Hawaii – Big Island

Big Island ist wie Australien: Im Südosten befindet sich mit Hilo die mit Abstand größte Stadt und im Outback der größten hawaiianischen Insel ist ansonsten nicht sonderlich viel los. Auf Big Island ist mir auch klar geworden, wie unterschiedlich die einzelnen Insel zueinander sind. Während Kaua’i mit einigen Millionen Jahren die Großmutter der Insel ist und O’ahu praktisch ihr Kind darstellt, so ist Big Island of Hawai’i das Baby in der Familie. Einer der aktivsten Vulkane befindet sich zusammen mit vielen anderen inaktiven Vulkanen auf der Insel, die gleichsam ihr Gesicht geformt haben.

Big Island könnte auch aus dem Spiel From Dusk stammen
Big Island könnte auch aus dem Spiel From Dust stammen

Der Vulkan Kīlauea

Kīlauea ist aktiv aber der Krater ist zu weit oben und zu gefährlich, um ohne Hubschrauber über den Rand schauen zu können. Ab und zu vernichtet der Lavaausfluss, der zum Teil auch unterirdisch verläuft, ganze Landstriche und schafft gleichzeitig dadurch auch neues Land. Zwar kann man über diese kilometerlange, schwarze Vulkangestein Landschaft laufen aber aktive Lavaströme sind aktuell nicht zu finden. Das war mal anders als 1960 die Lava sich langsam einen der schönsten Strände von Big Island inklusive Urwald förmlich aufgegessen hat, um sich dann ins Meer zu ergießen. Als ich am schwarzen Lavasandstrand landeinwärts guckte und die riesigen Wellen hinter mir brachen, blickte ich auf die verbrannte Fläche aus altem, geschmolzenem Gestein und sah am Horizont, wie sich der Urwald langsam von den Bergen wieder in Richtung Küste ausbreitet, um sich das wiederzuholen, was die Lava einst vernichtet hatte. Da wurde mir klar, dass ich definitiv zu Hause sofort wieder das geniale Spiel From Dust spielen muss.

Aber ich habe mich natürlich nicht mit der Aussage der Touristeninformationsstelle abgegeben, dass man im Moment keine aktive Lava per Fußweg erreichen kann und habe für 6 Stunden die ganze Insel telefonisch verrückt gemacht. Danach war mir zwar klar, dass es wohl auf dem Landweg wirklich unmöglich ist nah an die Lava ranzukommen. Ein weiterer Helikopterflug war finanziell nicht drin und irgendwie will man ja auch weniger als 100 Meter an die heiße Lava ran. Also haben wir einen netten, persönlichen Guide namens Josh angesprochen, der gute Kontakte zu den Menschen hat, die Abenteuerlustige mit dem Speedboat bis auf zwei Meter an den Ort bringen, wo die Lava sich gerade ins Meer ergießt.

Ganz unten waren wir mit dem Boot. - Map Courtesy USGS - Hawaiian Volcano Observatory
Ganz unten waren wir mit dem Boot. – Map Courtesy USGS – Hawaiian Volcano Observatory

Mit dem Speedboat zur Lava

Hell yeah! Als der Captain uns hat unterschreiben lassen, dass wir jegliches Risiko bezüglich des dreistündigen Trips mit dem Boot selber tragen, dachte ich es würde hauptsächlich um die Gefahr durch die Lava selber gehen. Nach 20 Sekunden im dem Boot war klar, dass es um die eigentliche Fahrt mit dem Boot geht! Fallschirmspringen? Helikopterflüge? Alles nichts gegen das Gefühl in dem Moment, wenn das Boot den Kontakt zu Wasser verliert und sich mit leichter seitenlange donnernd auf das Wasser knallt. Zur Beruhigung lief alte Reggae-Musik und als ich mich nach zehn Minuten an den Ritt gewöhnt hatte, konnte ich auch die wunderschöne Küste von Big Island genießen. Diese hat sehr wenig Strände aber dafür steile Klippen, an denen die Wellen meterhoch zerschellen und sich langsam wieder als kleinste Partikel ins Meer rieseln. Wunderschön und gefährlich zugleich, denn wir sind praktisch direkt neben den Klippen hergefahren. Leider wurde ich so extrem durchgerüttelt, dass ein Filmen dieses Rittes unmöglich war.

Nach einer Dreiviertelstunde Adrenalin sahen wir schon am Horizont die riesige Dampfwolke aufsteigen. Wir sind aber trotzdem sehr nah an die explodierende Masse immer wieder rangefahren und haben dort sicherlich 20 Minuten verbracht. Es war heiß, laut und man sah zwischen den Unmengen an Meermasserdampf immer wieder die glühende Lava ins Meer fallen. In solchen Momenten merke ich immer, wie lächerlich unsere Existenz als Mensch eigentlich auf diesem Planeten ist. Wir sitzen auf einer heissen Kugel voller geschmolzenem Gestein und dürfen uns glücklich schätzen, dass uns der Planet nicht schon lange vom Erdboden hat verschwinden lassen.

 

Video

Die lauten Vögel in den Bäumen

Wenn man abends durch Gebiete mit vielen Bäumen streift, dann kann man das laute Piepen gar nicht überhören. Zu meinem Erstaunen kommen die Geräusche nicht von Vögeln sondern von winzig kleinen Fröschen, deren Eier angeblich Walmart aus Versehen nach Big Island eingeführt hat. Nun sind sie wie die Hühner auf Kauai eine echte Plage, die man mit allen Mitteln versucht zu bekämpfen.

Beware of falling coconuts

Rainbow Falls und Coconut Island

Ich mag diese Namensgebung der Amerikaner. Es gibt auf O’ahu zum Beispiel einen Strand der „Electric Beach“ heißt. Warum? Weil dort das Kraftwerk zur Stromerzeugung steht. Manchmal ist es auch cool, eine eher junge Geschichte als Land zu haben.

Die Rainbow Falls waren locker zu Fuß von unserem Haus erreichbar und zeigen tatsächlich morgens sehr früh einen Regenbogen. Da man hier aber mit wunderschönen Regenbögen überschüttet wird und ich keinen Bock hatte vor Sonnenaufgang dort den Berg durch den Urwald hochzustiefeln, gab es nur die Falls ohne Rainbow.

Coconut Island ist eine klitzekleine Insel am Meer direkt in der Hauptstadt Hilo. Darauf ist auch nichts weiter als ein kleiner Platz, auf dem Hulatänze aufgeführt werden. Eigentlich super umspannend dort aber da Big Island touristisch nicht so überlaufen ist, haben solche Orte schon fast etwas mystisches, weil nicht so viel los ist.

Ich könnte noch stundenlang die einzelnen Orte vorstellen, an denen wir waren. Oft habe ich auch gar keine Fotos gemacht, weil es einfach so einnehmend war, dass ich es schlicht vergessen habe, zu fotografieren. Ich kann nur jedem empfehlen sich vor Ort jemanden zu suchen, der „seine Insel“ vorstellt. Die typischen Touristenziele sind zwar nett aber die richtig coolen Plätze und Hintergründe kennen nur die Menschen, die dort leben. Auf O’ahu war das bei uns Attila, auf Kauai unser Couchsurfing-Host Rick und auf Big Island unser Guide von Mauka Kakai Adventures Josh Grotkin. Letzter ist „born and raised on Hawaii“ und hatte uns zu der Tour Passionfruits und Bananen aus seinem Garten mitgebracht. Zusammen mit der Bootstour zur Lava waren dass dann zwar $215 pro Person aber das hat sich absolut gelohnt. Durch das Couchsurfing auf Kauai haben wir ohnehin etwas Geld gespart. Und wie in jedem Urlaub fragt man bezüglich des Essens einfach die Einwohner vor Ort und entdeckt dann in irgendwelchen Seitenstraßen die verrücktesten veganen Restaurants, die auch noch bezahlbar sind.

Zurück nach Honolulu

Nun geht es noch mal für ein paar Tage zum entspannen zur Insel O’ahu in die Stadt Honolulu um mit Attila and Friends noch ein paar Tage gemeinsam zu verbringen.

2 Antworten auf „Hawaii – Big Island“

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