Da ich immer wieder gerne über das einzige Spiel das ich auf dem PC spiele rede, möchte ich mit diesem Beitrag alle erlösen, die ich mit Anarchy Online noch nicht zugelabert habe.

Die Blue Assassins in Anarchy Online
Die Blue Assassins in Anarchy Online

Was ist ein MMORPG

Anarchy Online ist wie z.B. World of Warcraft ein Spiel, dass in einer virtuellen Welt im Internet gespielt wird. Das bedeutet, diese Welt ist immer da, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Ob man sich nun über das Internet dort einloggt oder nicht spielt, macht keinen Unterschied: Das Leben dort geht weiter mit Tag und Nachtzyklen, einem eigenen Wetter.

Man erschafft sich im Spiel selber einen Charakter der einen ab dem Zeitpunkt des Einloggens im Spiel repräsentiert. Auch für einen Beruf muss man sich entscheiden, der sich nachher nicht mehr ändern lässt. Das nennt man Massively Multiplayer Online Roleplaying Game oder kurz: MMORPG.

Online RPGs = Freiheit

Nun ist man relativ frei, was man dort machen will. Das Spiel lässt dem Spieler einen ungeheuren Handlungsfreiraum, weil die Welt die im Falle von Anarchy Online »Rubi-Ka« heißt, durch andere Spieler bevölkert wird, und nicht wie bei Offlinespielen durch vom Computer generierte Figuren.

Bei Anarchy Online hat man sich im Gegensatz zu den anderen MMORPGs wie Final Fantasy XI oder World of Warcraft an ein Science Fiction-Setting herangewagt. Es sieht aus wie ein Mix aus Matrix, Star Wars und Star Trek. Es gibt Lichtschwerter genau so wie Sonnenbrillen. Sogar ein eigenes Modelabel existiert im Spiel selber von dem es neben Abendgarderoben auch Bikinis und Badehosen gibt. Alles zusammen mit weiteren 36.000 Spielern die Rubi-Ka zu dem machen, was es heute ist: Ein lebender virtueller Planet.

Gameplay

Natürlich besitzt das Spiel auch neben diesen ganzen Spielereien ein Gameplay. Das ist vergleichbar mit herkömmlichen Rollenspielen im Computerspielebereich: Ein Skillsystem. Je mehr Erfahrung eine Spielfigur im Spiel erlangt wie z.B. durch Kämpfe desto höher steigt das Level der Figur und man kann die Werte wie »Stärke«, »Pharmazie« oder »Ausdauer« usw. erhöhen.

Skills, Skills, Skills

Insgesamt gibt es über 70 Skillwerte die man beinflussen kann. (Philipp, berichtige mich). Diese Werte erlauben es dem Spieler wiederum bestimmte Gegenstände zu benutzten. So ist es am Anfang mit Level 1 nicht möglich sich ein fliegendes Auto zu kaufen. Erstes fehlt einem das virtuelle Kleingeld dafür und zweitens hat man nicht genug Level um »Air Vehicle« zu skillen. Anarchy Online ist außerdem ein Spiel welches man auf gar keinen Fall alleine spielen sollte und auch nicht kann. Es es wahnsinnig kompliziert. Es ist viel komplexer als jedes Offline-RPG wie z.B. Gothic 2 oder Morrowind. (Glaubt mir Felix eh nicht). Auch World of Warcraft oder Final Fantasy XI sind wesentlich einsteigerfreundlicher, was aber nicht bedeutet, dass es eine Hürde darstellt.

Denn wenn man sich zusammen mit Leuten einloggt, die es schon gespielt haben ist es nicht nur einfacher sondern macht auch viel mehr Spaß. Es gibt keine echte Beschränkung wie viele Leute gleichzeitig auf den Bildschirm sein dürfen. Nur da jeder Charakter theoretisch andere Schuhe, Brille, Unterhose, Waffe, Hut ect. am Körper haben kann ist das eine echte Belastung für den Arbeitsspeicher des Computers, wenn man Bereiche betritt, die voller Spieler sind.

Ein offizielles Event in Anarchy Online
Ein offizielles Event in Anarchy Online

Das Beste ist nicht gewollt

Alle zwei Monate gibt es dann auch Discosessions (!) mit einem Live-Stream aus WinAmp zu dem man mit seiner Spielfigur abrocken kann. Außerdem kann man sich später mit Hilfe von anderen Spielern in die Fauna von »Rubi-Ka« verwandeln und manche Leute leben dann im Spiel als Rudel zusammen – permanent verwandelt als kleines Nagetier.

Andere Leute laufen ausschließlich im Smoking rum und nennen sich dann »Best Dressed Defenders of Rubi-Ka«. Außerdem erlauben sogenannte »emotes« seine Figur für alle sichbar im Spiel z.B. YMCA tanzen zu lassen oder dem gegenüber dem Hintern zu zeigen. Das hört sich nicht nur abgefahren und krank an – Das ist abgefahren und krank.

Patches gibt es wöchentlich

Im Laufe der letzten drei Jahre gab es neben den wöchentlichen Patches zur Ausbalancierung des Gameplays und zum Beheben von Fehlern auch diverse Add-On-Packs. »Notum Wars« eröffnete uns Spielern die Möglichkeit Türme in die freie Wildbahn auf Rubi-Ka zu bauen die uns dann bestimmte Skillwerte erhöhten. Das ganze könnte so einfach sein. Wären da nicht die zwei verfeindeten Lager auf Rubi-Ka: Omni-Tek und Clan. Zu Anfang muss man sich für eine Seite entscheiden auf der man kämpfen möchte. Wenn man nun einen Turm gebaut hat, kann der jederzeit von der Gegenseite angegriffen werden.

Shadowlands und Notum Wars

So wurde das Player VS. Player-Gameplay im Spiel aufgebohrt. Der nächste Add-On-Pack war dann umfangreicher und nennt sich »Shadowlands« und brachte neben neuen Waffen und Gegenständen und zwei neuen Berufen auch eine ganz neue Welt mit ins Spiel, die fast genau so groß ist wie die von Rubi-Ka. Mit dem letzte Add-On-Pack »Alien Invasion« ist es möglich, ganze Städte zu bauen die dann von Aliens angegriffen werden können. Wenn das passiert, kann man sich bis zu den Mutterschiffen vorballern und besonders seltene Gegenstände bekommen.

Ich habe während des Zivildienstes zum ersten Mal angefangen, das Spiel zu testen weil mich diese Art von Spiel schon immer interessiert hat. Damals war ich alleine auf dem US-Server, weil es den deutschen Server noch nicht gab. Dann im Studium hatten ein paar Leute Bock das ganze mal mit mehren Leuten auszuprobieren. Philipp war einer der ersten, der es damals installiert hat. Da gab es Anarchy Online zum testen ganze »7 Tage kostenlos«. Er rief mich dann nach einem Tag an weil er es alleine ausprobiert hatte und brüllte nur ins Telefon:

Marc, was ist das denn für eine Scheisse? Ich checke hier nix! Ich logg mich wieder aus aus dem Mist. Ich spiele wieder Diablo! Tschüss!

Philipp Anders (heute Level 220)
Die offizielle Blue Assassins Webseite

Buffen und Skillen

Naja, nach zwei Tagen als er es dann nochmal zusammen mit seinen Mitbewohnern in seiner WG ausprobiert hatte, sah die Welt schon anders aus. Vokabeln wie »buffen«, »skillen« oder »impen« gehörten bald zur Tagesordnung in der Uni. Sehr zum Leidwesen der nicht spielenden Kommilitonen. Aber immer mehr und mehr Leute fingen an zu Spielen und als wir dann mit Headsets und Teamspeak anfingen haben wir in den Semesterferien teilweise bis morgens um 9 durchgespielt.

Defloration ist einmalig

Ich glaube kaum, dass ich nochmal ein Spiel finde was mich so krass flashen wird wie damals Anarchy Online. Der Unterschied zwischen uns und vielen anderen Spielern war, dass wir die anonyme Mauer im Spiel durchbrechen wollten. Wir veröffentlichten Bilder von den RealLife-Meetings und nahmen das Spiel generell nicht als zu ernst. Das Miteinander stand im Vordergrund.

Nach und nach spielten immer mehr Leute aus meinem Umfeld das Spiel wie Philipp, Mario, Maike, Mark, Fabian sowie viele neue Gesichter. Auf RL-Treffen unserer Org lernte man sich dann näher kennen und eine Partnerschaft ist dadurch sogar zustande gekommen. Wie die Geschichte weiterging kann man auf der Seite unserer Organisation »Blue Assassins« nachlesen. Leider gibt es diese Seite nicht mehr.

Dort gibt es auch alle anderen Infos über das Spiel. Auch den Link zum 1.6 GB großen Spielclient gibt es dort und vor allem die schönste Info:

Anarchy Online ist ohne die Add-On-Packs kostenlos

Das lässt sich u.a. durch die neue Werbung im Spiel realisieren. Ich finde das so witzig, dass ich selbst als zahlender Kunde manchmal die Werbung anmache.

Anarchy Online: Noch lange vor World of Warcraft habe ich dank Anarchy ("7 Tage kostenlos!") Online mein erstes 3D MMORPG auf dem PC gespielt. Zusammen mit meinen Freunden aus der Studienzeit habe ich mir die Nächte um die Ohren gehauen und auch darüber programmieren gelernt. Denn irgendwer musste ja die Webseite der Organisation aka. Gilde voran treiben. Angesiedelt im CyberPunk Genre mit toller Musik und Atmosphäre hat man die Wahl zwischen diversen Berufen. Leider ist das Spiel vor allem aus heutiger Sicht weder grafisch noch spielerisch relevant. Es ist mittlerweile Free-to-Play und deswegen sollte man es sich auch mal kurz anschauen. Insgesamt wäre es nur eine 6.5 aber es bekommt einen Nostalgiebonus von einem halben Punkt ;)Marc
7
von 10
2005-06-03T16:43:36+0200

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37 Kommentare

  1. Heho junger Padawan. Auch wenn ich die Notwendigkeit sehe, aus deiner Perspektive über Anarchy zu bloggen, so lese ich doch viel lieber über Dinge, die ich noch nicht kenne.

    So oder so ist es aber ein schöner Artikel geworden, dem ich vielleicht mal was entgegensetzen sollten.

  2. Ich finde ja immernoch, dass das Spiel Defizite hat,

    im Art-Design [es sieht aus, als hätte jemand Cyberpunkt, Matrix, Star Wars, die Bravo und die Girl zusammengeworfen]

    im Gamedesign [man braucht echt ewig, bis man dieses Geskille verstanden hat und es war zu meiner Zeit nirgends vernünftig dokumentiert.]

    in der Umsetzung [das kämpft man sich durch den ganzen Tempel – der schon eine Instanz ist – nur um festzustellen, dass am Ende zwei Teams campen, um den riesen Roboterhund 100mal umzuwimmsen, weil er mit der Wahrscheinlichkeit von 1 zu 100 ein seltenes Item fallen läßt]

    im Rollenspiel [mal Hand aufs Herz. Da gibt’s vielleicht zwei Gilden, die RP machen aber eigentlich ist AO ein MMOG. Das Rollenspiel kommt nur in den Namen, weil die Spielmechanik die eines Rollenspiels ist.]

    Fällt mir noch was ein? Gerade nicht.

  3. Ich habe über Anarchy geschrieben weil es 3 Jahre gespielt habe. Zu allem anderen darf ich mir kein urteil Erlauben.

    Zum ArtDesign: Genau das habe ich geschrieben. Liest Du die Texte nicht? =) Ich finde es genau so super gemacht. Das Spiel nimmt sich selber nicht ernst und bricht permanent seinen eigenen Stil mit eben solchen Gags wie Brautkleider die man tragen kann. Finde ich total lustig.

    Die Instanzen müssen sein, weil man sonst wie bei WoW das Spiel komplett auf mehrere Server verteilen müsste. Das ist bei AO erstmal nicht der Fall. Aber da es eben so viele spielen, müssen sie Intanzen von Dungeons machen weil sie sonst einfach zu voll sind. Das die Dungeons Instanzen erzeugen, wenn sie zu voll sind, steht aber in der Doku.

    RP. Fand ich schon immer blöd. Ob man es nun im Keller macht, auf freiem Feld oder sonst wo. Ich glaube, dass das Spiel durch sein weglassen von Fantasy Elementen die ganzen Leute ferngehalten hat, die sonst gerne im Keller Rollenspiele spiele. Man findet kaum RP auf RubiKa. Finde ich gut. Das ist ein Spiel. Die Welt gibt es wirklich – nur eben virtuell. Da muss ich mir nichts zurecht spinnen. Viel wichtiger sind GamePlay und Atmo. Dann verhalten sich die Spieler auch ganz von alleine so, wie die Spielwelt um sie herum das vorsieht.

    Wer RP machen will der soll ganz klar andere MMORPGs spielen. Anarchy ist da die falsche Wahl. Gerade weil man nicht auf einen RP-Server wechseln kann.

  4. Ja, klar hab ich das gelesen, aber mich hat’s halt immer gestört, ziemlich.

    Und was die Instanzen angeht hast du mich falsch verstanden. Ich finde ja auch nicht die Idee „Instanz“ schlecht – im Gegenteil: ich finde, dass sie nur halbherzig umgesetzt wurde. Eigentlich müsste jedes Team seine eigene Instanz des Dungeons bekommen.
    Instanzen haben da wenig mit der Anzahl der gesamten Spieler zu tun. Bei WoW tummeln sich rund 15.000 Spieler auf einem Server. Bei gut 40 deutschen Servern macht das… 600.000 Spieler. Das wäre auch für AO nicht mehr mit einem Server zu bewältigen.

    Tja, und RP mag man halt oder eben nicht…

    1. Ich bin ehrlichgesagt von Instanzen nicht so begeistert, das ist doch echt öde wenn jedes Team alleine in einem Dungi hockt, ist auch nicht sinn und zweck eines mogs :P

  5. Viel interessanter ist alles in allem dann aber die Frage:
    Warum spielt man das?

    Offensichtlich sind deine und meine Gründe da grundverschieden, obwohl die Unterschiede zwischen AO und WoW „spieletheoretisch“ minimal sind.

  6. Ich habe es wegen dem

    Setting (Science-Fiction)

    Genre (Rollenspiel im Sinne von Werte skillen, Levelen usw)

    Miteinander (Alle zusammen ist lustiger als bei Gothic 2 alleine nach dem 3. Durchspielen)

  7. Nunja ich kann dazu vielleicht auch noch einiges sagen. Aber das mach ich in einem eigenen Blogeintrag in dem ich ein Resume über Anarchy Online ziehen werde, weil ich mich da erstmal zurückziehe werde. Das Spiel hat bei mir im Moment seine Kapazitäten ausgereizt.

    Aber ich kann Marc in einem Satz nur wiederholen. Ich glaube es wird nicht nochmal ein Spiel geben was mich im Endeffekt so flashen und fesseln wird wird wie Anarchy. Wenn ich mein Gehirn formatieren könnte in dem Bereich, ich würde es tuen.

  8. Freunde, aber der Grund, warum ihr zu Recht der Meinung seid, dass euch in eurem Leben nie wieder ein Spiel so „flashen“ wird, wie AO, ist schlicht der, dass ihr nie wieder soviel Zeit für ein Computerspiel überig haben werdet.

    Ansonsten darf ich darauf hinweisen, dass wir uns alle vor 10 Jahren etwas wie AO oder WoW nicht einmal vorstellen konnten, geschweige denn den Impact eines solchen Spieles. Lasst uns mal abwarten.

  9. Ja, das mag stimmen. Semesterferien gibt es später einfach nicht mehr. Aber spielen werde ich wohl erstmal nicht an den Nagel hängen. Es ist ja nicht gerade so, dass die Spiele schlechter werden. Ich finde, jedes Jahr übertreffen sich alle selber. Aber eben nicht auf dem PC – sondern auf den Konsolen. Aber dazu kommt bald ein sehr umfangreicher Beitrag. =)

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