Das Apple iPad manifestiert in gewisser Hinsicht genau die Idee von einem Computer der Zukunft, wie ich sie mir zu meiner Schulzeit gewünscht habe: ein cooles Gerät, dass ohne Fachwissen bedient werden kann und dazu noch ein perfekter Ersatz für Bücher darstellt. Mit einer Sache kann ich mich aber ganz und gar nicht anfreunden: Das es als mögliche Spieleplattform gefeiert wird.

Das Apple iPad wird gleich zu Anfang alle Spiele des Apple iPhone Stores unterstützen. Durch den größeren Bildschirm werden diese ohne spezielle Anpassung an die neue Hardware um das vierfache hoch skaliert. Dazu wird die Steuerung durch Neigen des Gerätes so wie der Multitouchscreen vom iPhone bzw. iPod Touch beibehalten. Gepaart mit einem speziellen Prozessor von Apple. So weit so gut.

Der Ego-Shooter N.O.V.A. von Gameloft auf dem iPad
Der Ego-Shooter N.O.V.A. von Gameloft auf dem iPad

Präzision

Auf der Keynote wurde eine iPad-Version vom Ego-Shooter N.O.V.A. von Gameloft gezeigt. Während das Spiel rein optisch schon nicht über schlechteres GameCube-Niveau hinaus kam musste ich sofort daran denken, wie schlimm und unpräzise das wohl zu steuern ist. Während sich auf der Xbox 360 und PlayStation 3 Gedanken über jede Millisekunde Verzögerung macht, scheint es beim iPhone und somit auch beim iPad gar nicht darauf anzukommen wie sich die Spiele steuern. Ähnlich wie der 3D-Shooter-Steuerung der Wii wird dann aus einem Doom 3 einfach mal Rail-Shooter gemacht, bei dem man nur noch die Ziele anvisieren muss aber man sich nicht selber bewegen kann sondern wie auf Schienen durch die Level geht.

Was bleibt ist noch die Möglichkeit die Position des iPads als analoge Eingabe zu nutzen wie die Need for Speed Demo auf der Keynote anschaulich gezeigt hat. Doch auch hier sehe ich kein Potential für eine ausreichende Präzision für ernsthafte Spielideen. Das ein Touchscreen nicht gerade dazu geeignet ist, ein Joypad oder gar eine Maus zu ersetzten zeigt auch sehr schön das Video von der Keynote als Gameloft sein N.O.V.A. für das iPhone präsentierte und beim  Zoomen an einen Gegner selbst der eingeflogene Spieler mit der Steuerung während der Präsentation überfordert gewesen ist: Kein Spielgefühl: Gameloft Nova FPS auf dem iPhone

Echtzeit-Strategie-Spiele würden zu blutenden Fingern führen
Echtzeit-Strategie-Spiele würden zu blutenden Fingern führen

Ausdauer

Es freuen sich schon die Leute, die sich mit ihrem iPhone schon für „Spieler“ halten auf die ersten Echtzeit-Strategie-Spiele im Stil von Command & Conquer. Diese Leute spielen in Wirklichkeit nicht  mehr als 10 Minuten den x-ten Tower Defence-Clone auf ihrem iPhone und Stufen das unter „Gaming“ ein. Wer mal länger mit einem Touchpad-Device wie z.B. dem Nintendo DS gespielt hat wird wissen, dass es schon eine ziemlich ermüdende Sache ist mit dem Stylus so etwas wie Anno 1701 zu spielen. Man stelle sich nun vor wie man stundenlang mit dem bloßen Finger auf dem iPad auf der Karte rumscrollt und so auch noch Einheiten markiert und Menüs bedient.

499$ aufwärts für ein Spielzeug?
499$ aufwärts für ein Spielzeug?

Der Preis

Ein Spielegerät, dass bei 499$ anfängt kann man fast gar nicht als Spielzeug bezeichnen. Die Kernfunktionalität liegt auch auf etwas völlig anderen und das wird das iPad sehr wahrscheinlich brillant umsetzten: (Hyper)-Texte ins Wohnzimmer holen und einfacher erlebbar machen. Also im Prinzip das, was die meisten Leute heute mit ihrem Netbook tun wird das iPad sehr viel intuitiver gestalten. Wenn die großen Spieleentwickler aber ernsthaft für dieses Gerät entwickeln sollen fernab von Minispielchen wie Ancient Frog oder WordCrasher dann muss sich das Gerät auch in der Zielgruppe der spielenden Leute verbreiten. Und das sehe ich persönlich bei so einem hohen Preis nicht.

Wird so ein typisches iPad-Spiel aussehen?
Wird so ein typisches iPad-Spiel aussehen?

Fazit

Letztendlich wird es genügend Spiele für das iPad geben und die werden sicherlich genau so erfolgreich sein wie auf dem iPhone auch. Wie schon bei der Wii, die wider Erwarten ein kommerzieller Erfolg wurde hat sich schnell herausgestellt, dass nicht alle Spiele auf jeder Plattform und in jeder Zielgruppe funktionieren. Genau so wie es auf der Nintendo Wii und dem Nintendo DS keine ernst zunehmenden erwachsenen Spiele gibt wird es beim iPhone auch kein Final Fantasy oder Halo für das iPad geben. Vielleicht bekommt das iPad dann sogar eine spezielle Command and Conquer-Version von Electronic Arts spendiert. Aber diese wird wohl nicht dem entsprechen was wir uns vielleicht wünschen würden. Multitouch ist nicht die Antwort auf ein besseres Spielerlebnis. Das wird wohl erst in ferner Zukunft eine Konsole mit Augmented Reality, echtem 3D-Interface und viel mehr Rechenkraft umsetzten können. Dann kommen wir solchen Visionen wie in diesem fiktiven Trailer wohl irgendwann nahe: http://www.youtube.com/watch?v=5ohNzHWL7FI

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21 Kommentare

  1. Das iPad als Spielplattform ist sicher nicht mit einer PSP oder einem DS zu vergleichen, aber es ist doch gerade wegen des Multitouchs, dem Beschleunigungsensor, etc. ein sehr reizvolles Gerät für viele neue Idee und Konzepte oder Adaptierungen von Echtweltspielen in die virtuelle Welt.

    Der Spielemarkt auf dem iPad wird sicher sehr casual, aber meiner Meinung nach hochwertiger als auf dem iPhone da es keine „auf den Bus warten” Spiele geben wird. Die Preise werden vermutlich auch steigen, schätzungsweise 15-20 Euro pro Premium-Titel.

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