Wildcamping in Norwegen: Hardangervidda 2026

Nach dem ersten gescheiterten Versuch wollten Sebastian, Sören und ich es noch einmal wissen: einmal durch die Hardangervidda, Europas größte Hochebene. Der Plan: fünf Tage Wildcamping, Schnee, Sturm, Rucksack, Zelt und möglichst wenig Jammern. Diesmal hatte Sebastian eine Route durch die westliche Hardangervidda auf Komoot geplant.

Video: Eindrücke von der westlichen Hardangervidda in Norwegen

Schlechte Materialien beim Ultraleicht-Trekking

Am Morgen nach der ersten Nacht wachten wir bei 4 Grad und Sturm auf. 21 Kilometer hatten wir am Vortag schon hinter uns gebracht, allein am ersten Tag, quer durch die raue Natur Norwegens. Der Schlaf war also bitter nötig. Über der Baumgrenze lag noch Schnee, der Wind peitschte uns um die Ohren. Dann knackte es plötzlich laut. Direkt danach: „Scheiße!“

Eine Zeltstange war im Sturm einfach durchgebrochen. Zum Glück passierte das nicht tiefer in der Hardangervidda. Zu zweit in einem der kleinen Zelte zu schlafen, wäre kein Spaß geworden.

Genau daran merkt man aber auch, dass diese Hochebene ihrem Ruf gerecht wird: Sie ist unberechenbar. Sonne, Schnee, Sturm, Regen – hier kann innerhalb weniger Stunden alles passieren. Also sind wir die 21 Kilometer wieder zurückgelaufen. Aus fünf geplanten Tagen wurden eine Nacht und zwei lange Märsche.

Das ist kein „Wandern“ mehr

Diesmal waren wir im westlichen Teil der Hochebene unterwegs. Weniger Sumpf, dafür noch hügeliger. Es ist eben nicht so, dass man einmal 700 Höhenmeter mit 12 bis 16 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken hochstapft und danach gemütlich weiterwandert. Vor allem, wenn eine Tagesetappe um die 20 Kilometer bergauf und bergab bedeutet.

Dort oben ist es bergig, anstrengend und wunderschön. Wasserfälle, kleine Seen, große Seen und eine riesige, unberührte Landschaft. Jedenfalls theoretisch. Praktisch kleben die Augen permanent am Boden, weil jeder Schritt sitzen muss. Mein Hirn musste mit Schokolade durch das „Was machen wir hier eigentlich?“-Tal getragen werden.

Essen beim Ultraleicht-Trekking

Was ich nie vergessen werde: Das sauteure Trek’n’Eat (kaufen) musste abends noch in meinen Körper, weil ich trotz Plenny Bars natürlich im Kaloriendefizit war.

Leider schmeckte die Sorte Rinderpfanne mit Kartoffeln und grünen Bohnen so dermaßen ekelhaft, dass ich die Tüte fast wieder vollgemacht hätte. Aber vor dem Schlafen musste Energie rein. Also: Augen zu, Löffel rein, bereuen.

Was ich vom letzten Mal gelernt habe

Man lernt immer etwas beim minimalistischen Wildcampen. Wenn etwas fehlt oder man viel zu viel mitnimmt. Denn jedes überflüssige Kilo merkt man spätestens beim Aufstieg.

Weniger Wasser

Wir haben Wasser mit uns herumgeschleppt. Zwei Literflaschen reichen, denn überall sind Flüsse, die man zum Auffüllen nutzen kann.

Badeschlappen

Wenn man nachts ohne Wanderstiefel durch die Natur außerhalb des Zeltes stiefelt, dann sind Badeschlappen ein Segen.

Das waren aber auch schon die wichtigsten Änderungen zum letzten Mal. Beim unausweichlichen dritten Mal wird mein Rucksack mit Metallstreben gegen einen Leichtgewicht-Rucksack getauscht.

Nächstes Jahr gibt es einen dritten Versuch

Natürlich wäre es vernünftiger, die Hardangervidda einfach von der Liste zu streichen. Zelt kaputt, Wetter mies, Essen schlimm, Körper beleidigt. Aber genau deshalb will ich noch einmal hin. Diese Hochebene hat etwas, das gleichzeitig abschreckt und anzieht. Vielleicht schaffen wir es beim dritten Versuch wirklich durch. Vielleicht drehen wir wieder um. Aber dann wenigstens mit stabileren Zeltstangen und ohne Rinderpfanne mit grünen Bohnen.


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