Big Walk – Gemeinsam allein auf einer leeren Insel

Zwei cartoonartige Enten aus dem Spiel Big Walk stehen auf einem Waldweg; eine hält einen roten Gegenstand, im Vordergrund ist ein orangefarbenes Gerät zu sehen

Die Entwickler vom brillianten Untitled Goose Game haben eine riskante Wette am Laufen: Kann ein kostenpflichtiges Coop-Only-Spiel in einer Open-World Sandbox ohne echte Action funktionieren? Meine klare Antwort ist ein klares „Jein„. Denn auch wenn ein paar Ideen echt spannend sind, so muss man schon ein echt gut gelauntes Team haben, das den großen Spaziergang mitmacht. Denn am Ende ist Big Walk genau das: ein Spaziergang mit bis zu vier Enten auf einer Insel – mit allen Vor- und Nachteilen.

Der Clou: Sprachchat kommt nur direkt von den Enten

Das Spiel wagt etwas, das eigentlich irre ist, weil man es so einfach umgehen kann, in dem man den Partychat oder einen externen Sprachchat (Discord) nutzt: Die Sprache kommt direkt von den Spielern. Wenn man weit voneinander wegsteht oder ein Hindernis zwischen den Enten ist, hört man nichts. Stattdessen kann man dann nonverbales Fuchteln mit den Armen oder Springen nutzen. Vor allem muss man sich auf etwas einigen. Und das ist der eigentliche spaßige Teil des Spiels: Die Absprachen.

Die Rätsel wollen gefunden werden

Die Insel ist riesig und größtenteils leer. Das heißt, man muss nicht nur die Rätsel lösen sondern die Rätsel erstmal finden. Und da man sich ja nicht permanent hören kann, passt es regelmäßig, dass man sich beim Suchen verliert. Natürlich kann man sich dann vorher darauf einigen, sich auf dem Leuchtturm zu treffen. Aber größtenteils, ist es nervig, den Überblick zu behalten, die Orientierung zu bewahren und gleichzeitig zusammenzubleiben.

Wenn man die Rätsel dann gefunden hat, sind sie meist trivial. Das muss nicht immer schlecht sein. Aber mein Eindruck war, dass sie meistens darauf aufbauen, dass man sich nicht direkt hören und somit absprechen kann. Diese künstliche Verknappung kann lustig werden, aber für mich war sie nie motivierend.

Der Endgegner ist die Steuerung

Wenn wir dann schnell auf eine Lösung gekommen sind, hapert es meistens an der Ausführung. Wenn man einen Trichter mit einem Ball treffen muss, dann brauchten wir dafür 50 Versuche, weil die Steuerung so unpräzise ist. Oder wenn man huckepack einen Schalter treffen muss, dann steht auch die Steuerung im Weg und nicht der fehlende Gehirnschmalz. Vielleicht sollte man die Steuerung verbessern, um die Spaßfaktor zu erhöhen.

Big Walk kann wirklich gute Rätsel haben - wenn man sie denn gefunden hat.
Big Walk kann wirklich gute Rätsel haben – wenn man sie denn gefunden hat.

Nicht so clever, wie ich anfangs dachte

Vielleicht liegt es an der visuellen Ähnlichkeit zu dem extrem intelligenten „The Witness“. Jedenfalls haben wir bestimmt 15 Minuten im Spiel damit verbracht, zu verstehen, was die Konstruktion mit den bunten Kästchen für ein ausgefuchstes Rätsel ist. Was hat der Spiegel damit zu tun? Muss es dafür Tag sein? Ändern wir damit etwas an einem anderen Ort? Müssen die Komplementärfarben getauscht werden?

Nein, am Ende war das nur zum Einfärben unserer Enten gedacht. Aber daran merkt man, dass wir viel zu verkopft rangegangen sind. Ich würde mal vorsichtig behaupten: Wir sind für die meisten Rätsel etwas zu clever vorgegangen.

Die besten Momente des Spiels könnten auch auf einer Party passieren

Wenn die Mitstreiter eine gewisse Komik und Dynamik an den Tag legen, dann macht natürlich alles Spaß. Auch mal einsam seine Freunde im Spiel suchen. Aber dann könnte man ja was ganz Verrücktes machen: wirklich wandern gehen. Und dabei die Natur echt erleben, statt nur virtuell. Dabei hätten wir sicherlich auch Spaß. Oder man trinkt was zusammen am See und hat Spaß. Denn leider steht für meinen Geschmack das Spiel eher zwischen den lustigen Momenten, als dass es für welche sorgt.

Big Walk bei Nacht: Da ist auch beim Spielspaß dann zumindest bei mir das Licht aus.

Zudem kostet das Spiel 20 EUR pro Person. Das wären heute schon, naja, seien wir ehrlich, zwei Getränke in der Gastronomie oder eine gute Pizza mit Trinkgeld. Damit hätte man aber auch Spaß und wäre beim Letzteren zumindest satt. Ohne, dass es gerade beim PSN gratis dabei gewesen wäre, hätte ich es nicht gespielt.

Zu guter Letzt holt mich im Gegensatz zum Spiel mit der Gans der Grafikstil auch null ab. Die Insel ist fast schon fotorealistisch, aber die Enten sehen aus, als hätte ich sie gemalt. Mal sehen, ob wir uns für eine dritte Session begeistern können.

Big Walk: Der Sprachchat aus der virtuellen Nähe sorgt für interessante Situationen, doch die riesige Insel erschwert Orientierung und Zusammenspiel. Viele Rätsel sind letztlich simpel, während der Spielspaß stark von der Gruppendynamik abhängt. Für 20 Euro pro Person fällt das Fazit daher ernüchternd aus: Ohne Spiel hätte man genau so viel Spaß. Vielleicht sogar mehr. Marc

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2026-08-30T20:25:55+02:00

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