Richtig spannend wird 3D-Druck erst dann, wenn nicht nur fertige Modelle aus dem Netz gedruckt werden, sondern eigene Ideen Form annehmen. Adapter, Halter, kleine Helfer für den Alltag – Dinge, die exakt passen müssen.
Klassische 3D-Modelle lassen sich mit Programmen wie Blender bauen. Für funktionale Teile ist das aber oft unnötig kompliziert. Deutlich direkter geht es mit dem SCAD-Format – und genau hier spielt ChatGPT seine Stärke aus.
Was ist SCAD?
SCAD (konkret: OpenSCAD) ist keine klassische Modellierungssoftware, sondern beschreibt 3D-Modelle als Code. Statt Punkte zu verschieben oder Flächen zu ziehen, werden Maße, Radien und Höhen als Zahlen definiert. Ein Zylinder ist dann kein Objekt, sondern eine Anweisung: Radius, Höhe, Wandstärke – fertig.
Der große Vorteil: Das Modell ist vollständig parametrierbar. Ändert sich ein Maß, ändert sich das gesamte Objekt reproduzierbar mit. Und die Millimetermaße passen nachher auch in BambuStudio.

Beispiel: Dosenhalter.scad
Ein tolles Beispiel für die Anwendung von SCAD ist der Dosenhalter, den ich mit dem BambuLabs A1 Mini gedruckt habe. Der Code ist sehr einfach und ChatGPT kann hier schnell Änderungen hereinbringen.
Der ChatGPT Prompt war:
“Erstelle für meinen BambuLabs A1 Drucker einen zylindrischen Dosenhalten für meine Dose 90 mm Durchmesser. Das Loch im Zylinder soll 70 mm tief sein. Plane eine Toleranz ein und sorge dafür, dass ich die Dose einfach entnehmen und einsetzen kann.”
Eventuell stellt ChatGPT noch Rückfragen wie „Soll der Dosenhalter einen Boden haben?“ Am Ende kam dann dieser SCAD-Code dabei heraus:
// Creme-Dosen-Halter mit Boden und Fase
// Optimiert für FDM-Druck (z. B. Bambu A1 Mini)
dose_durchmesser = 90.0; // mm
toleranz = 0.3; // mm
inner_radius = (dose_durchmesser / 2) + toleranz;
inner_height = 70; // mm
wall_thickness = 3; // mm
bottom_thickness = 3; // mm
chamfer_height = 1.5; // mm (Fase oben innen)
$fn = 180;
difference() {
// Außenkörper
cylinder(
h = inner_height + bottom_thickness,
r = inner_radius + wall_thickness
);
// Innenloch
translate([0, 0, bottom_thickness])
cylinder(
h = inner_height,
r = inner_radius
);
// Innenfase (oben)
translate([0, 0, bottom_thickness + inner_height - chamfer_height])
cylinder(
h = chamfer_height + 0.01,
r1 = inner_radius,
r2 = inner_radius + chamfer_height
);
}
Tipp: Im Boden sollte man ein Loch lassen, damit die Luft entweichen kann. Das habe ich bei der ersten Version vergessen.
Parameter statt Frickelei in Blender
Genau hier passt ChatGPT perfekt ins Bild. Statt sich durch Menüs zu klicken, beschreibt man einfach, was gebraucht wird:
- Durchmesser einer Dose
- gewünschte Toleranz
- Höhe
- Wand- und Bodenstärke
ChatGPT übersetzt diese Anforderungen direkt in sauberen SCAD-Code. Maße lassen sich später jederzeit anpassen, ohne das Modell neu bauen zu müssen. Das ist besonders praktisch für Alltagsobjekte, die wirklich passen sollen.

Von SCAD zum STL-Format
Bambu Studio kann SCAD-Dateien nicht direkt öffnen. Der Zwischenschritt ist immer ein STL-Export über das kostenlose OpenSCAD für Linux, macOS und Windows.
Der Weg ist einfach:
- SCAD-Code im TextEditor (z.B. Visual Studio Code) schreiben.
- Datei als [Name].scad speichern.
- SCAD-Datei in OpenSCAD öffnen.
- Modell rendern mit F6 (nicht nur Vorschau).
- Unter Datei->Export als STL exportieren
- STL-Datei in Bambu Studio laden und slicen
Damit bleibt der komplette parametrische Ansatz erhalten – bis zum letzten Schritt vor dem Druck. Das ist für komplizierte Gegenstände wie Schrauben.

Unterm Strich ist SCAD in Kombination mit ChatGPT ein erstaunlich effizienter Workflow: keine schwere CAD-Software, keine Frickelei, sondern Parameter und reproduzierbare Ergebnisse. Übrigens: Thingiverse hat eine eigene Kategorie für diese parametrisierten Dateien unter “Customizer”.








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