Der nächste Retro-Handheld kommt diesmal gar nicht als eigenständiges Gerät, sondern als Controller fürs iPhone daher. Aber welche Wahl ist die bessere? Der GameSir Pocket Taco, der zusammen mit einem Smartphone das Game-Boy-Gefühl zurückbringen will, oder der von mir bereits getestete Anbernic RG34XXSP als dedizierter Retro-Handheld im GBA-SP-Format?
Für mich ist die Antwort eindeutig. Der Taco wirkt auf den ersten Blick clever, ist in der Praxis aber einfach unpraktisch. Die Software-Konfiguration mit Emulatoren und vor allem RetroArch ist zu nervig, der Preis liegt zu nah am Anbernic, der vermeintliche Display- und Größenvorteil verpufft in der Praxis und dazu kommt noch die Abhängigkeit von iPhone-Updates. Deswegen würde ich in diesem Vergleich klar den Anbernic kaufen.

Technische Unterschiede im Überblick
Die fett markierten Merkmale sind für mich die wichtigsten Unterschiede.
| Technische Merkmale | GameSir Pocket Taco | Anbernic RG34XXSP |
|---|---|---|
| Formfaktor | Controller für iPhone | Dedizierter Clamshell-Handheld |
| Bildschirm | Effektiv nur der obere kleinere Teil des iPhone-Displays | 3,4 Zoll (ca. 9 cm), 720 × 480 Pixel, 3:2 |
| System | iOS + Emulatoren wie RetroArch | Linux-Firmware wie Stock OS oder Knulli |
| Verbindung | Bluetooth | Alles fest integriert |
| Akku | iPhone-Akku + Controller-Akku | 3300 mAh |
| Preis | Ähnliche Region wie der Anbernic | Ähnliche Region wie der Taco |
| Größe unterwegs | Nur ohne iPhone wirklich klein | Kompakt auch im Betrieb durch Klappmechanik |
| Zuverlässigkeit | Abhängig von iOS und Apps | Dediziertes Gerät ohne Smartphone-Abhängigkeit |

Was zählt für Retro-Fans
1. Software & Einrichtung
Mein Hauptproblem mit dem Taco ist nicht einmal die Hardware, sondern alles drumherum. Ich muss ein iPhone einspannen, den Controller koppeln, einen passenden Emulator installieren und lande am Ende doch wieder in RetroArch mit seinen Menüs, Cores und Eigenheiten. Gerade auf dem Smartphone wird aus einer spontanen Retro-Runde schnell ein kleines IT-Projekt. Dazu kommt, dass man selbst für Systeme wie die Sega Dreamcast die JIT-Versionen der Emulatoren (Manic Emu, Delta) benötigt und diese über einen AltStore installieren muss. Sonst läuft Dreamcast nicht flüssig.
Beim RG34XXSP ist das deutlich klarer. SD-Karte rein, Firmware starten, ROMs darauf und los geht’s. Auch dort kann man basteln, aber das gesamte Gerät ist genau für diesen einen Zweck gebaut. Das merkt man sofort. Bis Dreamcast läuft hier alles wunderbar. Wer mehr Power will, kauft sich so was wie den Mangmi X.
2. Preis
Wäre der Taco drastisch billiger, könnte man die Kompromisse vielleicht akzeptieren. Genau das ist aber für mich nicht der Fall. Wenn sich beide Geräte preislich in einer ähnlichen Region bewegen, stellt sich sofort die Frage: Warum sollte ich mir die kompliziertere Lösung kaufen?
Beim Anbernic bekomme ich ein komplettes Gerät mit Display und Akku für wenig Geld. Der Taco ist am Ende nur ein Controller, der ohne Smartphone nichts kann. Für fast dasselbe Geld ist mir das einfach zu wenig.

3. Größe & Alltag
Auf dem Papier wirkt der Taco wie die besonders kompakte Lösung. In der Praxis hängt aber immer noch ein iPhone dran. Und genau dadurch bekommt man auch nicht automatisch einen größeren Bildschirm. Bei einem normalen iPhone nutze ich mit dem Taco am Ende nur den oberen, kleineren Teil des Displays sinnvoll zum Spielen. Das sieht in der Produktidee besser aus, als es sich im Alltag anfühlt.
Spätestens hier fällt das ganze Konzept für mich auseinander. Das Display-Argument gibt es in der Praxis nämlich gar nicht. Der tatsächlich nutzbare Bereich ist bei einem normalen iPhone nicht größer als beim Anbernic, obwohl das Telefon selbst natürlich ein größeres Display hat. Der RG34XXSP ist als Klappgerät genau dafür gebaut: zuklappen, wegstecken, fertig. Beim Taco muss ich dagegen immer mitdenken, welches Telefon ich benutze, wie sicher es sitzt und ob ich dieses Setup wirklich dauerhaft in der Tasche haben will. Wenn der nutzbare Bildbereich am Ende keinen echten Vorteil bringt, bleibt für mich nur ein umständlicher iPhone-Aufsatz übrig.
4. Updates & Verlässlichkeit
Das ist für mich der eigentliche Killerpunkt bei solchen Smartphone-Lösungen. Ein iPhone-Update kann morgen dafür sorgen, dass eine App nicht mehr richtig funktioniert, ein Controller anders erkannt wird oder in RetroArch plötzlich wieder etwas nachkonfiguriert werden muss. Genau auf diese Art von Abhängigkeit habe ich bei einem Retro-Handheld keine Lust.
Beim Anbernic ist das anders. Der RG34XXSP ist ein dediziertes Gerät, das genau für diesen Zweck gebaut wurde. Ich nehme ihn aus der Schublade und er macht, was er soll. Diese Verlässlichkeit ist mir am Ende deutlich wichtiger als die Idee, aus dem iPhone irgendwie noch einen Handheld machen zu wollen.
Fazit – klare Empfehlung
Wer einfach Retrospiele spielen will, kommt in diesem Vergleich am Anbernic RG34XXSP nicht vorbei:
- Weniger Gefrickel bei Software und Einrichtung
- Ähnlicher Preis, aber das deutlich rundere Gesamtpaket
- Kompaktes Klappgehäuse ohne Smartphone-Bastelei
- Kein echter Displayvorteil: Gespielt wird nur auf dem kleinen oberen Teil des iPhone-Screens
- Keine Abhängigkeit von iOS-Updates oder App-Entwicklern
Der GameSir Pocket Taco ist für mich keine clevere Alternative, sondern ein unnötiger Umweg übers iPhone. Zu viel Software-Gefrickel, zu wenig Preisvorteil, kein echter Vorteil beim nutzbaren Bildschirm und zu viel Abhängigkeit vom iPhone. Wer einen echten Retro-Handheld will, sollte lieber direkt den Anbernic RG34XXSP nehmen.
Den GameSir Pocket Taco kaufen? Für mich ganz klar: nein.








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