The Wolf Among Us

The Wolf Among Us spielt in Fabletown, einem fiktiven Stadtteil von New York. Dort jagt der böse Wolf in Menschengestalt zusammen mit Schneewittchen einen Massmörder der ein Faible für abgetrennte Köpfe hat. Die vertrauten Wesen aus den Kindheitsgeschichten suchen in der realen Welt Zuflucht weil sie als Bedrohung wahrgenommen werden. Wer sich von den Fablewesen nicht bei einer Hexe in einen Menschen verzaubern lässt, wird vom bösen Wolf zur Animal Farm deportiert. George Orwell hätte seine Freude an dem modernen Märchen The Wolf Among Us, dass leider neben Grand Theft Auto 5 etwas wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Spielerisch abgehangene Kost

Natürlich hat sich Telltale Games das alles nicht selber ausgedacht. Wie schon der spielerische Vorgänger The Walking Dead basiert auch The Wolf Among Us auf einer Comic-Serie namens Fables. Nur das Episodenformat wurde übernommen sondern ebenso wurde das Spielprinzip recycelt. Man trifft unter Zeitdruck schwerwiegende Entscheidungen die sich direkt auf die weitere Handlung auswirken. Somit spielt man eine 1 ½ stündige Zwischensequenz, die mich bis zur letzten Sekunde vor dem Bildschirm gefesselt hat.

Es wurde aus dem unzumutbar langweiligen Point’n’Click-Genre der pure Spaß destilliert. Keine dämlichen Suchrätsel, die man nur per Google lösen kann, nerven mich als Spieler. Statt Sackgassen ergeben sich durch die Entscheidungen andere Abzweigungen in der Handlung, die man nicht in gut oder schlecht einordnen kann, sondern das angenehme Gefühl von Kontrolle vermitteln und den Spielfluss aufrechterhält.

The Wolf Among Us: Sin City meets Animal Farm

Es war einmal … eine Stadt, die genau so abgefuckt ist wie Sin City aus dem gleichnamigen Film. Nur mit dem Unterschied, dass alles im Cell-Shading-Look so aussieht, als wäre es wirklich der Comicvorlage entsprungen. Der düstere Thematik rund um die Flucht aus dem Märchenparadies und den brutalen Morden wird gekonnt durch passende Musik und den Look zum Lebens erweckt.

The Wolf Among Us - Mr Toad und kleiner Frosch

Ich habe das Spiel noch mal von vorne begonnen, weil die Szene mit Mr. Toad und seinem Sohn, dem kleinen Frosch, so zu Herzen ging, dass ich nicht mit meinen Entscheidungen in der Szene leben konnte. Besonders beeindruckend sind neben den talentierten Sprechern die Animationen der Figuren. Die Grafik ist nicht nur deutlich detaillierter als die bisherigen Spiele des Studios sondern die Figuren wirken lebendig und glaubwürdig. Das Uncanny Valley ist durch den abstrakten Stil in weiter Ferne.

Leider legt das Spiel unfassbar miese Ladezeiten an den Tag. Das wäre an sich nicht so schlimm wenn die nicht die mühsam aufgebaute Immersion darunter leiden müsste. Es kann nicht sein, dass so ein technisch anspruchsloser Titel fünf Sekunden und mehr zwischen den Szenen zum Laden braucht und dann noch die nächsten paar Sekunden unter starken Rucklern leidet.

Dieses war der erste Streich

Die letzte Episode von fünf kommt erst Mitte 2014. Jetzt geht das Warten auf die Zweite los. Der geringe Preis von unter € 20,– für die komplette erste Season und unter € 4,– für eine einzelne Episode ist wenig Geld für diese dichte Unterhaltung. Ich möchte hier nichts von der Story vorwegnehmen. Ich hatte sehr viel Spaß bei dem kurzen Ausflug nach Fabletown und bin garantiert bei der Suche nach dem Mörder wieder das Schaf im Wolfspelz.

Episode 2 – Smoke and Mirrors

Die zweite Folge kann leider nicht mit der ersten Mithalten. Es passiert einfach zu wenig um relevant zu sein. Einzig und alleine der Einstieg ist sehr gut. Danach folgt etwas Langeweile.

Episode 3 – A Crooked Mile

Endlich passiert mal wieder was. Anfang, Ende und der Plot samt Gameplay können überzeugen. Wenn das so bleibt, dann ist es fast schon besser als The Walking Dead.

Episode 4 – In Sheep’s Clothing

Zu früh gefreut. Das hier ist ein kurzer Lückenfüller.

Episode 5 – Cry Wolf

Wow. Einfach nur spannend bis zum Schluss. Besonders das Ende mit seinen Dialogmöglichkeiten ist einfach nur fantastisch. Kaufen und spielen!

Bewertung auf SHORTSCORE.org

The Wolf Among Us: Die technischen Schwächen sollten niemanden abhalten, den stilsicheren Titel mit dem vielleicht abgedrehtesten Spieluniversum einen spannenden Besuch abzustatten.Marc
9
von 10
2015-02-03T16:55:26+00:00

7 Antworten auf „The Wolf Among Us“

  1. Komisch, ich hätte von dir jetzt das Argument erwartet „das ist kein Spiel mehr“.

    „Somit spielt man eine 1 ½ stündige Zwischensequenz […]“ trifft es ziemlich gut – und es ist verdammt gut. Absolut empfehlenswert, wenn man mit reduzierter Interktivität klar kommt.

    Ladezeiten oder Ruckler konnte ich aber keine wahrnehmen (PC). Bei Walking Dead hatte ich noch selten wenige Ruckler wahrnehmen können, allerdings auch nur in späteren Episoden.




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    1. Du spielst sicherlich auf meinen Kommentar auf Heavy Rain an. Im Gegensatz dazu passiert hier mehr und alles was passiert ist direkt relevant für die Story. Deswegen habe ich das hier viel besser wahrgenommen als bei dem schwerfälligen Heavy Rain.




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    2. Heavy Rain war meiner Meinung nach ja auch ein gutes Spiel, aber die Immersion scheint wegen weniger Action und höherer Interaktivität schlechter zu gelingen.




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    3. Ja, Telltale geht den weg, dass jeder Interaktion auch eine direkte Konsequenz auf die Handlung haben muss. Kühlschranktür öffnen gehört nicht dazu. ;-)




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  2. Folge 2 ist sehr gut bisher. Aber was arbeiten dort für schlechte Entwickler? Die Savegames sind 15MB groß, die Performance eine Frechheit und Gegenstände wie der Anstecker schweben zwischen den Fingern der Figuren. Story und Spiel unterhaltsam aber technisch müsste man es boykottieren.




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