Ich als alter Stubenhocker finde die Arbeit zu Hause großartig. Der lästige Overhead der Anreise ins Büro und zum Mittagessen entfällt. Gleichzeitig ist man nah bei den Kindern. Die danken mir das wiederum mit ihrer Zuneigung. Meine Zoom- und Slack-Konferenzteilnehmer haben die Twins mittlerweile zumindest einmal gehört. Niemand kommt rein. Jegliche Kommunikation läuft kanalisiert über Slack, Zoom, Mail, GoogleDrive und Jira.

Nein, ich meine das ernst!

Ich war schon immer gerne zu Hause. Viele meiner Hobbies mache ich im Haus. Und selbst das Laufen durch den Wald ist in diesen Zeiten möglich. Ich brauche weder andere Menschen noch ein Fitnessstudio dafür. Zudem ist es mir möglich, meine Aufgaben frei über den Tag zu verteilen. Den Kollegen und Kunden kommt man so gefühlt näher als sonst, weil jeder in seiner privaten Umgebung anzutreffen ist.

„Oh, du spielst Klavier oder warum steht dort ein Keyboard?“.

„Ja, ich habe einen YouTube Kanal mit Songs. Schick ich dir gleich.“.

„Wow, danke!“

Hört auf zu jammern!

Wenn man gerade arbeiten darf, dann ist das ein echtes Privileg. Viele anderen Menschen dürfen oder können schlicht nicht arbeiten oder sind mitten im Auge des Sturm an den Krankenhäusern und Kassen. Wir Bürohengste müssen nichts weiter tun als zu Hause zu bleiben und dürfen alles genauso machen wie vorher. Gleichzeitig bekommen wir volles Gehalt. Danke!

Pancakes zu Mittag oder Lasagne zum Frühstück. Im Home Office kein Problem.

Mit Kindern im Home Office

Unsere Kinder sind für mich wie eine Delfintherapie in anstrengenden Telkos. Mit den kleinen kuscheln hilft mir enorm, mich in der mentalen Balance zu halten. Für unsere Zwillinge ist es ebenfalls toll. Denn so sehen sie ihre Eltern insgesamt öfter als wenn wir sie jeden Tag in die Kita schicken würden.

Zuhause arbeiten war auf Anfrage vorher schon möglich

Glücklicherweise ist Home Office für mich auch nichts besonderes. Ich musste mir nicht erst ein Büro oder spezielle Software einrichten. Unser Schreibtisch steht im Gästezimmer bzw. Arbeitszimmer und ist nicht mal einen Meter breit. Mein Arbeitsgerät ist mein MacBook Pro. Ich besitze keinen anderen Computer. Auch nicht privat. Nicht mal mehr ein iPad. Ich könnte 100% Produktivität an jedem Ort der Welt erreichen, an dem ich LTE empfang habe.

Allerdings ist es für mich sehr wichtig, dass ich nach der Arbeit den Schreibtisch im Arbeitszimmer nicht mehr benutze und die Tür dazu schließe. Somit habe ich Arbeits- und Privatleben aktiv getrennt. Diesen Blogartikel schreibe ich auf unserem Sofa und nicht im privaten „Büro“. Mein iPhone ist im do-not-disturb Modus und lässt nur wichtige Nummern durch. Meine Apple Watch vibriert entsprechend auch nur bei relevanten Nachrichten. Generell sind für mich Medien wie Mail und WhatsApp Pull- und keine Pushmedien. Das Alles hilft mir, die Kontrolle zu behalten.

Selektive Wahrnehmung ist mein Kryptonit

Meine größte Schwäche und zugleich größte Stärke ist meine visuelle und auditive Wahrnehmung. Wenn ich mich auf etwas konzentriere, dann ist Alles um mich herum schwarz. Ich brauche keine teuren Noise Cancelling Kopfhörer (kaufen) um den Ton auszublenden. Nervt meine Frau übrigens tierisch, wenn ich die Kinder weder nachts noch tagsüber schreien höre. Aber es hilft, in einem Haushalt mit zwei Kleinkindern sich trotzdem konzentrieren zu können. Wobei es natürlich auch noch außerordentlich praktisch ist, dass wir Zwillinge haben. Die Beiden spielen sehr gerne miteinander, sodass wir mehr Ruhe haben.

Die technische Infrastruktur ist vorhanden

Bevor wir unsere Doppelhaushälfte gekauft haben, habe ich nachgeschaut, wieviel MBit an Down- und vor allem Upstream möglich sind. 250/40 Mbit? Super, ist gekauft. Denn nicht nur Twitch-Streaming, Shareplay und Cloud-Uploads brauchen Upstream, sondern eben auch Video-Anrufe und Arbeiten in der Cloud. Zusätzlich zum Router funken zwei verkabelte Access-Points ein 900 Mbit Mesh-Wifi durchs Haus. Das sorgt dafür, dass man sich mit Wifi-Roaming frei im Haus ohne Abbruch der Verbindung bewegen kann.

Umzug hat geholfen

Ehrlicherweise spielt der kürzliche Umzug in mehrerlei Hinsicht eine wichtige Rolle bei der Zufriedenheit im Haus. Zum Einen haben wir natürlich schon mal mehr Platz. Zum Anderen ist die neue Umgebung auch neu und spannend für uns. Auch der kleine aber abgeschlossene Garten ist ein toller Spielplatz für die Kids. Zu guter Letzt sind wir weniger als 100 Meter von einem See entfernt. Der Abschluss eines jeden Arbeitstages ist einmal mit den Kindern um den See zu laufen und die Wege drumherum zu erkunden. Wir fühlen uns gerade wie in einem Ferienhausurlaub mit den Kindern.

Der blaue See neben unserem Haus im Naturschutzgebiet

Digitale und analoge Geselligkeit

Für viele Singles ist die erzwungene Isolation ein Desaster. Als Familienvater ist die „Zwangshaft“ zusammen mit der Familie auch nicht immer einfach, aber grundsätzlich schön. Dazu kommt, dass ich sowieso gerne telefoniere und Videospiele auch mal gerne im Multiplayer mit Sprachchat spiele. Das ist kein Unterschied zu anderen Phasen in meinem Leben. Das mache ich sogar mittlerweile lieber als wenn ich in einer stinkenden Kneipe mein Bier teuer bezahlen muss.

Zusätzlich kam mein Arbeitgeber auf die gute Idee, jeden morgen einen freiwilligen social call in Zoom in den jeweiligen Teams zu starten. Das heißt, wir sitzen mit Kaffee und Kindern von den Bildschirmen und reden über die aktuelle Situation. Das hilft allen Beteiligten sehr.

Keine lokalen Dateien mehr

Jeden Tag werden leider Dokumente noch lokal auf dem Computer gespeichert oder als Datei an Mails angehängt. Und dann sollen die Dokumente im schlimmsten Fall noch bearbeitet und zurückgeschickt werden. Das Verhalten führt in Gruppen sofort zu einem Produktivitätsstop weil immer nur einer etwas daran ändern kann. Deswegen vermeide ich es vollständig jegliche Dateien lokal auf meinem Rechner zu speichern.

Zusammengefasst in 8 Schritten

Zusammengefasst bedeutet das für Arbeitsalltag im Home Office:

  1. Räumliche Trennung von privaten und beruflichen Aufgaben.
  2. Technische Ausstattung wie Kamera und Internet auf ein professionelles Niveau heben.
  3. Mail und Chats sind spätestens nach Feierabend Pull- und keine Pushmedien.
  4. Telkos und Videochats mit Kindern ausprobieren.
  5. Ausrechnen, wie viel Zeit man durch die kurze Wege spart und diese in die Familie investieren.
  6. Die flexiblere Arbeitszeit nutzen. Dabei Stunden aufschreiben damit es nicht überhand nimmt.
  7. Klare Regelungen, wann die Kinder und Partner reinkommen können. Das kann z.B. ein durch die Kinder gestaltetes Türschild sein.
  8. Duschen und Hemd anziehen nicht vergessen. Das macht man nicht nur für seine Gesprächspartner im Videochat sondern auch für das eigene Wohlbefinden.

Mehr davon, wenn alles vorbei ist

Die Ausgangssperre wird unser Leben verändern. Für mich persönlich steht fest, dass ich in Zukunft mehr Home Office machen möchte. Und zwar nicht nur bei Bedarf, sondern gerne an einem festen Tag in der Woche. Das ist gut für mich, für die Familie und auch für den Arbeitgeber. Einen Tag nur durchs digitale Schlüsselloch kontaktiert werden und Aufgaben ungestörter sortieren zu können, wirkt sich positiv auf das Arbeitsergebnis aus. Denn nun werden viele gemerkt haben, dass man im Home Office tendenziell sogar mehr als weniger arbeitet.

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5 Kommentare

  1. Nach langer Abstinenz und JTR freien Zeit ich mal wieder:

    Das stimmt alles. Ich bin auch seit drei Wochen in Zwang-Homeoffice und musste erschreckend feststellen, dass vieles sehr viel effektiver abläuft. Oft geht schon sehr viel Zeit für das Reisen von Standort A nach B verloren nur um dort eine Sitzung zu haben. Außerdem wird in solchen Terminen vor Ort viel zu lange um den heißen Brei herum geredet.

    In Skype Konferenzen läuft das alles sehr viel konzentrierter ab und die Themen sind oft in 30 Minuten statt 2 Stunden zu Ende diskutiert. Ich denke jetzt in der Krise werden viele Firmen auch merken, dass sehr viele Dienstreisen nicht erforderlich sind, vieles auch über Skype geht und die Leute auch von Zuhause aus produktiv arbeiten können. Die Vorgesetzten haben zwar weniger Überwachung, aber die Ergebnisse am Ende sind doch relevant und sichtbar.

    1. Lustigerweise sehen das die wenigsten Menschen so positiv wie du. Ich hatte hier mit mehr Gegenwind gerechnet.

  2. Ich befinde mich nun seit knapp 6 Wochen im HomeOffice. Grundsätzlich hat sich bezüglich meiner Arbeit nicht viel verändert, denn solange eine stabile Internetverbindung vorhanden ist, kann ich genauso effektiv von zu Hause arbeiten wie im Büro.

    Dennoch wäre HomeOffice für mich kein Dauerzustand. 1-2 Tage könnte ich mir zwar nach Corona gut vorstellen, ansonsten freue ich mich aber wieder auf den ersten Tag im Büro und auf meine Kollegen. Selbst die Fahrt zur Arbeit hin und zurück ist eine willkommene Abwechslung und lässt einen Abschalten.
    All das, weiß ich in diesen Zeiten wirklich wieder zu schätzen.

  3. ad) Keine lokalen Dateien mehr
    So unterscheiden sich die Welten. Der Norden Ghanas verlangt das genaue Gegenteil. Die Cloud wird zur Last, weil man bei ausgefallenem Mobilfunk (ca. 3 Mal die Woche) und ausgefallenem Strom (jeden Tag mal) einfach nix mehr machen kann. Man lernt den lokalen Speicher schnell wieder zu schätzen ;)

    1. Krass! Klar Gabe, an dich habe ich auch am wenigsten gedacht, als ich Wolfgang Blau hier zitiert habe. ;-)
      Und danke fürs Kommentieren. Nun kenne ich endlich deinen Blog!

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