Everybody’s Gone to the Rapture

Endlich gibt es – nach Shenmue – eine neue Referenz für virtuelle Spaziergänge. Stell dir vor, du läufst durch ein sehr komprimiertes Skyrim, in dem alle Mitbewohner verschwunden sind. Nur eine Schlange aus Licht, ähnlich wie damals Zini aus dem Fernsehen, fliegt durch die leeren Häuser und Vorgärten. Sie versucht, uns die Ursache der Apokalypse mit Rückblenden schonend beizubringen.

Nur gucken, nicht anfassen

Das „Spiel“ ist eigentlich ein visueller Roman. Es gibt keine Rätsel, wie bei The Vanishing of Ethan Carter, und auch kein lineares Gameplay, wie bei Journey. Man läuft nur umher und guckt sich die Umgebung an. Aber genau dadurch startet das Kopfkino. Was ist hier passiert? Was hat es mit dem Nasenbluten auf sich? Und wie hängt das mit der Elektrizität zusammen?

Ich persönlich schaue mir auch in anderen Spielen die Umgebung sehr genau an. Aus dem Grund habe ich auch kunstpixel.de gestartet. Meistens wird mir das aber schnell langweilig, weil sich viel wiederholt. Bei Everybody’s Gone to the Rapture hingegen, bildet die Umgebung die Geschichte und sorgt dafür, dass es immer interessant bleibt.

Zum Weinen schön

Die Entwickler von Dear Esther haben sich für diese grafische Pracht gegen die Unreal Engine und für die neuste Version der CryEngine entschieden. Hunderte detaillierte Weizenären wiegen sich sanft im Wind und werden durch den Spieler umgetreten, während sich am Horizont eine Windmühle langsam dreht.

Die Welt ist zudem riesig und zugleich vollgestopft mit Details. Die Beleuchtung und das Wetter sind zudem dynamisch. Gerade bei diesen beiden Aspekten kann die Unreal Engine gegen das hier Gezeigte einpacken. Batman – Arkham Knight ist zwar eine Ausnahme und sieht auf der PlayStation 4 ebenso unglaublich aus, aber ist – soweit ich weiß – nicht dynamisch beleuchtet.

Fotorealismus?

Der geübte Beobachter entdeckt Kleinigkeiten wie die unterschiedlich gemalten Bilder auf den Leinwänden eines Stilleben-Malkurses im Spiel. Normalerweise würde man sich für ein solches Spiel nicht die Mühe machen, die unterschiedlichen Malversuche der Teilnehmer auf Staffeleien zu rendern.

Aufgrund solcher Details wirken manche Szenen fast fotorealistisch. Dazu kommt der optisch enorm saubere Eindruck der Umgebung. Während Spiele mit Unreal Engine hier und dort etwas unsauber wirken, gibt es bei diesem nur sehr selten Grafikfehler.

Video

Entrückt entzückt

Für mich persönlich war der Ausflug in die menschenleere Welt von Everybody’s Gone to the Rapture ein wundervolles Erlebnis. Ein Grafikporno mit der Handlung einer 5-stundenlangen Folge Mystery à la Akte X oder Alan Wake. Also wie gemacht für mich. Nachdem ich stark enttäuscht wurde von Journey (Ja, ich habe die Companion Trophy.) und von dem ähnlichen The Vanishing of Ethan Carter  (grafisch ein Witz gegen Everybody’s Gone to the Rapture), ist das hier eine Erfüllung.

Genau so müssen Spiele ihre Geschichten erzählen. Denn Spiele brauchen nach wie vor keine Handlung. Sie brauchen viel mehr Atmosphäre und Spannung. Und genau das bekommt man bei diesem Spiel – das eigentlich keines ist. Aktuell nur exklusiv auf der PlayStation 4. Und nun die wichtigsten Informationen: Man kann mit R2 rennen und das Neigen des Gamepads ist wichtiger als man denkt.

Bewertung auf SHORTSCORE.org

Everybody’s Gone to the Rapture: Entschleunigte Spannung und die die neue grafische Referenz auf der PlayStation 4.Marc
9
von 10
2015-08-17T10:50:06+00:00

21 Antworten auf „Everybody’s Gone to the Rapture“

  1. Ich konnte mit Dear Ester schon nichts anfangen, da wird auch diese tolle Grafik mich nicht hinter dem Ofen hervor locken. Grafik alleine macht noch kein Spiel. Und interessant wie du Heavy Rain damals verreissen konntest, obschon es einiges mehr bieten dürfte als das hier.




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    1. Heavy Rain war etwas ganz anders. Ein Interaktiver Film der einem alles vorkaut wie eine RTL2-Serie. Das hier ist eine ganz besondere Erfahrung weil man sich alles selber suchen und zusammendenken muss.

      HR wurde zudem in großen Teilen nicht in Echtzeit berechnet sondern lag als BluRay-Filmdateien vor




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    2. Nur die Zwischensequenzen und da ist Heavy Rain nicht das einzigste Spiel. Die Mehrheit des Spiels bewegst du dich immer noch selber durch die Level, ich hab es durch gespielt.




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    3. Ja und diese Sequenzen sahen nicht besonders toll aus. Ich habe die BluRay damals auseinander gekommen (siehe Artikel) und das meiste war vorgerechnet. Eigentlich alles wo man sich nicht bewegen musste.




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    4. Und was interessiert mich Grafik, wenn die Immersion und Geschichte etwas vom besten war was ich jemals gespielt habe? Das war übrigens schon bei Fahrenheit so. Kann ich nur schon wegen der Story noch heute empfehlen, uralte Grafik hin oder her.




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  2. Genau so müssen Spiele ihre Geschichten erzählen. Denn Spiele brauchen nach wie vor keine Handlung. Sie brauchen viel mehr Atmosphäre und Spannung. Und genau das bekommt man bei diesem Spiel – das eigentlich keines ist.

    Also irgendwie kapier ich das nicht…
    Spiele brauchen keine Handlung (Geschichte), aber so müssen Spiele ihre „Geschichten“ erzählen? Und kommt Spannung nicht auch erst durch eine gut erzählte Geschichte/Handlung zustande? Mir wäre dieses Spiel zu langweilig, das kann ich mir auch in den Livevideos auf der PS4 ansehen. Ein gutes Telltale wie Walking Dead/GoT/Wolf Among Us mit einer schlechteren Optik ist mir jedenfalls lieber als Spazierengehen in einem „Grafikporno“.




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    1. TellTale boykottiere ich persönlich weil die letzten Spiele einfach mies waren. Besonders Game of Thrones.

      Die Geschichte wird dir bei den Telltale Games aufgezwungen. Du musst sie dir ansehen. Das ist wie bei einer RTL2 Soap: die Story läuft automatisch weiter je nachdem was du für Tasten drückst.

      Hier wird gar nichts erzählt über große Teile. Du kannst sogar weggehen wenn etwas passiert. Es gibt keine statischen Zwischensequenzen bei EGTTR. Man muss zwischen den Zeilen lesen. Wenn man das nicht tut, dann ist es einfach vorbei und man hat nichts verstanden.

      Solche intelligenten Spiele spiele ich lieber als alles vorgekaut zu bekommen.

      Rollenspiele sind mein Lieblingsgerne. Nur wähle ich hier stärker aus ob es nicht mehr Sinn macht eine Serie zu gucken statt die Rolle in einer statischen Geschichte zu erleben. Bei FromSoftware Titeln bin ich die Figur mehr als bei allen anderen Spielen, die mir aufzwängen wer ich bin und wie ich aussehe und in welchem Rahmen ich mich entscheiden kann.

      Von daher sind MMORPGs auf RPG-Servern die einzig echten RPGs.
      Und solche Titel wie diese hier sind irgendwo dazwischen und meiner Ansicht nach wichtiger für das Medium Conputerspiel als das x-te Mario oder RPG.




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    2. Dennoch ist überall eine Handlung/Geschichte präsent, sei es nun „aufgezwungen“ wie bei Telltale (es gibt ja auch bessere Serien als ’ne Soap auf RTL2^^) oder versteckt durch viele Hintergrundinformationen (wie bei FromSoftware, nebenbei liebe ich die Souls-Reihe ebenfalls). Liegt ja an jedem selbst, ob er an der Handlung nun interessiert ist oder nicht, ich jedenfalls möchte sie in ca. 90% der Spiele nicht missen.




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    3. Es geht mir tatsächlich darum, dass Spiele nicht darauf angewiesen sein sollten. Sonst kann man meiner Ansicht nach auch besser Serien oder Filme gucken die bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen bessere Stories haben.

      Bei EGTTR ist die Geschichte fast schon unwichtig weil man es mehr durch die Stimmung und das Erkunden der Umgebung mehr über die Geschehnisse erfährt. Das ist übrigens bei den FromSoftware Titeln ähnlich. Und trotzdem gehört die „Lore“ zu dem Besten was es bis dato für mich in Sachen Spielen gab.




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    4. EGTTR ist einfach ein frei zugängliches Myst, Punkt. Dort war die Welt genauso ausgestorben und die Grafik (weil statisch) für die damalige Zeit „revolutionär“.




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    5. Nur ist die Grafik hier bei EBGTTR nicht statisch. Man kann sich komplett aus der Egoperspektive durch das große Gebiet bewegen. Vegetation und andere Elemente wie Wasser reagieren direkt auf den Spieler. Andere Objekte wie Türen oder Spiekgeräte auf dem Spielplatz können benutzt werden (Gibt sogar ne Trophy).

      Sorry aber das Spiel sieht einfach unglaublich gut aus, hat eine meiner Ansicht nach echt guten Ansatz um mal ganz anders in eine Spielewelt einzutauchen und ist nicht statisch.

      Myst hatte starre Bilder und dazwischen Videosequenzen um diese zu verbinden.




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  3. Rollenspiele sind mein Lieblingsgerne. (…) Von daher sind MMORPGs auf RPG-Servern die einzig echten RPGs.

    Dann ist ja jetzt klar, auf welchem System Du unterwegs zu sein hast ;-)




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    1. Dabei sind genau MMORPG sehr schwach auf der Erzählschiene. Guild Wars stach da gerade noch heraus, aber so manches MMORPG könnte nach dem Kredo von Marc gemacht worden sein: Spiele brauchen keine Story. Ist genau der Hauptkritikpunkt von mir und der Grund warum ich kaum MMORPGs spiele.




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    2. Dabei sind genau MMORPG sehr schwach auf der Erzählschiene.

      Naja, es gibt massenweise MMORPGs, die sehr storylastig sind. Dazu gehören SWTOR, The Secret World, LOTRO oder selbst das klassische WoW. Muss man natürlich mögen, alles Geschmackssache.^^




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    3. Ich glaube auch, dass bei den MMORPGs das Hauptproblem ist, dass die ganzen Hektiker stumpf von Fragezeichen zu Ausrufezeichen rennen und null Story mitlesen, sondern Aufgaben nur abarbeiten.
      The Secret World hat richtig viel und richtig coole Story. Allgemein ein richtig cooles Spiel. Nur die Rätselquests sind (mir) zu schwer.




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    4. Naja seit Mass Effect bin ich nicht mehr bereit Text zu lesen. Ich erwarte 2015 komplett synchronisierte gesprochene Dialoge. Text lesen bei RPGs ist 90er und daran kranken gerade viele japanische RPGs! Und Kollege hat mich bei WOW zu einem Probe Monat eingeladen. Sorry, aber das Ding wirkt an allen Ecken und Enden altbacken. Von der Grafik über die UI (die kann man anpassen ich weiss) über das Zielsystem. Da ist ein Neverwinter ihnen um Jahre voraus. Und bei dem vielen Geld das Blizzard mit WOW verdient hat, hätten sie schon mehr in die Pflege des Produkts stecken dürfen. Inzwischen hätten etwa 3x alle Modelle und Grafiken in den 10 Jahren ausgetauscht gehört.




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    5. Wenn Du alles komplett vertont und mit Zwischensequenzen hast wie bspw. bei TESO oder The Secret World, ist es den Leuten auch nicht recht. Sobald man sich zu sehr mit den Quests beschäftigen muss, ist das scheinbar der Masse der Leute zu anstrengend.




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    6. Scheiss auf die Masse. Würde man bei Dark Souls auf die Masse hören, es gäbe das Spiel so nicht. Blizzard nervt schon damit dass sie auf die Masse hören, zu sehr auf sie hören. Beispiel Diablo 3. Zuerst ein echter Schwierigkeitsgrad liefern und auch ein System wo man mehrmals durch die Story sich kämpfen muss, danach das ganze verwässern um nachher nur für die fortschrittenen Spieler doch wieder höhere Schwierigkeitsstufen liefern zu müssen. Oder Counter Strike damals, das spielte ich genau bis Beta 0.72, danach haben sie die Hitboxen vergrössert und es eben leider massentauglich gemacht, sprich man konnte es in der Pfeife rauchen und war unbrauchbar geworden. Darum sind mir inzwischen Nischenspiele lieber, weil sie oft eine kleine aber umso mehr Hardcore Fans haben und der Hersteller kümmert sich einen feuchten Dreck was die Masse an Casualspieler will. Egal ob Supreme Commander, Arma, Dark Souls usw. alles Spielserien die drauf pfeifen was die Masse will.




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    7. @mario L
      ich brauche kein echtes RP in RPGs. Hört sich blöd an aber Action-RPGs sind da mehr mein Ding. MMORPGs haben meiner Ansicht nach das Problem mit dem langweiligen Gameplay: http://www.youtube.com/watch?v=AAupLXzUDy0 Hier spielt man zwar auch eine Rolle aber eben sehr passiv. Was aber auch mal sehr nett und interessant ist – finde ich zumindestens.




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