Resident Evil 9: Requiem – leider bin ich enttäuscht

Ich bin ein großer Fan der Resident-Evil-Reihe. Die harten Kämpfe, das ständige Jonglieren mit Munition und Heilmitteln und dieses herrlich übertriebene Umbrella-Universum motivieren mich seit Jahren. Trotzdem hat sich mein rund 14-stündiger Ausflug nach Raccoon City leider nicht gelohnt.

Gespielt auf der PlayStation 5 Pro statt der PS5-Amateur

Außerdem suchte ich ein Spiel, das meine neue PlayStation 5 Pro endlich einmal richtig ausreizt. Digital Foundry war schließlich voll des Lobes für PSSR 2.0, Raytracing und flüssige 60 Bilder pro Sekunde auf Sonys Flagschiff. Technisch liefert Resident Evil 9: Requiem (günstig kaufen) tatsächlich ab.

Der Anfang ist optisch und spielerisch fantastisch

Schon die Demo zeigt die stärksten Seiten des Spiels: Der Einstieg ist audiovisuell beeindruckend, unangenehm gruselig und spielerisch abwechslungsreich.

Regelmäßig wechselt man zwischen Grace Ashcroft in der Ego-Perspektive und Leon „Erst schießen, dann fragen“ Kennedy. Während Grace sich durch enge Gänge schleicht und einen Schockmoment nach dem anderen erlebt, räumt Leon deutlich offensiver auf. Seine Abschnitte erinnern stark an das fantastische Remake von Resident Evil 4.

So sieht das Spiel anfangs auf der PS5 Pro aus der Ego-Sicht von Grace aus
So gut sieht das Spiel anfangs im Hotel auf der PS5 Pro aus der Ego-Sicht von Grace aus

Besonders das Hotel und die nächtliche Umgebung sehen dank Raytracing teilweise fotorealistisch aus. Nasse Straßen spiegeln jede Lichtquelle, Schatten wirken glaubwürdig und Leons Action fühlt sich vom ersten Schuss an richtig gut an.

Leider bleibt es nicht auf diesem Niveau.

Je länger man spielt, desto langweiliger wird es

Nach dem großartigen Einstieg verliert das Spiel zunehmend an Spannung. Weder das Waisenhaus noch die späteren Abschnitte in Raccoon City konnten mich wirklich überzeugen.

Das ist besonders schade, weil die Remakes von Resident Evil 2 und Resident Evil 4 mit jeder Stunde besser werden. Dort greifen Leveldesign, Gegner und Spielmechaniken immer stärker ineinander. Bei Requiem passiert für mich genau das Gegenteil.

Obwohl das Spiel kein Remake ist, hatte ich immer das Gefühl, alles schon mal gesehen zu haben
Obwohl das Spiel kein Remake ist, hatte ich immer das Gefühl, alles schon mal gesehen zu haben. Später ist das auch kein Gefühl mehr.

Die Areale werden größer, aber nicht interessanter. Gleichzeitig können sie optisch nicht mehr mit dem Hotel und den regennassen Straßen bei Nacht mithalten. Vieles fühlt sich gestreckt an, ohne spielerisch etwas Neues zu bieten.

Erst gegen Ende geht es in das obligatorische Umbrella-Labor. Plötzlich glänzt und spiegelt wieder alles, die Gegner werden spannender und das Spiel erinnert sich daran, was es eigentlich gut kann. Zu diesem Zeitpunkt kommt der Aufschwung allerdings deutlich zu spät.

Die Story bleibt erstaunlich blass

Resident Evil 7 und Village hatten für mich spannende Figuren und eine Geschichte, die zunehmend eskalierte. Auch die Remakes von Teil 2 und 4 lebten von ihren ikonischen Charakteren und herrlich absurden Wendungen.

Requiem fehlt beides. Grace hat hauptsächlich Angst. Leon wirkt, als hätte er längst keine Lust mehr auf seinen Job. Auch die beiden weiteren Figuren, die ich hier nicht verraten möchte, konnten daran wenig ändern.

Das Waisenhaus ist optisch nett aber leider spielerisch zu zäh und vorhersehbar.

Vor allem spielt das Spiel eine der größten Stärken der Reihe nicht aus: die völlige Eskalation einer ohnehin schon absurden Geschichte. Genau das funktioniert bei Resident Evil normalerweise hervorragend. Teil 9 versucht stattdessen, ernster und militärischer zu wirken. Für mich fühlt sich das stellenweise wie Call of Duty mit Virus an. Und genau das möchte ich von einem Resident Evil nicht.

Die Gesichter und Animationen sind sehr beeindruckend. Retten das Spiel aber nicht.

Nicht allein durch Raccoon City

Trotz aller Kritik wird Resident Evil 9: Requiem (kaufen) einen besonderen Platz in meinem Herzen behalten. Einige Abschnitte habe ich abends gemeinsam mit meinem Vater gespielt – und das kommt leider nur selten vor.

Ich hoffe, ich konnte ihm dabei zeigen, wie weit sich Videospiele als Medium inzwischen entwickelt haben. Allein deshalb war die gemeinsame Zeit in Raccoon City am Ende doch etwas Besonderes. Und ebenfalls eine Premiere war, dass mir nachher in Raccoon City noch Philipp TK tatkräftig am Pad geholfen hat. Danke dafür!

Wertung

Resident Evil: Requiem: Resident Evil 9: Requiem ist technisch beeindruckend und beginnt ausgesprochen stark. Doch nach dem fantastischen Auftakt werden Schauplätze, Gegner und Geschichte zunehmend belanglos. Wer sehen möchte, was das Spiel am besten kann, sollte die Demo spielen. Sie enthält bereits viele der stärksten Momente – und spart im Zweifel eine Menge Geld. Marc

7
von 10
2026-07-26T19:10:25+02:00

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