Zero Latency Hannover: Far Cry VR im Free-Roam-Test

Mitten auf der Lister Meile in Hannover und nur ein paar Minuten von unserem Büro entfernt befindet sich Zero Latency. Von außen eher unscheinbar, innen aber überraschend groß und ziemlich schick.

Wir waren zu fünft dort und haben „Far Cry VR: Dive into Insanity“ gespielt. Mit kabellosen VR-Brillen, Waffen in der Hand und vor allem: einer großen Halle, in der man tatsächlich frei herumlaufen kann. Und genau das macht am Ende den Unterschied.

Far Cry VR im Koop mit bis zu acht Spielern

Far Cry VR: Dive into Insanity ist eine ungefähr 30 Minuten lange Koop-Episode im Universum von Far Cry 3. Spielen können bis zu acht Personen gleichzeitig. Diese Version ist exklusiv bei der Zero-Latency-Kette spielbar, die weltweit Locations besitzt.

Das Ganze ist sogenanntes Free-Roam-VR. Man bewegt sich also nicht per Analogstick oder Teleport durch die virtuelle Welt, sondern läuft wirklich durch die Halle. Keine Kabel, kein Rucksack, einfach loslaufen. Natürlich ist die Welt im Spiel am Ende nur genauso groß wie die echte Halle. Bevor man irgendwo gegenläuft oder einem Mitspieler zu nahe kommt, vibriert die Waffe und das Blickfeld wird rot. Das funktioniert erstaunlich gut.

Besonders lustig wird es, wenn man im Spiel über eine schmale Brücke läuft und darunter ein riesiger Abgrund zu sehen ist. Man weiß natürlich ganz genau: Da ist nichts. Unter mir ist einfach nur Hallenboden. Trotzdem denkt der Kopf kurz: lieber langsam herübergehen.

Von rechts nach links: 2🍺, Patrick, Marius, Philipp und ich:Die Crew auf Raum 305 ballert auch virtuell im Coop gut was weg

Koop-Spiel mit eingebautem Konkurrenzkampf

Im Spiel konnten wir zwischen einer Schnellfeuerwaffe und einer Armbrust wechseln. Eigentlich spielt man gemeinsam gegen die Gegner. Gleichzeitig läuft aber permanent eine Rangliste innerhalb der Gruppe mit.

Für Abschüsse und Headshots gibt es Punkte. Damit wird aus dem gemütlichen Koop-Spiel natürlich relativ schnell die Frage: Wer von uns hat am Ende die meisten Kills? Friendly Fire gibt es zum Glück nicht. Die Gruppe wird während des Spiels außerdem immer wieder aufgeteilt. Dadurch entstehen kleinere Teams, die unterschiedliche Wege gehen. Wer das Ganze maximal taktisch spielen möchte, sollte sich vermutlich immer an denjenigen halten, der gerade Letzter in der Rangliste ist. Dann bleiben mehr Gegner für einen selbst übrig.

VIDEO: Zusammenschnitt der Action als 25-Minütiges Video mit Spielszenen.

Motion Sickness: Mein alter VR-Endgegner

Leider habe ich bei VR immer noch dasselbe Problem: Motion Sickness. Egal welche VR-Brille ich bisher ausprobiert habe, irgendwann meldet sich mein Magen.

Auch nach den rund 30 Minuten bei Zero Latency war mir leicht flau. Nicht so schlimm wie bei Gran Turismo mit PSVR2 oder damals bei Driveclub VR auf der ersten PlayStation VR. Das waren für mich teilweise echte Magen-Endgegner. Aber komplett ohne war es auch hier nicht.

Dabei macht Zero Latency eigentlich einiges richtig. Rund um die Spielfläche stehen unter anderem Ventilatoren, die permanent Luft in den Raum blasen. Das hilft tatsächlich etwas dabei, dem Körper zusätzliche Orientierung zu geben. Bei mir hat es ungefähr halb funktioniert.

Dafür waren wir nach der Runde alle komplett nass geschwitzt. Und nein: In der Halle war es eigentlich gar nicht besonders warm. Es ist vermutlich einfach die Mischung aus Bewegung, Konzentration und einer warmen VR-Brille direkt im Gesicht.

Die Grafik gewinnt keinen Preis

Grafisch hat mich Far Cry VR: Dive into Insanity nicht umgehauen. Es sieht okay aus, mehr aber auch nicht.

Zwischendurch gab es außerdem kleinere Ruckler oder sehr kurze Aussetzer. Auf einem normalen Bildschirm wäre das vermutlich kaum erwähnenswert. In VR merkt man so etwas sofort.

Allerdings ist die Grafik bei so einem Spiel meiner Meinung nach gar nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist das Tracking. Und das war wirklich gut.

Die Position im Raum wurde sehr präzise erkannt und vor allem die Waffen fühlten sich erstaunlich direkt an. Wenn ich irgendwo hingezielt habe, war die virtuelle Waffe auch genau dort. Für einen VR-Shooter ist mir das deutlich wichtiger als irgendwelche ultrarealistischen Texturen.

VR funktioniert für mich besser als Event

Ich habe VR für zu Hause schon öfter mit einer Achterbahn im Garten verglichen. Am Anfang wäre das vermutlich das Größte überhaupt. Nach ein paar Wochen würde man wahrscheinlich nur noch aus dem Fenster schauen und denken: Ach ja. Die Achterbahn. Genau so geht es mir mit VR. Der Wow-Effekt ist riesig. Bei regelmäßiger Nutzung nutzt er sich bei mir aber relativ schnell ab.

Dazu kommt der ganze Aufwand. Die Hardware ist teuer, die Brillen liegen herum und für Room-Scale oder echtes Free-Roam braucht man absurd viel Platz. Und genau deshalb finde ich das Konzept von Zero Latency ziemlich clever. Man macht daraus einfach ein Event. Mit Freunden oder Kollegen hinfahren, eine Stunde Spaß haben und danach wieder nach Hause. Keine Hardware kaufen, kein Wohnzimmer umräumen und keine Sensoren irgendwo an die Wand schrauben.

Zwei Männer mit VR-Headsets und Controllern in einer Zero-Latency-VR-Spielhalle
Die schlanken kabellosen Headsets waren angenehm zu tragen.

Auch Zuschauen funktioniert überraschend gut

Gut gefallen hat mir auch der Spectator Mode. Vor der Halle hängen große Bildschirme, auf denen andere Leute verfolgen können, was die Spieler gerade in der virtuellen Welt sehen. Dadurch sieht das Ganze auch von außen ziemlich cool aus. Man steht also nicht einfach irgendwo herum und wartet darauf, dass die anderen fertig sind. Auch unser Coach war super nett und hat uns vorher verständlich erklärt, wie das Ganze funktioniert.

Mein Tipp für Zero Latency Hannover

Wenn ihr es ausprobieren wollt, würde ich nicht unbedingt am Wochenende hingehen. Wir waren unter der Woche am Nachmittag dort und es waren gerade einmal zwei Gruppen vor Ort. Sehr entspannt.

Für mich ist Zero Latency tatsächlich eine der sinnvollsten Arten, VR zu nutzen. Große Spielfläche, gute Technik, kein Kabelsalat und vor allem ein Erlebnis, das man gemeinsam mit anderen macht. So macht VR wirklich Spaß.

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