Hella Halbmarathon Hamburg

Das Größte für den Hobby-Läufer ist sicherlich der erste Halbmarathon. Ich habe mir dafür den Hella Halbmarathon – von der Reeperbahn, über den Hafen und dann die westliche Alster entlang – ausgesucht. Nach einer einer Nettozeit von 1:47:31 (Urkunde), war es dann auch schon vorbei und ich geschafft, aber überglücklich.

Die Vorbereitung

Mir macht Laufen einfach Spaß. Ich hatte mir das schon länger vorgenommen und habe durch mein Lauftraining in den Mittagspausen (8 km) und an Sonntagen (11 km) auf die 21,1 Kilometer hintrainiert. Ich habe weder Intervalltraining oder längere Stecken als 11 km am Wochenende zur Vorbereitung absolviert. Dafür um so mehr Sonic the Hedgehog (Generations) am Vorabend gespielt.

Einen Tag vorher habe ich aber sehr viel über den Tag hinweg getrunken und mit Martin und meiner Kollegin Katharina „Carbo-Loading“ über die Woche hinweg gemacht. Da ich normalerweise eher Kohlenhydrate in der Nahrung meide, hatte ich zumindest den psychologischen Effekt, dass ich Ernährungstechnisch gut darauf vorbereitet war. Da ich normalerweise immer nüchtern Laufe, mussten morgens ein Espresso mit viel Zucker und eine Banane reichen.

Die Zeit vor dem Start

Ich war super nervös und das schon den Abend vorher. Ein Blick aus dem Fenster am Morgen gab dem Wetterbericht vom Vortag recht: Regen. Habe ich auch alles gepackt? Ist mein Chip auch fest am Schuh befestigt? Soll ich eine Laufjacke anziehen? (Nein!) Als ich dort ankam, war ich überrascht von der unglaublichen Menge an Menschen. 7850 Teilnehmer haben sich nicht durch den Regen abschrecken lassen.

Die heterogene Masse gab dem Event einen richtigen Wettkampfcharakter und lies meine Nervosität weiter steigen. Um 9:50, 10 Minuten vor dem Start, zwängte ich mich bei der Markierung für die Zielzeit von 2 Stunden in die wartenden Läufer.

Lustigerweise stand dann plötzlich mein Freund, Kollege und Trainingspartner Martin neben mir, weil er sich zufällig dort auch eingereiht hatte. Eigentlich wollte ich jede Art von Konkurrenzkampf beim ersten Lauf ausblenden und es einfach schaffen. Das war jetzt natürlich nicht mehr so ohne weiteres möglich.

Hella Halb-Marathon 29.06.2014

Startschuss!

Die letzten Meter im Sprint waren eine Qual
Die letzten Meter waren eine Qual

Dann ging es ganz schnell. Aber nach dem Startschuss und unter tosendem Applaus der Menge passierte erstmal… nichts. Wir standen noch bestimmt 2 Minuten, weil so viele Menschen natürlich nicht sofort in Gang kommen. Die zwei Runden um die Reeperbahn waren toll und auch mein Highlight am gesamten Lauf. Zusammen sind wir durch Trommelmusik und Zuschauer, die uns anfeuerten durch das schöne Hamburg gelaufen. Es fühlte sich fast an wie ein ganz normaler Jogging-Tag um die Alster und ich habe sogar noch Stefan getroffen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bei 11 Kilometern („Das ist Stefan. Das ist Martin“. „Hi!“ „Hallo!“), war aber erstmal wieder Ruhe angesagt und jeder lief weiter sein Tempo. Laufen ist am Ende des Tages dann doch kein Mannschaftssport. Bis Kilometer 16 blieb auch alles relativ entspannt…

Der „Tunnel“
Ich habe nach einer gewissen Zeit beim Laufen diesen Tunnel. Ich begebe mich dann in einen Status, in dem ich mich selber passiv erlebe. Ich weiß, dass ich Laufe aber ich steuere nichts mehr bewusst. Wie einen Schieberegler kann ich dann nur noch schneller oder langsamer einstellen. Je nach Schmerzempfinden geht das gut oder schlecht. Bei 18 Kilometern war mir klar, dass ich noch Reserven habe.

Alle erfahreneren Läufer hatten mir immer gesagt: „Spar die Kräfte für die letzten Kilometer! Lass dich am Anfang nicht mitziehen“. Dank Martin war ich am Anfang nicht gerade langsam gewesen, hatte mich aber nicht völlig verausgabt. Ich habe dann einfach angefangen, den Regler auf Maximum zu stellen und bin vom 18. bis zum 20sten Kilometer an vielen Läufern vorbeigezogen.

Die letzten Meter

Das Überholen hat wirklich Spaß gemacht, aber ich hatte permanent Angst, einen Krampf in den Waden zu bekommen. Ich merkte schon erste Anzeichen und wollte auf gar keinen Fall gehen müssen. Mein einziges Ziel für diesen Tag war insgeheim: nicht Gehen sondern durchgehend Laufen. Das Schild mit der 20 war schon ein kleiner Schock, weil ich eigentlich keinen Bock mehr hatte. Ich bin ohne Musik gelaufen, obwohl mein iPhone und die Kopfhörer bereit gewesen wären. Und obwohl ich noch Leute überholte, wurde ich zunehmend auch überholt. Die Zeit zog sich unendlich lang und ich habe probiert, wieder in den „Tunnel“ zu kommen und einfach an gar nichts zu denken.

Dann endlich die Zielgerade…

Ungefähr so sah der Zieleinlauf in meinem Kopf aus
Ungefähr so sah der Zieleinlauf in meinem Kopf aus

Das war gefühlt so wie in der ersten Folge von Saber Rider, als Fireball im Redfury Racer um die Ecke biegt und durch das Zieltor mit der Digitalanzeige fährt. Der Timer sprang gerade auf 1:49:30 um und ich war noch ein gutes Stück vom Ziel entfernt.  „Wenn ich JETZT nicht anfange zu sprinten, dann bin ich über 1:50:00. Das kann man schon schaffen“.

Also habe ich trotz der mittlerweile schmerzenden Oberschenkel und der Kraftlosigkeit noch mal alles gegeben. Ziellinie. Dort habe ich dann fast geheult, weil ich so fertig war. Ohne den Sprint wäre es noch ok gewesen, aber so war es dann doch etwas heftig. Begrüßung mit Wasser von Esther und Janina im Ziel war super! Als ich dann weiter in Richtung Ausgang wollte, nachdem ich ein paar Minuten gestanden hatte, taten mir die Beine wirklich weh. Ein Tipp: Danach nicht aufhören zu laufen, sondern langsam weitergehen.

hella-halb-marathon-marc-29.06.2014

Regenerierung nach dem Lauf

Ich bin fix und fertig. Nach English Breakfast, Burger und gleich noch Döner, bin ich dann vielleicht auch irgendwann mal satt. Und bei einer Sache kann ich Stefan nur beipflichten:

Danke an alle, die mitgemacht haben!

4 Antworten auf „Hella Halbmarathon Hamburg“

  1. Herzlichen Glückwunsch zu der grandiosen Zeit! Das ist ein sehr schöner Post, Marc! Ich hab das ja selbst schon ein paar mal gemacht (wenn auch nicht mit einer so guten Zeit) und kann insbesondere das paranoide kontrollieren des Chips sehr gut nachvollziehen.

  2. Wenn man jetzt wieder joggt, dann kommt einem das so lächerlich vor. Irgendwie ein witziges Gefühl. :)

    @Stefan
    Danke! Dir gratuliere ich natürlich auch zum ersten Halbmarathon.

    @Ron
    Danke! Wie schnell warst Du denn?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.