Uncanny Valley

Irgendwie sieht die Frau oben auf dem Bild unheimlich aus, oder? Wir Menschen sind absolute Profis wenn es um Gesichter geht. Wir können sofort erkennen, ob wir einem Menschen oder Tier gegenüber stehen und ob dieses Etwas eine Gefahr für uns darstellt. Psychologen haben herausgefunden, dass wir abstrakten Figuren mit menschlichem Verhalten diese fehlende Vertrautheit unterbewusst eher verzeihen als wenn versucht wird, diese Menschlichkeit möglichst nah nachzuahmen.

Nichts verhält sich menschlicher als der Mensch selbst.

Schon kleine unnatürliche Fehler beim Aussehen und besonders bei Bewegungen, wirken auf uns abschreckend und unheimlich. Diesen Bereich, in dem wir eine Figur als unheimlich bzw. wahrnehmen, weil sie weder perfekt als Mensch noch als Karikatur des Menschen für uns funktioniert, nennt man das Uncanny Valley.

Weil diese Akzeptanz nicht stetig linear mit dem Anthropomorphismus (der Menschenähnlichkeit) der Figur steigert, sondern innerhalb einer bestimmten Spanne einen starken Einbruch verzeichnet. Übersetzt bedeutet Uncanny Valley deswegen treffend: „unheimliches Tal“.

Das "unheimliche Tal" als Diagramm

Dieser Umstand stellt die Gestalter von Robotern oder Figuren in Spielen und Animationsfilmen vor einige Probleme. Und die Dame oben auf dem Bild aus dem Spiel „Beyond: Two Souls“ befindet sich in meinen Augen ziemlich tief in diesem Tal. Die einfachste Lösung um das Problem zu vermeiden, ist der Ansatz von Walt Disney: Man erstellt Figuren, die möglichst wenig optisch mit dem Menschen zu tun haben und lässt sie jede menschliche Mimik und Bewegung extrem übertreiben. Ein Donald Duck oder Super Mario nimmt man nicht als Mensch war sondern als eine Figur mit menschlichen Eigenschaften. Das macht sie für uns glaubhaft und wir denken nicht permanent darüber nach, dass es ja gar kein Mensch ist, mit dem wir interagieren.

Uncanny Vally in Spielen

Spiele wie Mass Effect oder Call of Duty versuchen im Gegensatz zu z.B. Rayman oder The Walking Dead Menschlichkeit simulieren. In meinen Augen mit wenig Erfolg. So gut die Gesichtsanimationen in Spielen mittlerweile auch sein mögen, es reicht einfach nicht aus, damit wir sie als echte Menschen wahrnehmen. Selbst LA Noire, mit seiner neuen Gesichtstechnik macht ein Detail die Illusion kaputt: Die Gesichter werden ohne Gestik und ohne Bewegungen des Kopfes aufgenommen. Dadurch wirkt es so, als würden in den künstlichen Figuren echte Menschen sitzen, die aber nur aus dem Gesicht gucken wie bei einem Helm. Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Master Chief aus Halo mit seinem Helm als glaubwürdige Figur so gut funktioniert.

Glaubwürdigkeit

Ein Problem was ich immer wieder in Spielen habe ich die Glaubwürdigkeit. Dazu gehören Verhalten, Aussehen und Bewegungen von Spielfiguren gleichermaßen. Bei Rayman ist das einfach zu erreichen. Er ist in seiner Welt glaubhaft und ich leide bis zu einem gewissen Grad auch mit ihm mit. Deswegen funktioniert in meinen Augen die Glaubwürdigkeit eines Walking Dead Spiels im Comic-Look auch viel besser als bei Heavy Rain oder Mass Effect. Dort wird wirklich versucht, Menschen und ihr Verhalten zu simulieren. In meinen Augen hätte es gerade diesen Spielen sehr gut getan, dort mehr in Richtung abstrakter, comichafter Figuren zu gehen. Ein Spiel, was ich wegen der schlechten und unglaubwürdigen Gesichter kaum erst nehmen kann ist zudem das bekannte Open-World Spiel Skyrim. Dort sehen die Figuren meiner Ansicht nach unfassbar schlimm aus. Besonders in Bewegung

Eines steht für mich definitiv Fest: Die Japaner haben es in dieser Hinsicht einfach besser drauf als ihre westlichen Kollegen. Auch wenn die Spiele bis auf ein paar wenige Ausnahmen aktuell nicht mit der Konkurrenz mithalten können, so haben sie es dennoch deutlich besser raus, Spielfiguren zu erschaffen und diese nicht zu menschlich aber auch nicht zu künstlich aussehen zu lassen. Ein in leider nur dieser Hinsicht positives Beispiel ist Final Fantasy XIII. Vielleicht liegt es daran, dass man dort eine lange Tradition der Comics hat: Mangas. Mit sehr wenigen

Video

Der lange Weg raus aus dem Tal

Nachdem ich mir das Video von der GTC 2013 zum Thema „Gesichtsanimationen in Echtzeit“ angesehen habe, ist mir klar, dass wir noch einen sehr langen Weg vor uns haben. Es ist einfach verdammt schwer Menschen zu simulieren. Selbst wenn wir Gesichter irgendwann  halbwegs glaubhaft hin bekommen, so müssen die Bewegungen und Gestik genau so passen. Vielleicht sollte man sich so lange einfach von dem Versuch distanzieren, Menschlichkeit in Spielen nachzuahmen.

25 Antworten auf „Uncanny Valley“

  1. Irgendwie sieht die Frau oben auf dem Bild unheimlich aus, oder?

    Ich vermute das ist bei dem Bild sogar gewollt. Und für mich ist das Gesicht absolut glaubwürdig. Erinnert mich stark an das Gesicht der neuen Lara Croft im neuen Tomb Raider.

    Ich finde dass der Kollege bei Crysis 3 oder die Gesichter im BF4 Trailer absolut als Mensch herüber kommen. Aber bei allen bisher anderen Spielen muss ich dir recht geben. Beim BF4 Trailer hat es mich echt umgehauen wie sogar glaubt solche Menschen schon gesehen zu haben.

    Für mich sind die Japaner genau keine Referenz. Die Final Fantasy Filme sind für mich das beste Beispiel von Uncanny Valley.

    Das mit dem Helm finde ich eine dumme Ausrede. Bei Crysis 3 haben ja die Gegner auch alle Helme an und das nicht weil man es nicht besser könnte (das zeigt ja der Kollege der mitläuft) sondern weil es zu rechenintensiv wäre vor allem für die jetzige Konsolengeneration. Bei BF4 hat ja jeder ein eigenes Gesicht, das macht das ganze sehr glaubwürdig. Keine geclonten Gegner mehr aus der Retorte. Mit guten Gesichtgeneratoren wie man sie von RPGs kennt, sieht jeder Mensch auf der Strasse im Spiel anders aus. Etwas was ich mir schon lange wünsche.

    1. Ich vermute das ist bei dem Bild sogar gewollt. Und für mich ist das Gesicht absolut glaubwürdig. Erinnert mich stark an das Gesicht der neuen Lara Croft im neuen Tomb Raider.

      Man sollte dazu mal jemanden Fragen, der nicht permanent auf künstliche Figuren blickt. Mir ist das auch erst in Reflektion durch andere Menschen aufgefallen, die sich eben nicht an solche leeren Augen und die künstlichen Reflektionen gewöhnt haben. Die Frau sieht definitiv nicht menschlich aus. Sie hat ganz klar etwas puppenhaftes.

      Für mich sind die Japaner genau keine Referenz. Die Final Fantasy Filme sind für mich das beste Beispiel von Uncanny Valley.

      Ja, der Film fällt absolut da rein. Aber vergleich mal die Echtzeit-Sequenzen von Devil May Cry 4 mit den Gesichten von Call of Duty oder Mass Effect. Die Japaner haben die zentralen Prinzipien von Anime-Figuren einfach auf diese Charaktere übertragen während die Amerikaner einfach auf Realismus setzen – den sie meiner Ansicht nach völlig verfehlt haben. Und zwar ganz besonders bei Spielen wie Battlefield und Co.

    2. Es ist die Frage der Erwartungshaltung und wie das ganze stimmig im Gesamtkonzept gebaut wurde. Und genau da ist Mass Effect obschon die künstlichen Figuren auch als solches zu erkennen sind, viel glaubwürdiger als alles was aus Japan kommt. Habe gerade gestern mit Mass Effect 1 wieder angefangen und werde alle drei Teile nochmals durchspielen. Man erkennt bei Mass Effect die Empathie oder Sympathie die ein Charakter gegenüber dem Spieler äusserst gut. Comichafte Figuren die immer ein ausdruckloses Gesicht zeigen, können auch keine solche Dinge transportieren und sind einfach nur eine billige Lösung.

    3. Übrigens bei den Animes gibt es meiner Erfahrung nach nur ein einziges Studio die es schafft wirklich glaubhafte Charaktere zu erstellen, was sie auch so auszeichnet. Das Studio Ghibli. Die meisten anderen Animes (Ghost in the Shell, Fist of the northern star usw.) schaffen das mehr schlecht als recht.

      Mich nähme es wirklich wunder was normale Bürger als besser empfinden, Comicfiguren oder eben diesen Versuch des Realismus.

      Es gibt auch Filme die kläglich gescheitert sind, wie Tron Legacy wo der junge Jeff Bridges absolut künstlich wirkt. Man hat den Mundbereich nicht richtig hin bekommen. Der Gesichtsbereich wo auch Mass Effect 1 versagt. Gerade gestern ist mir das wieder aufgefallen.

    4. Mich nähme es wirklich wunder was normale Bürger als besser empfinden, Comicfiguren oder eben diesen Versuch des Realismus.

      Genau das ist ja der Punkt, was das „Uncanny Valley“ beschreibt. Wie Du siehst ist genau der Bereich viel größer bei der Vetrautheit, der sich im Bereich des fehlenden Realismus befindet. Deswegen sehen die Figuren bei Pixar so aus wie sie aussehen. Das gleiche gilt für Animes. Und das verstehen scheinbar die Designer im Westen nicht. Das ist so ziemlich der Punkt des Artikel. ;-)

    5. Habe meine Mutter und eine Kollegin gefragt die nicht vorbelastet sind diesbezüglich. Sie finden nicht dass das Bild oben unheimlich aussieht, sondern natürlich. Und meine Mutter findet, dass Disney Figuren oft unheimlich herüber kommen. Ich werde weiter Leute in meinem Umfeld dazu fragen, das nimmt mich wirklich Wunder.

    6. Also bei Disney erscheinen doch eigentlich auch nur die Figuren unheimlich, die das auch sollen. Ich halte z.B. Tangled für ein kleines Meisterwerk an Mimik und Gestik in einem Zeichentrickfilm. Was Spiele angeht wundert es mich ein wenig, dass Skyrim so schlecht weg kommt im Vergleich zu Oblivion. Natürlich sind die Figuren keine Augenweide, erst recht nicht ohne Mods, aber im Vergleich zu den Kartoffelköpfen aus Oblivion, bei denen man schon bei Charakterstellung die Lust verliert, bietet Skyrim dann doch die „besseren“. Und Mangas (abgesehen vom guten alten Captain Future^^) sind etwas, wo ich nun gar nichts mit anfangen kann. Dieser Stil ist mir persönlich in vielen Fällen einfach „unheimlich“ :D

    7. He noch einer der Captain Future mochte als Kind ;) Bei Animes habe ich auch in erster Linie die üblichen Verdächtigen geschaut. Und Filme wie „Das letzte Glühwürmchen“ von Studio Ghibli kann ich nur empfehlen. Kaum ein Realfilm hat mich so berührt wie dieser Film.

    8. Na viel Auswahl gabs ja Anfang der 80er nicht, den „musste“ man quasi toll finden ;) Aber hey, der bleibt natürlich auch weiterhin die Nummer 1 der intergalaktischen Helden, da sind Commander Shepard und dieser Master Chief ’ne Lachnummer gegen^^

    9. Kaum ein Realfilm hat mich so berührt wie dieser Film.

      Tada. „Unheimlich“ ist vielleicht auch das falsche Wort. Man denkt sich eher, dass irgendwas nicht stimmt. Das hat man natürlich am linken Ende des Realismusgraphen nicht.

      Mein Punkt ist, dass Spiele genau wie Filme versuchen sollten, von dem nicht erreichbaren Realismus Abstand zu nehmen, um nicht immer wieder ins Uncanny Valley zu rutschen.

    10. Aber genau das ist beim oberen Bild nicht der Fall. Uncanny Valley ist dann wenn du etwas versuchst realistisch darzustellen, aber es nicht natürlich wirkt, wie eben die Mundpartie beim jungen Jeff Bridges in Tron. Sprich man hat etwas nicht richtig hin bekommen. Ich könnte aber beim oberen Bild nicht behaupten, dass das der Fall ist.

    11. Niemand würde das Bild oben für ein Foto halten. Es befindet sich natürlich eher am hinteren Ende des Realismus. Also bei der Kurve wo Bunraku-Puppe steht. Aber es funktioniert einfach nicht perfekt. Man sieht nach wie vor, dass es kein Foto ist sondern eine Computergrafik. Es „lebt“ nicht.

    12. Darum geht es auch nicht. Etwas weglassen führt nicht dazu, dass das Bild stimmig wirkt und das ist der ausschlaggebende Punkt. Genauso wie ein comichaftes Gesicht mit menschlicher Mimik glaubhaft herüber kommen kann, kann ein gut gemachtes und hochdetailiertes Renderbild glaubhaft wirken, wenn das was gezeigt wird keine groben Fehler enthält. Dass man es deswegen immer noch als Renderbild identifiziert ist klar und stört auch nicht.

    13. Ich muss meine Aussage präzisieren merkte ich gerade. Denn gerade die Bilder vom „Tim und Struppi“ Film sind eine Katastrophe. Genauso die überarbeiteten Fassungen von „Ghost in the shell“ wo die Hintergründe neu in 3D gerendert wurden, vorne aber die alten animierten Figuren herum hampeln. Das wirkt eben nicht aus einem Guss. Aber wenn aber alles denselben Stil und Detailgrad in einem stimmigen Aufmachung daher kommt, kann auch Pseudo Realismus funktionieren.

    14. Ein überarbeitet Version von „Ghost in the Shell“?

      Im Falle von Anime stimmt Marcs Aussage zwar, allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen wie man denn hier, selbst wenn man es anstrebt, auch nur an den Abgrund des Valleys kommen soll. Selbst die optisch besten Werke sind relativ animation- und detailarm. Im Gegensatz zu Pixar die mit 3D auch wirklich in diese Richtung gehen könnten, sehe ich bei Anime einfach nicht die Möglichkeiten, selbst wenn man es wirklich will.
      Wobei da ja schon der Hacken ist, wenn es Pixar nicht schafft (bzw sich nicht traut), wer dann^^ Wir haben einfach die Situation, das in Videospielen immer mehr möglich wird, aber weder die Leistung, noch die „Erstellung“ da hinterher kommt.

      Dabei scheitert man meiner Meinung nach vor allem an er Animation. In Sachen Optik kommt man da durchaus schon sehr weit, siehe diverse Tech Demos. Wie man damit am besten in Videospielen verfährt ist aber eine sehr gute Frage. Bei Bioshock passt der Comic Look, bei anderen Spielen sicher nicht. Es bleibt also nichts anderes übrig, als vor dem Tal zu warten, bis man es wirklich überqueren kann, oder man nimmt halt das abstrakte aussehen in Kauf. Da gibt es für die westlichen Entwickler nicht viel zu „lernen“, weil man so gesehen nur zwei Möglichkeiten hat.

    15. Ein überarbeitet Version von “Ghost in the Shell”?

      Ja gibt es im Bundle mit dem zweiten Teil auf BR. Mein Kollege hat die aus Asien, keine Ahnung von wo. Habe sie bei ihm geschaut.

    16. Also eher die BRD. GitS ist ja schon ein paar jährchen alt und stammt noch aus VHS Zeiten, da lohnt wohl ein HD Release^^

      Vielleicht meinst du ja den zweiten Teil, da waren die 3D Umgebungen in der tat nicht immer passend, also eher auffällig. Dafür war der räumliche Eindruck aber auch fantastisch.

    1. Ich finde die Gesichter ja immer gar nicht so schlecht. Aber die Bewegungen! Das ist einfach total unrund. Abschreckend oder unheimlich wirken die Gesichter auf mich aber so oder so nie. Mich stören auch vergleichsweise hölzerne Gesichtsanimationen in Spielen nicht sonderlich.
      Wenn es das würde, könnte ich nur noch Spiele wie Wing Commander und Command & Conquer spielen (Zwischensequenzen mit echten Schauspielern). Ich beobachte da die Entwicklung gerne aber mit einem ordentlichen Schuss Gelassenheit.

    2. Das fällt auch erst so richtig auf, wenn man Spiele mit den Augen einer Person sieht, die sonst nie spielt. Spiele sind da einfach noch weit entfernt, wie ein Kinofilm zu wirken. Und das liegt imho zu einem großen Teil an den Figuren. Vielleicht ist das auch das Geheimnis von Spielen wie „Super Mario“.

    3. Ich glaube Super Mario ist besonders erfolgreich, weil das im besten Sinne Familienspiele sind. Kaum eine andere Spielmarke kann man seinen Kindern so bedenkenlos kaufen. Und auch als Erwachsener ist es noch ganz spaßig.
      Und diese ganzen Auskopplungen wie Super Mario Party sind dann auch mit mehreren Spielern witzig. Ganz ehrlich für mich DER Konsolenvorteil schlechthin. Bin deswegen auch hin und her gerissen wegen der Wii U. Andererseits ahne ich, dass das Teil dann die meiste Zeit verstauben wird…

      Und ja: wie ein Kinofilm wirkt es auch deswegen nie, weil man als Spieler in allen Zwischensequenzen ja immer auf seinen Einsatz wartet. Man weiß, dass man nie komplett zurücklehnend relaxen kann.

    4. Da fehlt es halt nach wie vor an animierten Gesichtsmuskeln. Tatsächlich fällt aber auch mir das ganze etwas mehr auf als sonst…

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