-Monitor spielt MiSTer dann doch in einer ganz eigenen Liga, die RGB-Ausgabe ist viel besser als die einiger Original-Hardware wie z.B. C64 oder SNES… Lag und/oder Ruckeln sind dort absolut kein Thema, während der eingebaute HDMI-Scaler noch ein wenig problematisch ist (wenigstens mein Fernseher und mein PC-Monitor können die teilweise krummen Framerates der echten Hardware nicht immer ruckelfrei darstellen).

      Die Cores machen riesige Fortschritte: Seit ein paar Stunden kann die hervorragende, selbst erst wenige Wochen alte SNES-Emulation zum Beispiel SuperFX-Spiele wie Yoshi’s Island. Seit Sonntag gibt es Ghost and Goblins Arcade. Und heute sind auch erste Bilder eines NeoGeo-Cores aufgetaucht . So ziemlich das spannendste, was in der Retro-Szene gerade passiert.

  3. Da sieht man den Vorteil von Cartridge basierten Konsolen gegenüber CD basierten. Mein NES funktioniert nach wie vor tadellos. Gut gibt es solche Lösungen. Allgemein kann man froh sein, dass es Leute gibt die sich um das Gedenken alter Spiele kümmert. Schlussendlich muss es bei mir heute keine Original Hardware um jeden Preis sein.

  4. Hallo Marc,
    in manchen Foren kann man lesen, dass die Dreamcast aufgrund des fehlenden GD-ROM-Laufwerks relativ heiß wird.
    Hintergrund ist wohl, dass dem Netzteil nun 12 Volt „zu viel“ zur Verfügung stehen, was direkt in Hitze „umgewandelt“ wird.
    Kannst Du ähnliche Erfahrungen bestätigen?
    Gruß
    René

    1. Habe ich gelesen. Bislang hatte ich keine Probleme. Aber ich habe auch noch keine 20h die DC angehabt damit.

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