Achievement unlocked

Achievements, Erfolge, Trophäen – es gibt viele Namen für die relativ neue Erscheinung in der Spielewelt. Gemeint sind Auszeichnungen für das erreichen bestimmter Ziele innerhalb der Spiele. Die Summe dieser Zahlen definiert dann den sog. Gamerscore. Viele Spieler freuen sich über jeden weiteren „Erfolg“ und jagen immer verrückteren Aufgaben hinterher während andere nur fassungslos mit dem Kopf schütteln können. Sinnvolle Ergänzung oder sinnbefreite Profilierung?

Eines meiner liebsten Achiements gibt es bei Half-Life 2: Episode 1: Bei One Free Bullet muss man die komplette Episode mit nur einem Schuss beenden. Bei „Simpsons – The Game“ bekommt man bei Press-START-to-Play schon für das Betätigen der Start-Taste 5 Gamerpoints gutgeschrieben. Im Gegensatz dazu sind die 10G von No Point in Dying für das Durchspielen von LIMBO in einer Sitzung, bei der man nur fünf Mal sterben darf, aufrichtig verdiente Punkte.

Achievements als Gameplay-Element

Manchmal eröffnen Achievements auch völlig neue Spielerfahrungen die es ohne sie nicht gäbe. So stellt man bei Wax On das Spielprinzip von Geometry Wars 2 auf den Kopf in dem man einmal die komplette Begrenzung des Spielfeldes abfliegen muss. Bei Wax Off erklärt sich dann von selber. Interessant ist auch das Acievement bei Red Dead Redemption wo es darum geht eine beliebige Frau irgendwo zu entführen, mit dem Pferd zum Zug zu reiten, sie auf die Schienen zu legen und zuzugucken (!) wie sie überfahren wird. Wer dieses Achievement hat, ist moralisch sicherlich eine fragwürdige Person. Witzig fand ich hingegen folgende Achievement-Reihe:

Das Schöne an Erfolgen ist aber: Sie sind so herrlich bedeutungslos. Wer sich dafür interessiert hat sicherlich dadurch eine weitere Motivationsquelle. Alle anderen schalten die Einblendungen einfach aus – aber bekommen tun sie die Erfolge nach wie vor. Sie haben auch keinen direkten Einfluss auf die Spiele und bilden außerhalb der Spielewelt ein eigenes System. Aber ich glaube, dass genau an dieser Stelle der Reiz der Erfolg zu erklären ist. Diese kleinen Erfolge treiben eine Zahl in die Höhe, die für Mitspieler und virtuelle Freunde über das Internet einsehbar sind. XBOX Live, PSN, Battle.net und Steam sind soziale Netzwerke und die Gemeinsamkeit oder die Unterschiede darin sind neben dem Benutzernamen und dem bunten Bildchen diese Liste der Erfolge.

Während damals das perfekte Durchspielen von Super Mario World mit der Star Road heute nur durch das Hervorkramen des SNES Modules beweisbar war sind heute das Bewältigen des höchsten Schwierigkeitsgrades eines Spiels wie Gears of War für immer im Internet dokumentiert. Man schafft „erschafft“ praktisch etwas, das neben dem Spiel bestand hat. Das ist natürlich ziemlich uninteressant, wenn einem die Personen auf der Freundesliste dieser sozialen Netzwerke egal sind. Deswegen lasse ich, bis auf wenige Ausnahmen, nur Leute auf meine XBOX Live Liste, die ich im echten Leben kenne.

Denn es interessiert mich schon, ob Nico langsam mal GTA4 durchgespielt hat oder Mo und Markus nun auch Suicide Missionary haben. Oder haben Lukas und Martin alle Schädel bei Halo 3? Und spielt Philipp eigentlich endlich mal LIMBO und hat er das erste Geheimnis gefunden so dass ich mit ihm über den Rest des Spieles reden kann ohne ihn zu spoilern? Hat Paul alle Monster in der Ebene bei Final Fantasy XIII erledigt. Das sind genau so bedeutungslose bzw. relevante Informationen wie die aktuellen Einträge bei Facebook.

Das zeigt meiner Meinung nach vor allem eines: Dank der Vernetzung der Spieler durch solche Onlinesysteme ist eine völlig neue Geselligkeit entstanden. Man spielt nämlich nicht immer nur miteinander oder gegeneinander sondern auch mal nebeneinander und holt verrückte Achievements. Ich glaube kaum, dass das Bioshock auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchgespielt hätte, wenn es mir a) nicht ohnehin Spaß gemacht hätte und b) nicht online dokumentiert würde. Für mich sind diese Erfolge eine echte Bereicherung des allgemeinen Spielerlebnisses. Relevant sind für mich allerdings nur die Achievements auf XBOX Live. Das liegt einfach daran, dass dort die meisten Leute sind, die ich kenne und bei denen mich auch deren Achievements interessieren. Rein subjektiv würde ich auch behaupten, dass Trophäen auf PSN und Steam auch nicht den selben Stellenwert haben. Das wiederum mag daran liegen, dass Microsoft einfach zuerst da gewesen ist und alle Spiele auf XBOX Live dem Punktesystem unterliegen.

77 Antworten auf „Achievement unlocked“

  1. Interessant ist auch das Acievement bei Red Dead Redemption wo es darum geht eine beliebige Frau irgendwo zu entführen, mit dem Pferd zum Zug zu reiten, sie auf die Schienen zu legen und zuzugucken (!) wie sie überfahren wird. Wer dieses Achievement hat, ist moralisch sicherlich eine fragwürdige Person.

    Ist er sicher nicht! Wenn jemand von sich aus das besagte tut und dann feststellt, dass er ein Achievement dafür bekommt, hast du recht. Aber wenn jemand das Achievement kennt, und das besagte nur tut, weil er das Achievement und die Gummipunkte dafür haben will, kann man ihm sowas nicht wirklich unterstellen.

    1. Niemand der in einem Spiel böses tut, ist deswegen ein Unmensch. Darin liegt ja der Reiz teilweise auch in einem Spiel. Man kann und tut Dinge die man in der Realität niemals machen würde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.