Late Shift – Der beste interaktive Spielfilm?

Interaktive Filme oder auch FMV-Spiele sind der Abschaum der Videospiele. Jedenfalls bis heute. Denn normalerweise nervt dieses Genre mit Wiederholungen, schlechter Technik und aufgesetzten Gameplayelementen. Late Shift ist hier seit Jahren die erste positive Ausnahme. Und zwar mit Abstand. Auch wenn ich der Meinung bin, dass gute Spiele keine Handlung nötig haben, ist dies hier eine Ausnahme.

Spannende interaktive Handlung

Schon nach den ersten 10 Minuten steckt man tief in den Schuhen des schüchternen Mathematikstudenten Matt, der sich plötzlich als Komplize in einem Auktionsraub wiederfindet.  Dabei werden in Schlüsselsituationen immer wieder Entscheidungen vom Spieler abgefragt.

Anders als bei den Spielen von Telltale Games läuft bei Late Shift die Handlung gnadenlos weiter. Selbst wenn man nichts macht, fängt das Spiel in der Regel geschickt ab und stellt den Protagonisten als noch schüchterner dar als er ohnehin schon ist.

Mein persönlicher Kinofilm

Die Handlung wurde von Michael R. Johnson, dem Autor des Films Sherlock Holmes (2009), geschrieben. Die aufwendige Produktion bietet den professionellen Schauspielern die passende Bühne.

Täglich grüßt das Murmeltier

Als stand-alone Film würde das Spiel nicht wirklich funktionieren. „Was wäre denn sonst passiert?“ ist das Kopfkino, dass mich als Spieler bei Laune hält. Aus diesem Grund spielt man Late Shift mindestens zwei Mal, wenn nicht sogar drei Mal, durch. Das ist bei einer länge zwischen 50 und 60 Minuten auch kein Problem. Wenn die Handlung allerdings vorgekaut präsentiert würde, dann wäre der Reiz verflogen.

Schlecht abgemischt: Stimmen zu leise

Late Shift ist als iOS Spiel gestartet und muss sich nun auf der PlayStation 4 behaupten. Nun hat man eine direkte Referenz zu anderen Produktionen wie TV Serien auf dem selben Bildschirm und dem selben Soundsystem.

Dabei merkt man dann, dass die Tonabmischung, die es nur im britischen O-Ton gibt, leider die Stimmen verschluckt. Da ich das Spiel zum ersten Mal bei einem Freund durchgespielt habe, dachte ich erst, sein Surroundsystem wäre falsch eingestellt. Zu Hause merkte ich dann aber schnell, dass die Stimmen viel zu leise sind. Im Optionsmenü kann man leider nur die Gesamtlautstärke einstellen. Als ob ich keine Fernbedienung hätte.

Man hat nur wenige Sekunden für seine Entscheidung Zeit
Man hat nur wenige Sekunden für seine Entscheidung Zeit

Untertitel fehlerhaft und leichtes Ruckeln

Somit ist man auf die Untertitel angewiesen. Die orientieren sich im englischen leider nur wage am englischen gesprochenen Wort. Das ist kein Drama aber man ist nun mal auf dem großen Fernseher eine bessere Qualität gewohnt.

Genau so reißt es mich als Spieler immer wieder aus der Immersion, wenn das Spiel zwischen den Entscheidungen gelegentlich kurz stottert. Das Problem trat auch bei unseren beiden PlayStation 4 Pro Systemen auf. Auf einer solchen Hardware sollte man solche Dinge im Griff haben.

Ich bin neidisch

Trotz der technischen Mängel muss man das Spiel für knapp 10 EUR gespielt haben. Es ist clever, kurzweilig und man kann es mit den Leuten spielen, die immer sagen „Videospiele mag ich nicht„.

Late Shift wischt mit der lächerliche Handlung von Beyond: Two Souls oder Heavy Rain den Boden auf und verzichtet dann auch lieber ganz auf aufgesetztes Gameplay. Auch Telltale Games sollten sich warm anziehen. Nur Until Dawn hat mir noch besser gefallen.

Schade. Denn so ein Projekt hätte ich während meines Medieninformatik-Studiums auch gerne umgesetzt. Fabio, wir brauchen „Vorsicht Interaktiv!

Bewertung auf SHORTSCORE.org

Late Shift: Der bislang beste interaktive Spielfilm schafft es mit multiplen Handlungsverläufen auch beim zweiten und dritten Durchspielen interessant zu bleiben.

Late Shift funktioniert, weil es erfahrene Filmleute umgesetzt haben und keine Computernerds, die mal einen Spielfilm machen wollten.
Marc
8
von 10
2017-05-24T11:04:48+00:00

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